Hart, aber geschmacklos

Ist Frank Plasberg ("hart aber fair") unter die Populisten gegangen?

Frank Plasberg gilt als angesehener Fernsehjournalist. Er hat 2005 den Adolf-Grimme-Preis sowie den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis erhalten und war Journalist des Jahres im Bereich „Politik“ (neben Alice Schwarzer). Im Jahr danach erhielt er den Bayerischen Fernsehpreis in der Sparte Information für die Moderation von hart aber fair und wurde als Journalist des Jahres im Bereich „Politik“ von der Medienzeitschrift MediumMagazin ausgezeichnet. Das ist lange her. Noch länger her ist die Geiselnahme von Gladbeck. Plasberg – wie auch andere Reporter – interviewten 1988 die Geiselnehmer Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner, die ihren Geiseln vor laufenden Kameras Schusswaffen an den Kopf hielten. Das Vorgehen der Presse wurde später vom deutschen Presserat verurteilt. Sein verantwortlicher Redakteur entschied jedoch, das Interview nicht zu senden. Plasberg selbst erklärte Jahre später, damals als junger Reporter nichts falsch gemacht zu haben, werde sich selbst jedoch kein weiteres Mal so verhalten.

Dagegen gibt’s kein Gesetz – es passiert

Diesmal interviewte er keine Geiselnehmer – er nahm selber Geiseln, den Zuschauer nämlich, in der neuen Ausgabe seiner Talkrunde. Der Titel lautete: „Offene Gesellschaft, offenes Gesicht – Kulturkampf um die Burka?“ Im Laufe dieser Sendung war ein Einspieler zu sehen, der dem Zuschauer zeigt, was die Gesellschaft schon alles toleriere. Gezeigt wurden Teilnehmer einer SadoMaso-Parade, eine Frau, die eine Gasmaske trägt, wenn sie ihren Hund spazieren führt, und Schwule, die halbnackt beim CSD feiern. O-Ton Plasberg: „Dagegen gibt’s kein Gesetz, es passiert.“ Stimmt. Gegen letzteres vor allem nicht, weil es sich um eine Demonstration für Menschenrechte handelt. Es zeichnet unsere Demokratie aus, dass die Ausübung der Demonstrationsfreiheit jedem zusteht, grundgesetzlich verankert und auch nicht mit einem vorgeschriebenen Mindestmaß an Textilien verknüpft ist. (Im Gegenteil: Verboten sind zu viele Textilien – die Vermummung.)

Der ausgezeichnete Journalist Plasberg möchte aber lieber moralisch-ethisch argumentieren. Als er ein paar Minuten später nochmal Bezug nimmt auf den kurzen Film, spricht er von „Menschen, die weit außerhalb dessen stehen, was Menschen normalerweise so leben.“

Halbnackte Männer auf dem 25. Berliner Christopher Street Day 2003 (Foto: Imago)

Halbnackte Männer auf dem 25. Berliner Christopher Street Day 2003 (Foto: Imago)

Nicht mal Julia Klöckner (CDU) fand den Einspieler – oder Plasbergs Moderation – offenbar beanstandenswert, wo sie doch seit ihrem 19. Lebensjahr einen schwulen Mann ihren besten Freund nennt und sich gerne homofreundlich gibt (aber die Öffnung der Ehe ebenso ablehnt wie eine Änderung des Grundgesetzes in Richtung eines Diskriminierungsschutzes aufgrund der sexuellen Orientierung – MÄNNER-Archiv). Übrigens auch nicht Claudia Roth (Grüne), die zugegebenermaßen nicht direkt nach Einspieler angesprochen wurde so wie Frau Klöckner.

Es darf nicht sein, dass dort Schwule halbnackt tanzen

Die Talkshow (2003 mit dem Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie Beste Informationssendung ausgezeichnet) hatte an dieser Stelle nicht nur unterstes RTL2-Niveau; Anmoderation und Einspieler hatten zudem einen Unterton, wie man ihn sonst von Rechstpopulisten kennt, die die Uhren in Deutschland gerne um ein paar Jahre zurückdrehen würden und die „Exzesse wie auf dem Christopher Street Day“ ablehnen, weil sie finden, es dürfe nicht sein, dass dort Schwule halbnackt tanzten. Dieser Satz fiel nicht in der Plasberg-Sendung. Er stammt vom sachsen-anhaltinischen Landeschef der AfD, André Poggenburg (MÄNNER-Archiv). Deren Anhänger dürften am Abend laut gejubelt haben. Sollte die rechtspopulistische Partei irgendwann mal einen Preis für – aus ihrer Sicht – verdiente TV-Journalisten ausloben, müsste sie jedenfalls nach einem würdigen Kandidaten nicht lange suchen.

Titelbild: WDR


31 Kommentare

  1. Jo Hannes

    Gut, drüber zu sprechen. Hat mich gestern auch irritiert. Empfand es eher polemisch, um die Diskussion weiter anzuheizen. Vollkommen richtig. Das ist unterstes Niveau. Da hätte sich Plasberg zwei Mal seine Formulierung überlegen sollen. Sachlich vor Augen zu führen, welches Spektrum wir bereits tolerieren, ist ok. Aber der Wink mit dem fehlenden Gesetz und die Diskussion über praktizierten Fetischismus in der Öffentlichkeit…An den Haaren herbeigezogen.
    Das Resultat am Ende war doch bezeichnend. Mehrfach wurde betont, wenn sich jemand mit niqab oder burka vermummt, dann muss ich mit dem jenigen nicht in Kontakt treten. Es gibt keinen „Zwang zur Kommunikation“. Und zack sind wir beim Thema Parallelgesellschaften. Diese Einspieler waren aussagelos. Oktoberfest Hacker Pschorr Zelt und zwei verschleierte Frauen davor. Das sollte nun interpretiert werden. Also mal wieder typisch Plasberg. Ordentlich Lärm machen, Diskussionen nicht gut moderieren, an wichtigen Stellen nicht weiter drauf eingehen und Stimmung machen bei der sich die Rechtskonservative und Rechtsextreme auf die Schenkel schlägt. Toll. In der Tat wird es in nächster Zeit darum gehen unsere Werte und Rechte zu verteidigen. Das hat Frau Merkel noch nie gebraucht. Jetzt muss sie ran und klar sagen, was „in Deutschland leben“ bedeutet. Dabei kann man nur hoffen, dass wir nicht meilenweit zurückrudern.

  2. Mike Effey

    Ich sage seit Ewigkeiten, dieser Plasberg ist ein extrem konservativer, rückwärts gewandter Meinungsmacher. Inzwischen halte ich ihn auch für gesellschafts-poltisch sehr gefährlich. Er war und ist einer der eifrigsten medialen Wegbereiter und Plattform-Zurverfügungsteller für die AfD. Und das von unser aller zwangserpressten Gebühren.

  3. Christian Knuth

    Auf jeden Fall zu ahnden. Was auch getan wurde. Übrigens keine Flüchtlinge. „Bei den weiteren Ermittlungen habe es sich herausgestellt, dass es sich bei dem 18-Jährigen um einen „hinlänglich bekannten Intensivtäter“ und bei dem 17-Jährigen ebenfalls um einen polizeibekannten Heranwachsenden handelt, so die Polizei. Diese beiden kamen zwecks weiterer Maßnahmen in das Polizeigewahrsam.“ http://mobil.queer.de/mobil_detail.php?article_id=25377

  4. Mikael Ahlmeyer

    Ich mag plasberg nicht besonders. Aber ich muss sagen das ich den einspieler nicht so empfinde wie die meisten hier…. Im Gegenteil. Deutschland ist tolerant. Das stimmt! Und ich finde es im Zusammenhang mit der Burka wirklich eine Interessante Frage.

  5. Mathias Braasch

    Ich habe mich auch an dieser Aneinanderreihung und Plasbergs Kommentaren gestoßen. Da ist er eindeutig zu weit gegangen und hat sich als echter Spießer entlarvt. Es gibt manchmal bei CSD’s Teilnehmer, die über das Maß dessen hinausgehen, das ich für angemessen halte. Manche Teilnehmer schaden mit ihrem allzu freizügigen Benehmen auch dem Zweck der CSD’s. Es ist aber schon allerhand, die CSD’s so zu diskreditieren und sie sozusagen als Sex-Demos abzutun. Prima, dass Ihr das so thematisiert. Danke!

  6. Wolfgang Schmitt

    Aber, aber… es ist doch nett, dass ein Herr Plasberg uns so grosszuegig toleriert. Wie weit haben wir es gebracht! Einmal im Jahr kann er (je nach Stadt) samstags oder sonntags Broetchen nur mit Arsch gegen die Wand kaufen, weil dann a l l e Maenner was vom ihm wollen und er haelt das- SO TAPFER- aus!

  7. Claudia Schulz

    der Mann hat ein Problem mit homosexuellen Menschen. das wurde klar als er sich über den Berliner Pride Weihnachtsmarkt lustig gemacht hat. Auch bei der Gender Gaga Diskussion mit Birgit Kelle strotze er nur so vor Testosteron.

  8. Christoph Wewer

    Deutschland halt, bei Plasberg ist immer Back To The Future Day. Ich fand es sehr aufschlussreich, als letztens ein Syrer im interview meinte, dass Deutschland religious konservativer sei als Syrien. Und 10 Jahre Rautentusse haben ihr übriges getan, weil Mutti ja nun die Oberspiesserin par excellence ist.

  9. Marian Hacke

    „Halbnackt Tanzen“ ist lediglich eine Schutzbehauptung, in Wahrheit hat er nur keinen Bock Menschen öffentlich auf einen Wagen in Gegewart von Kindern Ficken zu sehen.

  10. Petra Paul

    Die gab es ja unter anderem immer bei der Love Parade, da hat sich komischerweise niemand großartig drüber aufgeregt. Also ich persönlich sehe da lieber halbnackte tanzende Männer. 😀

  11. Michael Felix Leopold

    Petra Paul Ganz genau dahin zielte mein Wink mit dem Zaunpfahl. Es gibt eben immer noch viele laute Heteromänner die für sich andere Gesetze wollen als für andere. Egomanen eben, oder das berühmte 1%…

  12. Christian Klein

    Warum interessiert sich nochwer für dieses Fernsehen. Einfach abschalten, Problem gelöst. Als wie wenn solche Talkrunden jemals was geändert haben. Die Rot die ihr Land nicht mag und der Friede der weißes Pulver schnifft. Bitte, die haben nichts mehr zu melden.

  13. Jean Andre

    Plasberg ist an Arroganz (auch hinten den Kulissen) nicht zu überbieten; er findet sich nicht nur ganz toll, sondern glaubt, der beste Moderator weltweit zu sein……..NARZISST


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