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Die schaffen das (Teil 2)

Ein Jahr, nachdem Deutschland die Grenzen öffnete, blicken wir zurück: Wie wird queeren Flüchtlingen geholfen?

Teil 2 unserer Serie, mit der wir Initiativen für queere Flüchtlinge vorstellen, führt uns nach Dresden. Im vergangenen Jahr berichteten wir von Ronald Zenker und seinem Team vom CSD Dresden e.V., die sich aus Eigeninitiative heraus vier LGBTI Refugees annahmen, um ihnen Schutz in eigens organisierten Unterkünften zu sichern – in den Sammelunterkünften sind sie mit Steinen beworfen und verbal angegriffen worden. Seitdem hat sich einiges vor Ort getan – ein Grund für uns, Gesamtleiter und Vorstandsmitglied Ronald Zenker zu bitten, uns ein Update über die aktuelle Situation in der sächsischen Landeshauptstadt zu geben zu lassen.

„Mittlerweile hat sich dem CSD Dresden eine komplett neues Themenfeld erschlossen, insofern, als wir nicht mehr nur noch eine ‘bunte Party’ organisieren, sondern dass wir auch helfen, wenn Not am Mann ist. Daraus ist dann die Koordinierungsstelle für homosexuelle Flüchtlinge im Land Sachsen entstanden, in Zusammenarbeit mit Petra Köpping, der Ministerin für Integration und Gleichstellung, die ziemlich schnell gesehen hat, dass Handlungsbedarf ist und dass da was gemacht werden muss. Sie selbst hat aus dem Projekt heraus zwei Geflüchtete bei sich aufgenommen. So hat sie gemerkt, was wir leisten müssen, damit unsere Arbeit hier wirklich funktioniert und daraufhin ist dann im Dezember die besagte Koordinierungsstelle entstanden, die sich darum kümmert, dass wir, egal von welchen Aufnahmeeinrichtungen oder Wohnheimen in Sachsen, queere Flüchtlinge heraus holen und in einen geschützten Wohnraum bringen nach Leipzig, Chemnitz oder Dresden holen können.

90 Flüchtlinge in geschützten Wohnraum gebracht

Refugees

Nahm Geflüchtete bei sich zu Hause auf: Petra Köpping (SPD)

In Dresden haben wir dann selbst das Projekt ‘CSD Dresden hilft’ ins Leben gerufen, in dem wir zusammen mit Lehrern für alle, die bisher noch keinen Zugang dazu hatten, eigenständig Deutschkurse anbieten oder eben eine Anlaufstelle haben, für alle Fragen, die die Geflüchteten haben. Wir haben inzwischen 90 Flüchtlinge aus den Erstaufnahmeeinrichtungen und Wohnheimen in geschützten Wohnraum gebracht und arbeiten immer noch sehr fest daran, überall, wo in Sachen Bedarf ist zu helfen. Dafür arbeiten wir sehr eng mit der Zentralen Ausländerbehörde zusammen. Zum Großteil erfahren wir auch direkt über Zentrale Ausländerbehörde von den Flüchtlingen; das bedeutet, sobald es irgendwo einen Vorfall gibt oder sich jemand outet, werden wir darüber informiert und werden versuchen, die Person in Schutzräumen unterzubringen. Aber es gibt auch Geflüchtete, die sich direkt bei uns melden und dann setzen wir uns mit denen zusammen und gucken, was wir machen können. Also wenn die Person außerhalb von Großstädten untergebracht ist, versuchen wir sie über Umverteilungsanträge in die Großstadt zurückzuführen.

Wir wollen ein eigenes Wohnheim, so wie es das auch in Berlin gibt, bauen

Direkt betreuen wir 30 Flüchtlinge, die dezentral in einem Areal in Wohnungen untergebracht sind. Von dort aus können sie jederzeit zu uns kommen, damit wir ihnen mit dem Ausfüllen von Anträgen und anderen Belangen Hilfestellung leisten können. Wir wollen eigentlich ein eigenes Wohnheim, so wie es das auch in Berlin gibt, bauen (Wir waren kürzlich dort – MÄNNER-Archiv). Das Haus sollte für alle Gruppen sein, die unter einem besonderen Schutz stehen, also auch für alleinreisende Frauen, Frauen mit Kindern, Schwangere und eben queere Flüchtlinge, damit eben schon direkt im Wohnheim eine ganz andere Integrationsarbeit stattfinden kann. Wir haben sogar einen Investor und das Grundstück dazu, jedoch wurde uns von der Stadt Dresden gesagt, dass sie zurzeit kein Bedarf sieht, ein solches Wohnheim zu bauen.

Der Bedarf steigt aktuell

Für die Zukunft hoffen wir, dass wir weiterhin finanzielle Unterstützung vom Land Sachsen bekommen, damit wir diese Koordinierungsstelle weiter betreiben können, weil wir aktuell auch merken, dass der Bedarf steigt. Wir haben alleine in der letzten Woche sechs Zuweisungen gehabt.

Was ich mir wünschen würde, ist, dass es in den anderen Bundesländern auch eine solche Koordinierungsstelle gibt und ich einen Ansprechpartner habe, mit dem wir reden können, mit denen wir uns gegenseitig Dinge zuspielen können, um einfacher und schneller handeln zu können. Das wäre mein Anliegen an die Politik – die anderen Bundesländer zu aktivieren, damit das nicht ein Leuchtturm in Sachen bleibt, sondern dass wir dann viele Leuchttürme haben, in den anderen 15 Bundesländern, die genauso arbeiten können wie wir es tun.”

Hier geht es zum 1. Teil unserer Serie „Die schaffen das” (MÄNNER-Archiv)

Titelfoto: Ronald Zenker


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