Männer zum Verbiegen

Philipp und Marco verbiegen sich, was das Zeug hält

„Mann oh Mann!“ heißt die aktuelle Bühnenshow im Krystallpalast Varieté Leipzig. Alleinige Akteure sind attraktive männliche Artisten. MÄNNER hat Philipp Tigris und Marco Noury nach der Show getroffen

von Carsten Heinke

Die allermeisten Männer würden sich nie verbiegen. Behaupten sie jedenfalls. Wörtlich genommen, wären wohl auch nur die allerwenigsten dazu körperlich imstande. So wie Philip Tigris. Er verbiegt sich, was das Zeug hält – fast täglich und so professionell, dass er damit Geld verdient. Und nicht genug, dass dieser Schlangenmann auf Händen läuft und sich dann und wann mit den nackten Zehen durch das Haar streift – nein, er lässt an seinen maskulinen Beinen obendrein noch große Ringe kreisen!

Krystallpalast

Marco bei der Arbeit (Foto: Christoph Bluethner)

Kontorsion heißt die Kunst, den eigenen Körper zu verbiegen und zu verdrehen. Meist wird sie von Frauen praktiziert. Zu den wenigen Männern, die diese Form der Akrobatik mit Bravour beherrschen, zählt Philipp Tigris. Der jungenhafte Bursche mit dem sexy Grinsen setzt sogar noch eins drauf und kombiniert seine „Biegetechnik“ mit Hula-Hoop.

In jedem Matrosen steckt eine Diva

Zu erleben ist der Artist damit zurzeit im Leipziger Krystallpalast, wo er zusammen mit Strapatenkünstler Marco Noury und neun weiteren männlichen Kollegen aus aller Welt gastiert. Ob an Stangen, Seilen oder Bändern, mit Requisiten oder bloßem Körper: Jede Nummer ist ein Leckerbissen für alle, die Artistik und schöne Männerkörper mögen. Die Show heißt „Mann, oh Mann!“, ihr Name ist Programm. Das ohnehin beim queeren Publikum beliebte Varieté-Theater hat wieder einmal dessen Nerv genau getroffen.

Marco, ein ganzer Kerl, umhüllt seine breiten Schultern divenhaft mit Umhang, langer Schleppe und jeder Menge Glitzer

Schwule findet man bei den abendlichen Vorstellungen nicht nur im Zuschauersaal des Krystallpalastes – auch auf der Bühne.

Philipp Tigris spielt homoerotischen Klischees und trägt bei seinem Auftritt eine Matrosenuniform, die ihm fantastisch steht. Marco Noury, ebenfalls ein ganzer Kerl, umhüllt seine breiten Schultern divenhaft mit Umhang, langer Schleppe und jeder Menge Glitzer, bevor er an den Strapaten (lange, von der Decke hängende Bänder) durch die Luft wirbelt und den eigenen Körper als bewegtes Kunstwerk inszeniert. (Der Akrobat Mirko Köckenberger war im April unser Coverboy – MÄNNER-Archiv)

Krystallpalast

Vermutlich findet er das auch noch bequem. 😉 (Philipp Tigris, Foto: Hakan Chackkizil)

Es muss halt funkeln

Das Sahnehäubchen seiner Show ist das Kostüm. „Mein Markenzeichen“, verrät der junge Muskelprotz. „Das für Leipzig besteht nur aus drei knappen Teilen. Doch die strotzen vor Strass. Es muss halt funkeln.“ Da Marco niemand kennt, der ihm Bühnenoutfits nach seinem Geschmack schneidern kann, erledigt er das seit fünf Jahren selbst: „Am heikelsten ist es, die bis zu 8.000 Swarowski-Steine richtig zu platzieren – für mich eine Freizeitbeschäftigung für drei bis vier Monate.“

Krystallpalast

Marco (li.) und Philipp (Foto: C. Heinke)

Sowohl Marco als auch Philipp begannen ihre Karriere bereits als kleine Jungen, denn zufällig träumten beide von einer Arbeit in der Manege. „Bei mir war die Oma schuld. Sie nahm mich schon mit den Zirkus, als ich noch im Kinderwagen saß“, erzählt Marco, dessen früheste Kindheitserinnerungen von Trapezkünstlern und Jongleuren, Zirkusluft und -musik geprägt sind. Mit zwölf ging er in seiner Heimatstadt Anklam in eine Tanz-und-Akrobatik-Gruppe, mit 15 an die Staatliche Ballettschule und Schule für Artistik in Berlin.

Ich trainierte als Kind so lange heimlich, bis ich die ersten Übungen öffentlich präsentieren konnte

Den kleinen Philipp hatten erst nur die Zirkustiere interessiert – bis er mit sieben Jahren seine Gelenkigkeit entdeckte. „Ich trainierte so lange heimlich, bis ich die ersten Übungen öffentlich präsentieren konnte“, erinnert sich der Kontorsionist, der über Umwege zu seinem Beruf kam. Doch selbst während des Studiums (Germanistik und Geschichte) blieb er der Akrobatik treu und landete damit schließlich ebenfalls in der renommierten Berliner Bühnenkünstlerschmiede.

Mit Homosexualität allein fällt keiner auf

Mit ihrem Schwulsein hatten beide Künstler beruflich nie Probleme. „Die Welt der Varieté-Theater ist multi-kulti, bunt und glamourös. Hier ist jeder anders, die meisten auch sehr offen. Mit Homosexualität allein fällt keiner auf“, meint Marco. Philipp stimmt ihm zu. Schon eher habe man ihn hier und da auf seine Tattoos hin angesprochen. Doch selbst die seien immer toleriert worden: „Wer einen schwulen Matrosen mit einer Hula-Hoop-Nummer bucht, dem ist es am Ende egal, ob er tätowiert ist oder nicht.“

Philipp lebt noch immer in Berlin, wo er inzwischen selber Jungartisten unterrichtet. Marco ist heute in Düsseldorf zu Hause. Je nach Engagement sind sie in Deutschland oder weltweit unterwegs. Die Liste ihrer Wirkungsorte wächst, darunter sind immer mehr illustre Namen. Noch bis zum 5. November sind Philipp, Marco und neun andere Weltklasseartisten zu Gast in Leipzig bei „Mann-oh-Mann!“ im Krystallpalast Varieté.

www.krystallpalast.de

Fotos: E. Dauber & Bernd Mrotzek


Schreibe einen neuen Kommentar



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close