Oldenburg ehrt schwulen Regisseur

Christophe Honoré fliegt – vor allem in Deutschland – öfter unter dem Radar

Anders als in Deutschland, wo man die schwulen Regisseure, die sich im Kino-Mainstream etabliert haben, an einer Hand abzählen kann, gibt es in Frankreich zahlreiche Homo-Filmemacher, die nicht nur das Publikum in Scharen anlocken, sondern auch regelmäßig mit den ganz großen Leinwand-Stars des Landes arbeiten.

Filmfest Oldenburg

Christophe Honoré (Foto: PR)

François Ozon, dessen neuer Film „Frantz“ heute beim Festival in Venedig (nicht gerade ein homofreundliches Pflaster – MÄNNER-Archiv) seine Weltpremiere feiert und am 29.9. dann auch bei uns anläuft, ist ohne Frage der bekannteste unter ihnen. Doch nun kommt endlich auch mal wieder sein Kollege Christophe Honoré zu Ehren, der – vor allem in Deutschland – öfter mal ein bisschen unter dem Radar fliegt.

Sein jüngster Film „Les malheurs de Sophie“ erstmals in Deutschland

Das sympathische Internationale Filmfest Oldenburg, das vom 14. bis 18. September zum 23. Mal stattfindet, widmet dem französischen Regisseur in diesem Jahr die Retrospektive. Für alle seine Fans eine wunderbare Gelegenheit, schließlich gibt es in diesem Rahmen seinen jüngsten Film „Les malheurs de Sophie“ erstmals in Deutschland zu sehen. Auch der Vorgänger „Métamorphoses“, eine komplett mit Jung- und Laiendarstellern gedrehte Ovid-Adaption, lief regulär nie in unseren Kinos. (Die BBC kürte kürzlich die 100 besten Filme des 21. Jahrhunderts, auch ein paar schwule Filme sind dabei – MÄNNER-Archiv)

Filme mit Isabelle Huppert und Catherine Deneuve

Noch spannender ist die aus sechs Werken bestehende Filmreihe in Oldenburg allerdings für alle, die mit dem Werk des 46-jährigen wenig vertraut sind, denn sie stellt die ganze Bandbreite seines Talents unter Beweis. Das inzestuöse Mutter-Sohn-Drama „Ma Mère“ mit Isabelle Huppert läuft in Norddeutschland ebenso wie sein poly-sexuelles Musical „Les chansons d’amour“ mit Ludivine Sagnier und seinem guten Freund Louis Garrel oder das komplexe, historisch angehauchte Familiendrama „Les bien-aimés“ mit Catherine Deneuve.

Als schwuler Regisseur freue ich mich immer, wenn in meinen Geschichten homosexuelle Figuren vorkommen

Homo- und bisexuelle Elemente lassen sich in fast allen von Honorés eine Rolle, mal im Zentrum, mal nur am Rande. „Als schwuler Regisseur freue ich mich immer, wenn in meinen Geschichten auch homosexuelle Figuren vorkommen“, verriet er MÄNNER vor ein paar Jahren im Interview. „Aber es war noch nie so, dass mich nur Filme mit schwuler Thematik interessieren. Im Gegenteil. Meine Sexualität ist für mich eine Selbstverständlichkeit und nichts, womit ich mich von morgens bis abends beschäftigen muss.“ Ein Paradebeispiel für diese Selbstverständlichkeit und dennoch etwas, das in dieser Form nur ein schwuler Mann auf die Leinwand bringen konnte, ist „Hommes au bain“, Honorés vielleicht ungewöhnlichster und experimentierfreudigster Film, der ebenfalls in Oldenburg gezeigt wird. Die Hauptrolle spielt neben seiner Freundin Chiara Mastroianni der legendäre und hier wunderbar zarte und humorvolle Pornostar François Sagat.

Honoré selbst wird vom 15. bis 17. September beim Internationalen Filmfest Oldenburg zu Gast sein, das genaue Programm und Tickets gibt es hier: www.filmfest-oldenburg.de

Fotos: Promo


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