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Ozon: „Das ist einfach ein Klischee”

Meisterregisseur François Ozon über schwule Männer, Romy Schneider und seinen neuen Film "Frantz"

Dem schwulen Film geht es in Europa ganz gut. (MÄNNER-Archiv) François Ozon gehört nicht nur zu den fleißigsten aktuell arbeitenden Regisseuren Frankreichs, er ist auch einer der erfolgreichsten. „Frantz“ ist bereits sein 16. Film in 18 Jahren, und auch er lockt seine Landleute seit ein paar Wochen schon wieder zu Hunderttausenden in die Kinos. Das ist zwar noch ein wenig entfernt von den Millionen, die sich leichte Komödien wie „Ziemlich beste Freunde“ ansehen, aber eben doch bemerkenswert viel für eine 1919 spielende, größtenteils in Schwarzweiß gedrehte Geschichte über eine um ihren gefallenen Verlobten trauernde Deutsche und einen mysteriösen Franzosen an dessen Grab. Wir trafen den schwulen Filmemacher, dessen Werk so unterschiedliche Filme wie die Fassbinder-Adaption „Tropfen auf heiße Steine“, „8 Frauen“, „Swimming Pool“, das HIV-Drama „Die Zeit, die bleibt“ und die Crossdressing-Geschichte „Eine neue Freundin“

Monsieur Ozon, was war es, das Sie an der Geschichte von „Frantz“ reizte?
Ich wollte unbedingt einen Film über das Lügen drehen. Ein Freund wies mich auf das Theaterstück „L’homme que j’ai tué“ von Maurice Rostand hin und ich merkte sofort, das ich daraus etwas Faszinierendes machen könnte. Ernst Lubitsch hatte die Geschichte auch schon mal verfilmt, allerdings nahm sein Film „Der Mann, den sein Gewissen trieb“ die Perspektive des Franzosen ein. Mich interessierte die junge Deutsche als Protagonistin allerdings viel mehr.

Mit Paula Beer fanden Sie für die Rolle auch eine tolle Darstellerin. Fast erinnert sie in „Frantz“ an Romy Schneider, nicht wahr?
Das ist mir natürlich nicht verborgen geblieben. Wir Franzosen lieben ja Romy Schneider. Ich würde sogar behaupten, dass die meisten gar nicht wissen, dass sie keine Französin war. Außer vielleicht sie haben – wie ich – als Kind die „Sissi“-Filme im Fernsehen gesehen. Als ich mir jede Menge deutscher Schauspielerinnen für die Rolle in „Frantz“ ansah, fiel mir jedenfalls Paula sofort ins Auge. Sie hat die gleiche einnehmende Qualität wie Romy, man sieht ihr unglaublich gerne zu und sie braucht nur ihr Gesicht um eine Vielzahl von Emotionen zu transportieren. Außerdem ist sie schlicht reizend. Sie hat es sogar ertragen, dass ich sie erst darum bat, sich für die Rolle ihre Haare blond zu färben, nur damit ich dann feststellen konnte dass ich braun doch besser fand.

In Ihren Filmen erzählen Sie allgemein bevorzugt von Frauen. Warum faszinieren die Sie als Regisseur mehr als Männer?
Würde ich Filme über Männer drehen, würde kein Mensch eine solche Frage stellen. Und nur um das gleich klarzustellen: es sind nicht einfach irgendwelche Frauen, die es mir angetan haben, sondern schon immer sehr spezielle Figuren, die ganz spezifische Entwicklungen und Erfahrungen durchmachen.

Kein Regisseur versteht die Frauen besser, wird oft über Sie gesagt. Das würden Sie also nicht unterschreiben?
Ich bin einfach kein Fan solcher Labels. Aber prinzipiell will ich Ihnen ja gar nicht widersprechen. Ich liebe es, mit Schauspielerinnen zu arbeiten. Und irgendwie stimmt die Chemie zwischen mir und den Frauen oft mehr als mitunter mit Männern. Alle fragen mich ja immer nach den Allüren von Catherine Deneuve, Charlotte Rampling oder anderen Diven. Doch wann immer ich in der Arbeit große Egos erlebt habe und es richtig kompliziert wurde, waren das eigentlich männliche Darsteller. Womöglich liegt das einfach daran, dass ich eben selbst ein Mann bin. Dieses letzte bisschen Distanz, dieser Blick von außen – vielleicht sorgt der dafür, dass ich mit Frauen besonders gut kann.

Man spricht uns schwulen Männern diese Qualität auf jeden Fall oft zu.
Was natürlich ein Klischee ist. Aber das schlägt den Bogen zurück zu dem, was wir eben besprochen haben: anders als heterosexuelle Männer haben Schwule einfach oft gelernt, ihren Sinn fürs Weibliche zu zeigen und auszuleben. Wobei das Label des schwulen Regisseurs auch eines ist, gegen das ich mich sträube. Ich habe nicht das Gefühl, dass das etwas ist, was meine Arbeit definiert. In vielen meiner Geschichten kommen homosexuelle oder queere Figuren vor. Aber in meinen Augen habe ich noch nie das gedreht, was man gemeinhin einen Schwulenfilm nennt.

Immerhin haben Sie auch in „Frantz“ bewusst eine homoerotische Seite der Geschichte eingebaut…
Das passte einfach gut in die Geschichte und wie ich sie erzählen wollte. Das Publikum sollte bis zum Schluss nicht sicher sein, wer dieser Adrien ist und in welchem Verhältnis er tatsächlich zu Frantz stand. Es geht – wie gesagt – um Lügen und Geheimnisse.

Foto: X-Verleih/Warner Bros. 


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