rear view of a male doctor with stethoscope in hospital ward.

Schwuler Chinese 19 Tage festgehalten

Nachdem ein 32-jähriger sich outete, erlebte er die Hölle auf Erden

Dass das Outing gegenüber seiner Frau Folgen haben würde, damit muss der 32-jährige Chinese Yu Hu wohl gerechnet haben. Doch was ihm wirklich passierte, nachdem er sich zu seiner Homosexualität bekannte, das grenzt an die Handlung eines Horrorfilms: Zwar akzeptierte Yu Hus Frau die Scheidung, nicht aber ihre Familie. Die ließ ihn vom Personal eines Krankenhauses in der westchinesichen Henan-Provinz mit einem Lieferwagen kidnappen, um ihn dort gegen seinen Willen zu „therapieren”.

Beim Versuch, die Medikamente zu verweigern, drohte ihm das Krankenhauspersonal Gewalt an

Im Krankenhaus wurde Yu Hu nach einem Bericht der Zeitung Shanghai Daily an ein Bett gefesselt und mit einem unidentifizierbaren Cocktail aus Medikamenten vollgepumt. Beim Versuch, diese zu verweigern, drohten ihm die Mitarbeiter des Krankenhauses Gewalt an. Ganze 19 Tage dauerte die Tortur, bevor befreundete LGBTI-Aktivisten von der Sache Wind bekamen und Hu mit Hilfe der Polizei befreien konnten.

„Konversionstherapien” sind nach wie vor an der Tagesordnung

Inzwischen hat Hu das Krankenhaus auf Schadensersatz verklagt und spricht sich öffentlich gegen derartige „Therapien” aus: „Diese Menschen müssen zur Verantwortung gezogen werden”, erklärte er in einem Interview. „Nicht schwul sein ist ein Verbrechen, sondern das, was sie mit mir gemacht haben. Ich bin nicht der einzige, dem so etwas passiert ist, und es muss aufhören.” Der Fall soll morgen vor Gericht angehört werden.

Die „Therapien” kosten um die 3.000 Euro

Homosexualität ist in China nicht illegal, aber selbst in Zeiten von öffentlichkeitswirksamen Events wie der Mr.-Gay-China-Wahl (MÄNNER-Archiv) immer noch stark tabuisiert. So genannte „Konversionstherapien”, wie man sie auch aus den USA kennt (MÄNNER-Archiv), sind daher nach wie vor an der Tagesordnung. Sie kosten laut Angaben des LGBTI-Centers in Peking um die 3.000 Euro. Chinesische Aktivisten versuchen bereits seit längerer Zeit, Druck auf die Pharmaindustrie und Krankenhäuser auszuüben, um die Praxis endgültig als unwissenschaftlich und menschenunwürdig zu verdammen.

Foto: Fotolia


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