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VERLOSUNG: Mashrou’ Leila auf Tour

MÄNNER verlost Tickets in 5 Städten!

Mashrou’ Leila gibt es seit acht Jahren. Den Release ihres aktuelles Albums „Ibn el Leil“ (Sohn der Nacht) feierten sie auf MTV Libanon und schafften es als erste Gruppe aus dem Nahen Osten auf das Cover des „Rolling Stone“ – und im Juli dieses Jahres zierte Sänger Hamed Sinno das Cover der MÄNNER 7.2016.

Mashrou' Leila

Die fünf Jungs werden auf der ganzen Welt gefeiert, nicht zuletzt weil sie sich für sexuelle Freiheit und gegen Unterdrückung einsetzen. Bei religiösen Fundamentalisten kommt die Band um den offen schwulen Sänger Hamed Sinno nicht ganz so gut an. In Jordaniens Hauptstadt Amman wurde im Frühjahr auf Betreiben religiöser Kräfte (christlicher übrigens) ihr Auftritt verboten (MÄNNER-Archiv).

Hamed, wie offen schwul lebst Du in Beirut?
Also, wenn ich ein Date habe, dann halte ich auch Händchen – selbst wenn ich weiß, dass es für Ärger sorgen kann und im Ernstfall die Polizei nicht auf meiner Seite wäre. Es gibt Läden in Beirut, die lassen dir ziemlich viel durchgehen. Aber grundsätzlich ist Homosexualität noch ein großes Problem, im Libanon wie im gesamten Nahen Osten.

Mashrou' Leila

Wie war es, sich zu outen?
Ich hatte mein Coming-out in den ersten Jahren am College, damals hatte ich auch meinen ersten Freund. Nach und nach habe ich es Freunden und meiner Familie erzählt. Durch das Coming-out habe ich ein paar Freunde verloren, und mit meiner Familie war es nicht ganz einfach. Aber die Reaktion der anderen hat ja immer damit zu tun, welche Art Beziehung man hat, und weniger damit, welche politische Auffassung sie vertreten. Wenn jemand richtig homophob ist und du als ein sehr guter Freund outest dich vor ihm, ist er gezwungen, seine Ansichten zu hinterfragen. Wenn er ein Problem hat, war ein offenbar kein guter Freund.

Welche Rolle spielt Religion für Dich und Deine Familie?
Für mich selbst überhaupt keine, für die anderen Jungs der Band auch nicht. Meine Familie ist eher konservativ, wobei meine Kernfamilie auch nicht so religiös ist wie entferntere Verwandte.

Wie gehen die Medien damit um, dass Du schwul bist?
Im Nahen Osten umschiffen sie das diplomatisch. In westlichen Ländern dagegen ist immer die Rede von der „Band aus dem Nahen Osten mit dem schwulen Sänger“. Dabei würde ich mich nicht mal als schwul bezeichnen, sondern als queer. Wichtiger finde ich es sowieso, dass wir Themen wie sexuelle Orientierung oder sexuelle Freiheit ansprechen, und nicht, dass es ein queeres Bandmitglied gibt.

Es gibt ein sehr süßes Video von euch zum Song „Fasateen“. Da trägt einer Deiner Bandkollegen ein Brautkleid.
Es ist eine Art Romeo-und-Julia-Geschichte. Beide haben einen unterschiedlichen religiösen Hintergrund, und der Mann ist am Schluss allein, weil sie ihn verlässt (lacht). Der Mann im Brautkleid ist Carl, unser heterosexueller Drummer. Die Jungs sind echt supercool und gechillt. Wir arbeiten seit acht Jahren zusammen und sie sind total cool mit ihrer Sexualität – und meiner.

Mashrou' Leila

Hamed Sinno im Frühjahr 2016 in Berlin (Foto: Orazio Sagone)

Ihr singt auf Arabisch. Gibt es Pläne, auch mal englische Songs zu machen?
Nicht wirklich. Der einzige Grund, das zu tun, wäre Marketing. Ich finde, das reicht nicht. Etwas nur fürs Geld zu tun, mag ich nicht. Du weißt ja auch nie, ob es funktioniert und du wirklich einen Haufen Geld verdienst.

Denkst Du manchmal darüber nach, wegzuziehen?
Ich habe die US-Staatsbürgerschaft, es wäre also recht einfach, nach Amerika zu ziehen. Ich mag auch die Idee, in Berlin zu wohnen. Aber ich will das eigentlich nicht. Meine Band ist dort. Mir ist es wichtiger, wie ich meine Arbeit verbessern kann, als meine Sexualität auszuleben oder die Hand von jemandem zu halten. Dazu kommt: Ich habe als Teenager festgestellt, dass ich eine andere Sexualität habe als die anderen. Und alles was ich in lokalen oder regionalen Medien über Homosexualität gelesen habe, war richtig übel und verletzend. Da gibt es krasse Homophobie, null Auseinandersetzung mit queeren Themen. Deshalb fühle ich mich besser damit, bei allen Unwägbarkeiten im Libanon zu bleiben und dort für die nächste queere Generation vielleicht etwas zu erreichen. Dort zu bleiben fühlt sich irgendwie richtiger an als in Deutschland sämtliche Freiheiten und die Unbeschwertheit zu genießen.

Du wirst hin und wieder als Aktivist bezeichnet. Fühlst Du Dich auch so?
Ich weiß nicht genau, was das Wort bedeutet … Wenn du als Kind Musik hörst und da sagt jemand: Hey, ich steh’ auch auf Schwänze, dann fühlst du dich weniger allein – daran glaube ich. Das größte Leid für Heranwachsende ist doch die Einsamkeit und das Gefühl, ein Monster zu sein, weil man anders ist. Und wenn es mich zum Aktivisten macht, weil ich darüber rede, dann bin ich es vielleicht.

MÄNNER präsentiert die Herbsttour von Mashrou’ Leila und verlost 5 x 2 Tickets. Die ersten Gewinner plus Begleitung stehen fest, für Berlin und Köln haben wir noch Tickets. Willst Du der Gewinner sein? Dann schreib uns, in welcher Stadt Du das Konzert sehen willst, mit dem Stichwort „Mashrou’ Leila” an maenner-leserservice[ät]brunogmuender.com

2.10. Heidelberg, Enjoy Jazz

4.10. Hamburg, Fabrik

5.10. München, Ampere

6.10. Berlin, Astra

10.10. Köln, Club Bahnhof Ehrenfeld

Titelbild: Orazio Sagone


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