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Schwule Justizopfer begnadigen!

Die britische Premierministerin May will per Gesetz Tausende schwule Briten begnadigt und rehabilitiert werden

„Diese Regierung verpflichtet sich posthum Begnadigungen auszusprechen für Menschen die in der Vergangenheit wegen sexueller Vergehen verurteilt wurden, die heute unschuldig wären.“

Urteile gegen 50.000 Männer sollen aufgehoben werden

Auf diesen Satz warten in Deutschland Tausende Männer, die noch nach 1945 nach § 175 verurteilt worden waren. Doch er kam nicht von Angela Merkel (zum Stand der Dinge in Deutschland – MÄNNER-Archiv) Ihre britische Amtskollegin,  Premierministerin Theresa May hat jetzt ein Gesetz angekündigt, nach dem Tausende schwule Briten begnadigt und rehabilitiert werden. Damit würden die Urteile gegen etwa 50.000 Männer aufgehoben, die einst wegen eines Verhaltens bestraft wurden, das heute nicht mehr kriminalisiert ist.

Beim Berliner CSD 2012, der am 100. Geburtstag Turings stattfand, warb die britische Botschaft mit Turing als Codeknacker. (Foto: Wikipedia)

Beim Berliner CSD 2012 erinnerte die die britische Botschaft an den Codeknacker (Foto: Wikipedia)

Wie britische Zeitung The Independent erfuhr, arbeitet die Regierung May, allen voran das Justizministerium an einem „Alan-Turing-Gesetz“, das auch eine Entschuldigung an die Justizopfer enthält. Dies solle „zu gegebener Zeit“ geschehen. Vor drei Jahren war Alan Turing mit einem „Royal Pardon“ posthum rehablitiert worden (MÄNNER-Archiv) – als Entschuldigung für die schrecklichen Dinge, die ihm angetan wurden. Turing hatte im Zweiten Weltkrieg das Code-System der Nazis geknackt und damit den Sieg der Alliierten gegen die Deutschen entschieden vorangebracht.

Die Queen rehabilitierte Turing posthum

Doch 1952 wurde er verhaftet wegen „grob unsittlichen Verhaltens“ mit einem 19-jährigen Mann. Er wurde daraufhin chemisch kastriert und brachte sich zwei Jahre später mit Zyanid um. Turing wurde 2013 durch die Queen posthum rehabilitiert. 2014 kam seine Geschichte als „The Imitation Game“ ins Kino, mit Benedict Cumberbatch in der Titelrolle.

Wir wollen Gerechtigkeit für jeden, der von den anti-schwulen Gesetzen betroffen war

Bereits im Vorjahr hatte der britische Labour-Politiker Andy Burnham vorgeschlagen, dass in England alle, die jemals nach einem historischen Gesetz wegen Homosexualität verurteilt wurden, einen Straferlass  bekommen sollen, ohne dass die Familien oder jemand anderes dies erst beantragen müssten.

Turings Großnichte Rachel Barnes sagte gegenüber dem Independent, sie sei enttäuscht, dass es keinen Forschritt gegeben habe, seit sie 2015 mit Aktivisten eine entsprechende Petition in Gang gebracht hatte. „Das ist etwas, was die Turing-Familie immer unterstützt hat und wir wollen Gerechtigkeit für jeden, der von den anti-schwulen Gesetzen betroffen war. Ich bin sehr zufrieden, dass die gegenwärtige Regierung das vorantreiben will.”

Titelbild: „The Imitation Game”


1 Kommentar

  1. Mathias Braasch

    Das wäre ein wichtiger weiterer Schritt. Wie viele von uns wurden verbrannt, eingesperrt, gequält, ausgestoßen, isoliert, „therapiert”… und leider sind immer noch nicht alle Menschen davon überzeugt, dass das Verbrechen des Staates und der Gesellschaft waren. Insofern ist eine „Begnadigung” allerdings falsch. Denn mit Gnade sollte dieser Schritt nicht begründbar sein. Vielmehr muss schlicht Unrecht aufgehoben werden. Der Staat, alle drei Gewalten, muss eigentlich die Opfer um Entschuldigung bitten und entschädigen. Die Menschen haben geirrt. Das verstehe ich. Aber sie müssen das auch akzeptieren, genauso wie der Staat. Auch in der Bundesrepublik steht ja nun die Vervollständigung der Rehabilitierung der Opfer des 175ers an. Dabei sollte meiner Meinung nach jedoch eine generelle Rehabilitierung für die wegen ihrer Homosexualität zu allen Zeiten verfolgten Menschen ausgesprochen werden. Auch in der Weimarer Republik etwa galt der 175er, wenn auch in milderer Form. Dieser Paragraph war immer und zu allen Zeiten ein Staatsverbrechen.


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