Schwuler Athlet eröffnet Paralympics

Lee Pearson schwenkt für seine britische Heimat die Flagge

UPDATE (16.9.2016) Der offen schwule Dressurreiter Lee Pearson hat mit seinem Pferd Zion bei den Paralympics in Rio „nur” Silber geholt. Der bisher erfolgreichste Para-Dressurreiter hatte in den Vorjahren insgesamt zehn mal ganz oben auf dem Siegertreppchen gestanden. Diesmal ging die Goldmedaille an den Österreicher Pepo Puch – er siegte mit 75,1043 Prozent.

Zehnmal hat Lee Pearson schon Gold geholt. Bei den Paralympischen Spielen von Rio versucht der 42-jährige Dressurreiter seinen persönlichen Medaillenspiegel noch auszubauen. Dass Pearson antritt, war lange nicht klar. Bei einem schweren Trainingsunfall vor fünf Jahren war er gestürzt und brach sich mehrere Wirbel. Nun ist er aber wieder fit.

Dass meine Athleten-Kollegen mich als schwulen Kerl dafür ausgewählt haben, ist für mich eine riesige Ehre

Seinen vielleicht größten Auftritt hat Pearson – der mit einer angeborenen Gelenksteife (Dysmorphie) auf die Welt kam und die ersten drei Tage seines Lebens in einer Besenkammer lag, weil man ihn bei der Geburt nicht für lebensfähig hielt – direkt bei der Eröffnung der Spiele. Er trägt heute Abend für seine britische Heimat beim Einlauf der Athleten die Flagge. Damit ist er der erste offen schwule Sportler, der diese Aufgabe bei den Paralympics übernimmt.

„Dass meine Athleten-Kollegen mich als schwulen Kerl dafür ausgewählt haben, ist für mich eine riesige Ehre.” Dass der Mann obendrein Humor hat, zeigt unser obiges Video.

Neun queere Athleten bei Paralympics

Schwule Athleten muss man in Rio übrigens mit der Lupe suchen (der LGBTI-Medaillenspiegel der Olympischen Spiele im August kann sich sehen lassen – MÄNNER-Archiv): Das Portal outsports.com hat nachgerechnet und stellt fest, dass mindestens neun LGBTI-Teilnehmer am Start sind; acht davon sind Lesben, vor allem aus den USA, die dem Team der Rollstuhl-Basketballerinnen angehören.

Ich bin bereit, mich von Wladimir Putin ins Gefängnis werfen zu lassen

Bei den Olmpischen Winterspielen von Sotsch vor zwei Jahren hatte Pearson kritisiert, dass das Internationale Olympische Komittee die Rechte von Schwulen in Russland zu wenig thematisiert habe. Eine Beobachtergruppe hatte sogar bei einem Ortstermin erklärt, das Antihomopropaganda-Gesetz verletze nicht die Prinzipien der Olympischen Charta. Pearson hatte vor einer geplanten Reise nach Sotschi (für unser Russlandspezialheft haben wir auch die Olympiastadt besucht – hier geht’s zum Shop) angekündigt, er sei bereit, dort ins Gefängnis zu gehen. „Dann würden mein Land und mein Premierminister eingreifen müssen und das wäre ein zusätzliche Demütigung für Russland”, sagte er damals.

Titelbild: Imago

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