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Coming-out auf Moskauer Bühne

Das Stück „Выйти из шкафа“ (etwa: „Aus dem Schrank kommen“) feiert Premiere

Im April vergangenen Jahres war die russische Regisseurin Anastasia Patlay (40) in Kiew, um an der Lesung eines Stücks des ukrainischen Filmregisseurs und Dramatikers Oleg Sentsov mitzuwirken, der sich in einem russischen Gefängnis befindet. Ein Jahr zuvor hatte Russland die Halbinsel Krim annektiert, was zum Krieg und nachhaltigen Feindseligkeiten zwischen den beiden Ländern geführt hatte. Wegen des Verdachts der Planung terroristischer Handlungen wurde Sentsov zu 20 Jahren Haft verurteilt.

Alle Intendanten haben alle abgewinkt, nachdem sie erfahren haben, worum es geht

Anastasias neues Stück „Выйти из шкафа“ (etwa: „Aus dem Schrank kommen“) hat heute in Moskau Premiere am Teatr.doc und wird danach in St. Petersburg im Rahmen des QueerFest 2016 (noch bis 25. September) gezeigt werden. Es sollte noch ein weiteres Mal in St. Petersburg gespielt werden, als Gastspiel an einem Theater. Nur: Die Intendanten haben alle abgewinkt, nachdem sie erfahren haben, worum es geht. Um das Coming-out von Schwulen und Lesben nämlich und die Reaktionen ihrer Eltern. Daraufhin hat Anastasia nach einem Club oder anderen Orten gesucht, wo man ihr Coming-out-Stück zeigen könnte. Erfolglos. Niemand will sich Ärger mit den Behörden einhandeln. (Immerhin: Die Verfilmung von „Die Mitte der Welt” hatte ihre Premiere in Moskau – MÄNNER-Archiv)

Was passiert nach dem Coming-out?

Es geht um Kinder oder Jugendliche, die ihre Sexualität entdecken und darum, wie sie sich ihren Eltern gegenüber öffnen und wie sie es schaffen, akzeptiert zu werden. Bei der Recherche über Entwicklungen und Prozesse, die nach einem Coming-out in Gang kommen, wurde sie von ihrem Stammhaus, dem Teatr.doc unterstützt. Das Theater für russische Gegenwartsdramatik war schon auf Gastspielen in Polen und Deutschland wie 2015 an der Berliner Schaubühne.

Coming-out

Ihr Stück, das nur Menschen über 18 sehen dürfen – alles andere wäre nach offizieller russischer Lesart „Propaganda“ vor den Augen Minderjähriger –, basiert u. a. auf den Erfahrungen zweier Mütter, die das Coming-out ihrer Söhne gut aufgenommen haben, und auf der Geschichte von Felix (MÄNNER-Archiv) – eine von ihnen gehört dem Petersburger Parents’ Club an, einer Selbsthilfegruppe-Organisation von und für Eltern homosexueller Kinder. Dass verständnisvolle Reaktionen von Müttern und Vätern in der Realität selten genug vorkommen, weiß Anastasia. Ihre eigene Realität war aber immer schon einer andere. „Als ich jung war, hatte ich homosexuelle Freunde und bin mit dem Problem des Coming-outs vertraut.“ Auch wenn sie Schwule und Lesben kennt, die Russland verlassen haben: Ihre engen Freunde leben alle noch in Moskau, erzählt sie. Die, die in ihrem Alter sind, haben früher ihre Homosexualität offener gelebt. Heute ist das nicht mehr möglich.

Ich will keine Schwulen sehen, ich will auch keine schwulen Nachbarn

Am Teatr.doc fand im Juni bereits eine erste Lesung des Stücks statt. Ein Besucher der Lesung meinte hinterher: „Warum machen Sie dieses Stück? Wieso soll ich mir sowas anschauen? Ich will keine Schwulen sehen, ich will auch keine schwulen Nachbarn.“
Bei der Lesung war es lediglich diese eine Stimme, sagt die Regisseurin Anastasia, aber die Stimme von sehr vielen Leuten. Sie hofft, mit ihrem Stück solche Position etwas auflösen zu können. Schließlich, sagt sie, zeigt sie „ganz normale Menschen mit ganz normalen Problemen.

Der vollständige Artikel ist erschienen in MÄNNER 9.2016

Zur Facebookseite der Premiere

Fotos: Anastasia Patlay


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