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Das Märchen von der Homo-Lobby

Der MÄNNER-Wochenkommentar - immer wieder samstags

Immer samstags veröffentlicht MÄNNER einen Wochenkommentar, verfasst von wechselnden Autoren. Zum festen Stamm gehören Axel Hochrein (LSVD-Vorstand), Stefan Mielchen (Erster Vorsitzender von Hamburg Pride) sowie Jan Feddersen – der taz-Redakteur hat die Reihe eröffnet (MÄNNER-Archiv)

von Axel Hochrein

Für begrenzte Geister sind rechtliche Gleichstellung und gesellschaftliche Akzeptanz von LGBTI das Werk einer Hydra mit dem Namen Homo-Lobby. Und dieses hochgefährliche, vielköpfige Schlangenwesen zerstört die heterosexuelle Zivilisation und tötet die „deutsche“ Kultur. Schon seit 15 Jahren „bedroht“ die Eingetragene Lebenspartnerschaft Ehe und Familie und der Genderwahn macht aus Deutschland vollends ein Irrenhaus.

Homo-Lobby

Die Grünen in Wien machen sich über den Begriff lustig

Da will ich mich mal, als potentieller Angehöriger dieser Homo-Lobby, erdreisten und frei nach unserem Dichterfürsten Goethe sagen: „„Die Botschaft hör´ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube.“ Der Glaube an das Märchen von der Existenz einer mächtigen Homo-Lobby. Wenn es diese gäbe, würde Deutschland wohl nicht jedes Jahr im internationalen Gleichstellungs-Ranking weiter nach unten durchgereicht werden,  die würdelose Hängepartie um die Rehabilitierung der nach § 175 Verurteilten („Der Staat hat Schuld auf sich geladen, weil er so vielen Menschen das Leben erschwert hat”, so der Justizminister – MÄNNER-Archiv) hätte schon lange ein Ende gehabt, die „Neue Deutsche Welle der Homophobie“ könnte nicht aus ihren braunen Löchern schwappen, sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität wären durch das Grundgesetz geschützt, die Ehe wäre geöffnet und Gewalt gegen LGBTI  gäbe es nicht bzw. würde wirksam verfolgt und bekämpft.

Homo-Lobby

Auch die Liberalen nutzen den Kampfbegriff ironisch

Das Märchen, von der riesigen und gefährlichen Homo-Lobby ist eine geschickte Erfindung der Homophoben. Sie will auch davon ablenken, dass die Lobby unserer Gegner sehr viel größer und mächtiger ist.

  Es findet kaum ein zielgerichtetes und schon gar kein professionelles Lobbying statt, wie es sich andere Interessengruppen leisten können

Groben Schätzungen zufolge gibt es in Berlin 5.000 Lobbyisten, statistisch für jedes Mitglied des Bundestages ungefähr acht. Wieviel Lesben und Schwule darunter sind ist nicht bekannt. Wie viele von der Homo-Lobby kommen, dagegen schon: null. Die politische Lobbyarbeit der Community wird, wie die meiste Arbeit in der Community, von Ehrenamtlichen erledigt. Deshalb findet kaum ein zielgerichtetes und schon gar kein professionelles Lobbying, wie es sich andere Interessengruppen leisten können, statt. Die Möglichkeit der Einflussnahme, selbst der „politischen“ Community in ihren eigenen Parteien beschränkt sich auf optische Effekte, hauptsächlich und gern gesehen in Wahlkampfzeiten. Die Haltwertzeit von Versprechen an die Community, das wissen wir seit den letzten Koalitionsverhandlungen im Bund 2013, beträgt ca. zwei Minuten. Solange soll es gedauert haben, bis aus „100 % Gleichstellung nur mit uns“ dann ein „0% Gleichstellung für Euch“ wurde. Da ist der Verband für Topfpflanzen erfolgreicher als die Homo-Lobby.

Teil 2: „Wir nur 10% der Macht hätten, die dieser Schimäre von unseren Gegnern nachgesagt wird, kämen wir voran.”


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