„Es gibt Hoffnung!”

Wentworth Miller ist das Gesicht einer neuen Kampagne für Hilfsangebote bei Depressionen

Weil er Angst hatte, offen zu seiner Homosexualität zu stehen, litt Wentworth Miller lange Zeit unter Depressionen. In seiner Jugend versuchte er bereits, sich deswegen umzubringen – das erste Mal, mit 15 Jahre alt. „Ich habe darauf gewartet, dass meine Familie das Haus verlässt. Ich habe eine ganze Packung Pillen geschluckt”, erzählte er mal in einem Interview. „Ich erinnere mich nicht mehr daran, was die nächsten Tage passierte, ich weiß nur noch, dass ich am Montagmorgen im Schulbus saß und so tat, als ob alles in bester Ordnung sei.“

Als homosexueller Mann muss ich absagen

Inzwischen geht der Schauspieler aber offen, um nicht zu sagen: offensiv mit seinem Schwulsein um. So lehnte er 2013 eine Einladung zu einem Filmfestival in St. Petersburg, aus Protest gegen das Antihomopropaganda-Gesetz (Russische Jugendliche finden Trost und Rat bei dem Projekt „Kinder 404” – MÄNNER-Archiv). „Vielen Dank für die nette Einladung”, schrieb er damals an die Veranstalter. „Als jemand, der Russland früher gerne besucht hat und auch russische Vorfahren hat, würde ich gerne zusagen. Allerdings: Als homosexueller Mann muss ich absagen.” Mit dieser Absage outete er sich damals öffentlich, mit 41.

Schwule Männer haben im Vergleich zur Restbevölkerung ein vierfach größeres  Suizidrisiko

Wissenschaftlichen Studien u. a. aus den Niederlanden zufolge ist bei Angehörige der LGBTI-Familie das Risiko, an einer Depression zu erkranken, mindestens um den Faktor zwei erhöht. Schwule Männer haben im Vergleich zur Restbevölkerung ein vierfach größeres  Suizidrisiko. Bei Schwulen und Lesben zwischen 12 und 25 Jahren ist das Suizidrisiko sogar bis zu siebenmal höher als von heterosexuellen Jugendlichen. Oft sagen homosexuelle Teenager nach einem Suizidversuch, sie hätten ihre Eltern die Schande ersparen wollen, ein homosexuelles Kind zu haben.

Auch in Deutschland gibt es viele Anlaufstellen für Menschen mit Depressionen. In München etwa gibt es die Selbsthilfegruppe „Gay Black Dogs Munich”, in Hamburg kann man sich an die Gruppe „Schwul und depressiv” wenden.

Allgemeine Adressen bundesweit gibt’s hier: www.depressionen-depression.net

Titelbild: Screenshot


4 Kommentare

  1. Petra Paul

    Traurig, das viele Menschen noch Angst haben müssen, sich zu outen und in den Tod gehen. Kann nicht nachvollziehen, wie Freunde oder auch die eigenen Eltern oft reagieren. Es ist doch nichts Verwerfliches oder Schlimmes homosexuell zu sein.


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