Bern and Berner Munster cathedral

Ratlos in Bern

Der Kanton streicht alle Mittel für LGBTI-Beratungsangebote

Die Berner Gesundheits- und Fürsorgedirektion (GEF) findet, man könne sich das Geld für das Beratungsangebot der Homosexuellen Arbeitsgruppen Bern (HAB) auch sparen. Denn der Bedarf für eben jenes Angebot ließe sich nicht wirklich nachweisen. „Der Bedarfsnachweis der Vereinigung ist aus unserer Sicht sehr wacklig”, sagt Esther Christen, Leiterin der Abteilung Familie der GEF, gegenüber der Tageszeitung Der Bund. Bislang hatte die GEF die psychologische Beratungsstelle für schwule, bisexuelle, lesbische, trans- und intersexuelle Personen mit maximal 24.000 Franken pro Jahr unterstützt. 2017 gibt es nun gar nichts mehr.

Rund 300 Beratungen durch, Tendenz steigend

Christoph Janser, Präsident der HAB, sieht das völlig anders. Er spricht von einem großem Bedarf, weil auch die Nachfrage groß sei: „Pro Jahr führen unsere ehrenamtlichen Berater und der Psychologe zusammen rund 300 Beratungen durch, Tendenz steigend”. Der von dem Geld bezahlte professionelle Psychologe betreue Menschen in oft komplexen psychischen Lagen, die von den freiwilligen Laien, nicht ausreichend begleitet werden können. Beraten wird oft am Telefon, aber in vielen Fällen sei eben eine persönliche Beratung von Angesicht zu Angesicht nötig.

Interessant wird es, wenn man sich ansieht, wer hier die Mittel streicht.

Interessant wird es, wenn man sich ansieht, wer hier die Mittel streicht. Bis 2013 hatte die HAB Leistungsverträge mit der Stadt Bern, alles lief reibungslos. Seit drei Jahren ist der Kanton zuständig, weil das Beratungsangebot der Organisation auch überregional genutzt wird. Und der neue Regierungsrat im Kanton ist Peirre Alain Schnegg von der nationalkonsertvativen, rechtpopulistischen Schweizerische Volkspartei. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Die HAB will das Beratungsangebot unbedingt erhalten und wird die Mittel aus anderen Bereichen der Organisation abziehen müssen. Damit auch 2017 in Bern niemand ratlos ist. Denn: „Auch heute noch können zwei Männer nicht Hand in Hand durch das Berner Oberland oder das Emmental spazieren, ohne negative Kommentare zu erhalten”, so Jasper.

Foto: Fotolia_Sergii Figurnyi


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