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Sachsen: Zweifel am Aktionsplan

SPD wundert sich über Koalitionspartner CDU

Vor einem guten halben Jahr hat das sächsische Kultusministerium einen neuen „Orientierungsrahmen für die Familien- und Sexualerziehung an sächsischen Schulen“ herausgegeben – MÄNNER-Archiv). Nicht so umfassend wie ein Bildungsplan, aber auf jeden Fall ein Fortschritt für die regionale LGBTI-Community. Denn erstmals nannte das Ministerium unter den Zielen und Aufgaben des Unterrichts, auch nicht-heterosexuelle Lebensformen zu berücksichtigen. Auch ein Landesaktionsplan zur Akzeptanz der Vielfalt von Lebensentwürfen wurde im Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD vereinbart. Doch der enthalte ein „Sammelsurium an Ideen, um die Genderideologie unters Volk zu tragen”. Was klassisch nach AfD-Sprech klingt, stammt vom sächsischen CDU-Landtagsabgeordneten Alexander Krauß. Krauß hatte sich mit der evangelischen Nachrichtenagentur idea unterhalten. Kritik kommt umgehend vom Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Schwulen und Lesben in der SPD Sachsen, Oliver Strotzer:

Förderung von Menschen unabhängig von sexueller oder geschlechtlicher Identität

„Mit großer Verwunderung habe ich die teilweise absurden Behauptungen von Alexander Krauß zur Kenntnis genommen und möchte ihnen deutlich wiedersprechen. Der im Koalitionsvertrag beschlossene Aktionsplan für Vielfalt von Lebensentwürfen ist mitnichten ein Sammelsurium an Ideen, um ‘die Genderideologie unters Volk zu tragen’. Es geht vielmehr um die Förderung einer Gesellschaft in der Menschen, unabhängig von ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität ohne Angst vor Gewalt oder Diskriminierung leben können. Ein Gedanke, der einem so engagierten Christen nicht fremd sein sollte”, so Strotzer.

Glücklicherweise sind wir nicht auf seine Auslegung der christlichen Nächstenliebe angewiesen

„Herr Krauß war der Einladung von Staatsministerin Köpping gefolgt und hatte sich mit vielen anderen Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Gesellschaft an mehreren Workshops zur Ausarbeitung des Aktionsplanes beteiligt. Mir sind keine kritischen Äußerungen oder Widersprüche von seiner Seite bekannt. Vermutlich jongliert er nun auf Grund mangelnder Argumente mit erfundenen Zahlen herum, um einer „verschwindend geringen Minderheit“ ihr verfassungsmäßiges Recht auf Gleichbehandlung und freie Entfaltung der Persönlichkeit abzusprechen. Der Wert einer Demokratie bemisst sich daran, wie sie mit Minderheiten umgeht. Das hat Herr Krauß anscheinend nicht verstanden. Glücklicherweise sind wir nicht auf seine Auslegung der christlichen Nächstenliebe angewiesen, sondern können uns auf einen Koalitionsvertrag und eine engagierte Gleichstellungsministerin stützen”, so Strotzer abschließend.

Die CDU hatte im vergangenen Jahr als „Expertin“ für Bildung die Journalistin Birgit Kelle (So argumentiert die umstrittene Buchautorin – MÄNNER-Archiv) benannt, die seit vielen Jahren in Büchern und Talkshows gegen die Gleichstellung von Lesben und Schwulen sowie „Genderismus“ wettert.

Titelbild: CDU


5 Kommentare

  1. Bernhard Kreiner

    einfach klarmachen das sachsen anhalt oder tchechien auch schöne einkaufsmöglichkeiten hat man muss die politiker wirtschaftlich packen die verstehen keine andere sprache einfach sagen das homosexuelle auch eine käufer und gäste schicht sind.

  2. Kai Tonath

    Leider ist es oft so, dass in solchen Aktionsplänen ziemlich viel Genderquatsch steht – vor allem um die Feministinnen zu beglücken – Schwule und Lesben sind meistens schmückendes Beiwerk – Trans* werden allerdings wieder beglückt … 😉 Somit hat der Herr Krauß ein wenig recht! – In solchen Aktionsplänen ist manchmal weniger viel mehr … (leider macht man immer ganz viel, was dann am Ende weniger wirksam ist)

  3. Oliver Strotzer

    Lieber Kai, als (vermutlich) Schwuler Mann, könnte man doch eigentlich erwarten, das du Verständnis dafür hast, das homosexuelle Männer nicht die einzigen Menschen sind, die auf Grund ihrer sexuellen oder geschlechtlichen Identität Diskriminierung erfahren. Wenn wir dieses dumme und unqualifizierte Gequatsche von CDU, AfD und Co. nachplappern, haben wir schon verloren. Nur gemeinsam sind wir stark.

  4. Kai Tonath

    Lieber Oliver! Entweder ist es ein Aktionsplan, der wie die örtlichen QueerSozis behauptet haben, gegen Homophobie ist, oder es ist dann doch fast ausschließlich Genderquatsch – leider ist eher das letzte – weshalb die Funktion, dass solche Pläne Homophobie entgegenwirken leider ins komplette Gegenteil verkehrt wird! Nur leider sind Maßnahmen, die sich darauf konzentrieren Homophobie entgegenzuwirken vor allem bei den lieben Feministinnen nicht durch zu bekommen!


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