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WDR: „Es tut uns leid“

Grundsätzlich findet man aber an der Plasberg-Sendung vom 12.9. nichts Schlimmes

Nachdem die Äußerungen von Frank Plasberg über Homosexuelle in der jüngsten Ausgabe seiner Talkrunde „Hart aber fair“ viele queere Menschen beleidigt und verärgert haben, wollten wir wissen, ob die Verantwortlichen die Sendung selber glücklich finden (MÄNNER-Archiv). Wir fragten beim WDR und der Produktionsfirma Ansager und Schnipselmann nach – Plasberg ist einer der beiden Geschäftsführer.

Dagegen gibt’s kein Gesetz, es passiert

Gezeigt wurden in der Sendung Teilnehmer einer SadoMaso-Parade, eine Frau, die eine Gasmaske trägt, wenn sie ihren Hund spazieren führt, und Schwule, die halbnackt beim CSD feiern. O-Ton Plasberg: „Dagegen gibt’s kein Gesetz, es passiert.” Als der Moderator ein paar Minuten später nochmal Bezug nimmt auf den kurzen Film, spricht er von Menschen, die „weit außerhalb dessen“ stehen, was Menschen „normalerweise so leben“.

Frank Plasberg

Kommentar auf m-maenner.de am 13.9. (Screenshot)

Nicht mal Julia Klöckner (CDU) fand den Einspieler – oder Plasbergs Moderation – offenbar beanstandenswert, wo sie doch seit ihrem 19. Lebensjahr einen schwulen Mann ihren besten Freund nennt und sich gerne homofreundlich gibt (aber die Öffnung der Ehe ebenso ablehnt wie eine Änderung des Grundgesetzes in Richtung eines Diskriminierungsschutzes aufgrund der sexuellen Orientierung – MÄNNER-Archiv). Übrigens auch nicht Claudia Roth (Grüne), die zugegebenermaßen auch nicht angesprochen war.

Situationen, in denen bestimmte Outfits oder Verhaltensweisen Irritationen hervorrufen

„Es tut uns leid, dass der beanstandete Beitrag und die dazugehörige Anmoderation von Moderator Frank Plasberg in der ‚hartaberfair‘-Sendung vom 12.09. Ihre Leser verärgert haben“, schrieb uns der WDR. „Das war in keiner Weise die Absicht der Redaktion. In dem Beitrag ging es nicht um die Homosexualität der abgebildeten Männer, sondern um ihre öffentliche Nacktheit und dass diese andere Menschen irritieren könnte.

Genau das meint auch die Anmoderation von Frank Plasberg. Sie bezieht sich erst auf die Burka als etwas, das laut Umfragen viele Menschen befremdet, und stellt damit den Zusammenhang zu Situationen her, in denen bestimmte Outfits oder Verhaltensweisen bei Betrachtern Irritationen hervorrufen könnten.

Was kann, will oder muss eine Gesellschaft, die sich weltoffen nennt, tolerieren?

Der von Ihnen kritisierte Satz des Moderators Frank Plasberg soll keine Wertung vornehmen, ob es für solche Situationen ein Gesetz geben sollte oder nicht. Er macht lediglich deutlich, was alles in Deutschland möglich ist. Und genau darum ging es in der Diskussion der Sendung: die Grenzen dessen auszuloten, was eine Gesellschaft, die sich weltoffen nennt, tolerieren kann, will oder muss.“

Plasberg Produktionsfirma zog es vor, nicht zu antworten.

Morgen wird um 21 Uhr eine neue Sendung ausgestrahlt. Titel: „Zäune statt Hilfe – sind wir selbst schuld an der nächsten Flüchtlingswelle?“ Man kann so viele schöne Dinge an einem Montagabend tun. Vielleicht mal wieder ein gutes Buch lesen?

Titelbild: WDR


60 Kommentare

  1. Markus Pingel

    Allen ernstes??? Natürlich ist das weit außerhalb dessen wie wir leben! Wer geht den bitte so zur Arbeit, zu seiner Familie, auf die Straße wenn nicht gerade CSD ist? Manchmal ist die Überempfindlichkeit der Szene echt nervig! Abgesehen davon, wer von euch glaubt denn, dass ein solches Auftreten auf den CSDs für mehr Akzeptanz sorgt? Es spielt eher denen in die Hände, die uns als schrille Minderheit oder schlimmeres abtun wollen. Und jetzt kommt wahrscheinlich auch gleich ein Shitstorm gegen mich. Bitte. Ich kämpfe schon länger, ausdauernder und härter für unsere Rechte, als die meisten die sich hier Aufregen. Dennoch bin ich kein Berufsschwuler, sondern lebe tatsächlich ein leben außerhalb dessen und will das auch klar gemacht haben.

  2. Markus Pingel

    Der CSD ist eine politische Veranstaltung! Eine Demonstration für unsere Rechte! Das hat das Partyvolk wohl vergessen. Wir sollten für Akzeptanz eintreten. Ziel es doch gerade, das auch Hereros und Familien kommen, dass wir zeigen wer wir sind. Spaß darf der CSD gerne machen, ist aber nicht sein eigentlicher Sinn und Zweck!

  3. Harry Hirsch

    Markus Pingel Die Politik ist wohl abhanden gekommen. Das hab ich noch vor zwanzig, dreißig Jahren erlebt, als man noch Angst haben mußte, verprügelt und mit Tomaten beworfen zu werden, oder als wir den Bischof mit dem CSD in Fulda auf dem Domplatz geärgert haben und beim Marsch durch die Haupteinkaufsstraße am liebsten gesteinigt geworden wären. Heute ist CSD nur noch Karneval 2.0 – und was die Akzeptanz angeht, wird man die mit nackten Hintern vermutlich eher weniger erreichen. Aber, wie gesagt, wenn schon nix mehr dahinter steht, soll es den Leuten wenigstens Spaß machen.


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