Two nerdy guys working with a computer

Studie: Homophobe sind Klemmschwestern

Wissenschaftler in Genf haben eine spannende Untersuchung angestellt

Früher hat man in Studien über Homophobie die Reaktion am Schwanz der Teilnehmer gemessen, also am Grad der Erektion. Vor 20 Jahren wurde eine US-Studie durchgeführt, bei der den Teilnehmern Homo- und Heteropornos gezeigt wurden. Herauskam: Nur die Männer, die sich als homophob bezeichnet haben, reagierten untenrum auf den Stimulus schwuler Sexszenen. Die Erregung, so stellten die Studienverantwortlichen Adams, Wright und Lohr damals fest, sei den Männern entweder nicht bewusst oder sie verleugneten sie. (US-Präsident Obama hat gerade auf die Parallelen zwischen Homophobie und Rassismus hingewiesen – MÄNNER-Archiv.)

Es gibt zwei Arten von homophoben Menschen: Die einen fühlen sich insgeheim von Männern angezogen, verhalten sich aber schwulenfeindlich

An der Uni Genf ist man jetzt andere Wege gegangen. Dort unterscheidet man zwei Arten von homophoben Menschen: Die einen fühlen sich insgeheim von Männern angezogen, verhalten sich aber schwulenfeindlich. Die anderen, das sind die unterdrückten Schwulen. Um mehr über sie herauszufinden, hat der Wissenschaftler Boris Cheval von der Fakultät für Psychologie und Erziehungswissenschaften der Uni Genf eine Studie mit 38 freiwilligen Teilnehmer durchgeführt, die sich als heterosexuell bezeichneten. (In England engagiert sich die Schauspielerin Emma Thompson gegen Homophobie an der Schule – MÄNNER-Archiv.)

„Diese Gruppe interessiert uns, weil diese Menschen tatsächlich selbst Opfer sind“, erklärt Cheval. Der starke Gegensatz zwischen ihren intimen Empfindungen und der nach außen dargestellten Haltung müsse aller Wahrscheinlichkeit nach negative Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden haben.

Kalte und warme Homophobie

Cheval unterscheidet zwei Hauptformen von Homophobie: die „kalte“ Homophobie einerseits, die er als rational und bewusst bezeichnet. Die „warme“ Homophobie dagegen ist instinktiv, emotional, unausgesprochen und unbewusst. Und dann gibt es noch diverse Abstufungen.

Cheval und sein Team haben den Teilnehmern zunächst einen Fragebogen vorgelegt – danach wurden ihnen Bilder am Computer gezeigt, die sie als eher homo- oder heterosexuell einstufen sollten. Und was passierte? Die homophoben Männer betrachteten Fotos, die homosexuelle Szenen oder Situationen zeigten, länger als die, die Heteroszenen zeigten. Die nicht-homophoben Teilnehmer zeigten ein eher neutrales Verhalten. Boris Cheval erklärte, dass Männer, die sich als anti-schwul bezeichnen, offenbar von schwulen Stimuli impulsiv angezogen werden.

Klar, eine Studie mit 38 Teilnehmern ist mit Vorsicht zu genießen und wir wünschen uns mehr solcher Untersuchungen. Aber – haben wir es nicht immer schon geahnt?

Titelbild: Fotolia


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