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Chelsea Manning beginnt Hungerstreik

Sie sagt, sie sei jetzt lange genug "ignoriert, verspottet, mit Almosen bedacht und totgeschwiegen" worden

Chelsea Manning ist in Fort Leavenworth im US-Bundesstaat Kansas, wo sie sich in Haft befindet, in einen unbefristeten Hungerstreik getreten, um gegen ihre Haftbedingungen zu protestieren. Sie begründete ihre Entscheidung in einem Freitag Nacht veröffentlichten Statement damit, dass sie nun sechs Jahre Militärhaft an fünf verschiedenen Orten hinter sich hätte, in denen ihre Gesuche um Hilfe „ignoriert, verzögert, verspottet, mit Almosen bedacht und totgeschwiegen” worden seien, und zwar sowohl vom Militär, wie von der US-Regierung. Das gestörte Verhältnis zwischen Manning und den Behörden, die sie im August 2013 zu 35 Jahren Haft verurteilt hatten, weil sie hunderttausende geheimer Militär-Dokumente an Wikileaks weitergegeben hatte, erreicht mit dem Hungerstreik einen neuen Höhepunkt. Erst im Juli musste Manning nach einem Selbstmordversuch in einem Krankenhaus medizinisch versorgt werden, der, wie sie Freitag auch sagte, durch den Mangel an Beachtung ausgelöst wurde, den ihre Transsexualität von den Behörden erfährt.

Als ich ein Kind war, hat mein Vater mich oft geschlagen, weil ich ihm nicht ‘männlich’ genug war.

Sie hatte kurz nach ihrer Verurteilung den Wunsch geäußert, als Frau zu leben und führt seitdem einen andauernden Kampf mit dem Militär über alles, von Hormonen bis zur Kleiderordnung im Gefängnis. Manning sagt: „Ich brauche Hilfe, aber statt mir die zu geben, bestraft man mich nun für meinen Selbstmordversuch. Als ich ein Kind war, hat mein Vater mich oft geschlagen, weil ich ihm nicht ‘männlich’ genug war. Er sagte mir, ich solle mich ‘mal zusammenreißen’ und nicht immer gleich weinen. Aber das konnte ich nicht. Der Schmerz wurde immer schlimmer. Ich brauchte Hilfe, aber die wollte mir niemand geben. Auch jetzt brauche ich Hilfe. Und auch jetzt kommt sie nicht.” Zusätzlich zu ihrem Hungerstreik, will Manning aufhören, sich freiwillig die Haare zu schneiden oder schneiden zu lassen. Sie bekommt zwar Hormone, die ihre Geschlechtsanpassung unterstützen sollen, ist aber bislang gezwungen, ihre Haare in der vorgeschriebenen Länge für männliche Soldaten zu tragen. Nur eine der Schikanen, gegen die sie mit Hilfe von Anwälten vorgeht. Die sind inzwischen so bekannt, dass schon Theaterstücke darüber geschrieben werden. (MÄNNER-Archiv)

Bild: Wikicommons/Alicia Neal


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