CSD_Stuttgart_1050

Kirchenknatsch wegen Homosegnung

Die "Initiative Regenbogen" kämpft für eine Segnung von Schwulen und Lesben in der Landeskirche

In der Landeskirche Württemberg rumort es: Während sich wie in Berlin-Brandenburg (MÄNNER-Archiv) oder im Rheinland (MÄNNER-Archiv) derzeit immer mehr evangelischen Kirchen in Deutschland gegenüber einer Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren öffnen, mauern die Verantwortlichen in Württemberg im Hinblick auf dieses Thema. Auch eine Online-Petition für die Öffnung (MÄNNER-Archiv), die bereits fast 10.000 Menschen unterschrieben haben, konnte daran bislang nichts ändern.

Entwürdigend, dass schwule und lesbische Gemeindeglieder sich von Pfarramt zu Pfarramt durchtelefonieren müssen, bis sie endlich einen Theologen finden, der bereit ist, sie zu segen

„Lesbische und schwule Gemeindeglieder müssen sich manchmal von Pfarramt zu Pfarramt durchtelefonieren, bis sie endlich einen Theologen finden, der bereit ist, sie in einem Gottesdienst zu segnen“, sagt Pfarrerin Birgit Rommel gegenüber den Stuttgarter Nachrichten. „Das finde ich entwürdigend.“ In Böblingen hatte ein Dekan in der Stadtkirche Ende Juni ein lesbisches Paar getraut – viele konservative Christen kritisierten das als Verstoß gegen die kirchliche Ordnung und drohen dem Dekan mit disziplinarischen Maßnahmen.

Druck von unten

Nun kommt jedoch noch mehr Druck von unten: Unter dem Titel „Inititative Regenbogen“ haben sich bereits im insgesamt 17 Kirchengemeinden zusammengetan, um sich für die Trauung von Schwulen und Lesben stark zu machen. Entstanden ist die Initiative als Ableger des Bündnisses „Kirche und Homosexualität“, das unter anderem auch beim vergangenen Stuttgarter CSD mitgelaufen ist. Ziel ist es, zu zeigen, dass viele Gemeinden offen gegenüber einer gleichgeschlechtlichen Segnung sind.

 

Die Nachbarn machen es vor

Reiner Arnold, Kirchengemeinderat des Stuttgarter Stadtteils Asemwald, betont dabei auf der Webseite der Initiative, dass man sich vor allem an der benachbarten Badischen Landeskirche ein Beispiel nehmen sollte: „Mit Freude haben wir vom Beschluss der Badischen Landeskirche gehört, die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare nicht nur zu ermöglichen, sondern der Trauung heterosexueller Paare gleichzustellen. Das macht uns Hoffnung für den Prozess, der auch in Württemberg in Gang kommen wird. Wir ermutigen andere Kirchengemeinden, sich uns anzuschließen, und fordern die Kirchenleitung auf, die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare sowie für das Zusammenleben von Pfarrerinnen und Pfarrer mit ihrer Partnerin/ihrem Partner im Pfarrhaus zu schaffen.“

Mitte Juli hat die Inititative Regenbogen im Rahmen der Sommersynode, eines Treffens der Oberhäupter der Landeskirche Württemberg, den Landesbischof und die Synodalpräsidentin dazu aufgefordert, die Kirchengesetze zu ändern. Ob der Einsatz bei den Verantwortlichen Spuren hinterlassen hat, wird sich schon bald zeigen: Laut den Stuttgarter Nachrichten will die Synode noch in dieser Amtszeit die Regelungen zur Trauung neu fassen.

Mehr Informationen zur Initiative Regenbogen gibt es auf der Webseite des Bündnisses Kirche & Homosexualität

Foto: Imago


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