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„Wir feiern weiter, wer wir sind”

Interview mit dem ugandischen LGBTI-Aktivist Pepe Onziema nach der Polizeirazzia

In der vergangenen Woche hatte die Polizei eine Veranstaltung des Gay Pride gestürmt und ein Dutzend Aktivisten und Besucher festgenommen (MÄNNER-Archiv) – darunter Frank Mugisha, den Geschäftsführer der LGBTI-Organisation Sexual Minorities Uganda, SMUG, und seinen Stellvertreter Pepe Onziema. Mit ihm sprach Simone Schlindwein in Ugandas Hauptstadt Kampala.

Pepe, Euer Gay-Pride-Event am Donnerstag in Ugandas Hauptstadt Kampala wurde von der Polizei gestürmt, und Du wurdest festgenommen. Das ist geschehen?

Wir hatten an diesem Abend unsere Gay Pride, also auch die Wahl zu Misses und Mister Gay. Dazu haben wir eine Modenshow organisiert, im Nachtclub Venon in Kabalagala, dem Ausgehviertel von Kampala. Nach der ersten Runde haben wir uns als Organisatoren des Events auf der Bühne kurz vorgestellt. Das war der Moment, als die Polizei den Club stürmte.

Uganda Pride

Aktivist Pepe Onziema (Foto: Kuchu Times)

Die Polizisten kamen mit einer ganzen Mannschaft, haben die Veranstaltung aufgelöst und Euch verhaftet?

Als die Polizisten den Nachtclub stürmten haben sie uns angeschrieben, wir hätten keine Erlaubnis eine Veranstaltung abzuhalten und sie beschuldigten uns, wir würden eine Schwulen-Hochzeit feiern, was laut ugandischem Gesetz illegal ist. Dann haben sie mich und weitere neun der Veranstalter festgenommen und auf die Polizeistation gebracht.

Wie haben Euch die Polizisten dort behandelt?

Sie haben uns gezwungen, unsere Kostüme auszuziehen – wir waren ja mitten in der Modenshow als die Polizei kam. Sie rissen uns die Perücken vom Kopf und einer fragte, ob wir denn Männer oder Frauen seien. Denn sie müssten uns ja in die Frauen oder in die Männerzellen sperren. Ein Polizist hat eine Transe mit dem Stiefel getreten.

Einer schlug mir ins Gesicht, sodass meine Brille runterfiel

Wurdest Du dann in die Männerzelle gesperrt?

Ja, als sie mich dorthin hineinstießen, saßen dort auch schon ein paar Kleinkriminelle. Die Polizisten haben denen zugerufen, sie sollen sich um mich kümmern. Ich wurde beschimpft, beleidigt und auch geschlagen. Einer schlug mir ins Gesicht, so dass meine Brille runterfiel, sie ging zum Glück nicht kaputt, denn ich sehe ohne sie fast gar nichts.

Und was geschah mit den übrigen Festgenommenen?

Wir waren insgesamt zehn Leute, die eingesperrt wurden. Wir sind alle Mitglieder von SMUG, dem Schwulen und Lesbenverband Ugandas. Unser Vorsitzender Frank Mugisha hatte den Nachtclub privat angemietet für diesen Abend, auch er wurde festgenommen. Später brachten sie noch weitere sechs Leute von unserer Veranstaltung als Zeugen.

Uganda Pride

Tweet der LGBTI-Organisation FARUG (Foto: Screenshot)

Haben die Polizisten Euch erklärt, weswegen sie Euch festnehmen?

Sie haben uns anklagen wollen, gegen das Gesetz der öffentlichen Ordnung verstoßen zu haben, nach welchem man öffentliche Veranstaltungen anmelden muss. Doch wir haben auch feststellen können, dass sich die Haltung des Polizeikommissars im Laufe des Abends veränderte. Er bekam immer wieder Telefonanrufe und beriet sich mit Vorgesetzten. Letztlich haben sie uns dann aber alle ohne Anklage laufenlassen.

Was hat dieser Abend bei Dir an Spuren hinterlassen?

Ich bin schon öfter verhaftet worden und auch geschlagen worden, aber wie die Polizei uns an jenem Abend behandelt hat, das zeigte mir erneut sehr deutlich, wie viel Homophobie es immer noch gibt in Uganda. Das hat mich fassungslos gemacht, zu sehen, wie viel Hass die Polizisten uns gegenüber ausdrückten. Ich war wirklich wütend und später dann sehr sehr traurig, denn wir bemühen uns jetzt schon seit zehn Jahren, die Einstellung in der ugandischen Gesellschaft zu ändern, offenbar ohne Erfolg.

Und, werdet Ihr weitere Veranstaltungen planen und es erneut riskieren?

Ja, auf jeden Fall. Wir werden weiter feiern, wer wir sind und unseren Willen bestärken.

Titelbild: Kuchu Times (Das Bild zeigt den Veranstaltungssaal, bevor die Polizei kam, Teilnehmer verhaftete und die Dekoration abriss)


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