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„Ich habe sehr große Angst“

Jesús Tomillero wird seit einer Woche von der Polizei beschützt

Vor seinem Haus in Cádiz steht seit einer Woche die Polizei. Jesús Tomillero Benavente geht nirgendwo hin, ohne dass jemand zu seinem Schutz bei ihm ist. Der einzige schwule Schiedsrichter Spaniens wird manchmal auf der Straße mit Eiern beworfen, wie er jetzt der Zeitung El Pais erzählte. Aber das schlimmste sind die Morddrohungen, die er neuerdings erhält. „Ich habe sehr große Angst“, sagte er. (Der Türkische Fußballverband musste dem schwulen Schiedsrichter Halil İbrahim Dinçdağ eine Geldstrafe wegen Diskriminierung zahlen – MÄNNER-Archiv)

Sein Spiel am vorvergangenen Wochenende wird erstmal das letzte sein, in dem er als Schiedsrichter dabei ist. Aber er will sich weiter gegen Homophobie im Sport einsetzen. Derzeit führt er Gespräche mit Vertretern des Europäischen Parlaments darüber, wie man einen besseren Schutz für LGBTI-Menschen im Sport erreicht.

Schieb dir das Tor in den Arsch!

Seit seinem Coming-out im Frühjahr 2015 wird er beleidigt und beschimpft. Im Mai dieses Jahres pfiff Jesús ein Spiel in der andalusischen Regionalliga. Als er in einer Situation auf Strafstoß entschied, brüllten die homophoben Zuschauer los: „Das ist der Schwuchtel-Schiedsrichter aus dem Fernsehen“ und „Schieb dir das Tor in den Arsch!” Die anderen Fans im Stadion lachten – das sei das Schlimmste daran gewesen, sagt Jesús. Daraufhin gibt er seinen Schiedsrichterjob auf. „Ich kann nicht mehr“, teilte er mit.

Schwuchtel, Du lebst nicht mehr lange!

Nach einem knappen halben Jahr Pause kehrte er nun zurück. Doch schon beim zweiten Einsatz nach seiner Rückkehr brach der homophobe Hass wieder voll los. Als er am vergangenen Wochenende darüber twitterte, erhielt er prompt Morddrohungen – u.a. diese: „Schwuchtel, Du lebst nicht mehr lange!” In einer Drohung hieß es  „Tritt zurück oder stirb!” – dazu postete man das Foto eines erschossenen Mannes -, ein anderer schrieb: „Wir töten Dich mit AIDS” (MÄNNER-Archiv).

Titelbild: Facebook


13 Kommentare

  1. Winker Krabbe

    Ist das tatsächlich wahr? Oder sprechen wir den typischen Fall einer Drama Queen?
    Ein Schiedsrichter zu sein, ist immer gefährlich in Spanien oder irgendwo in der Welt. Wenn das Schiedsverfahren nicht gefällt, kann die Schiedsrichter eine deutliche Antwort eines wütenden Publikum bekommen.
    Und vielleicht ist es ja sehr einfach, mühelose Beleidigungen abzuführen… Aber meiner Meinung nach sollten wir einen schwulenfeindlichen Angriff mit einer blöden Antwort nicht verwechseln.

  2. Tim Alberts

    Nicht jeder der Homosexuell ist möchte Friseur, Steward, Visagist, Florist oder ähnliches werden.
    Wenn er Schiedsrichter werden wollte und es gerne macht, sollte seine Sexualität egal sein und keine Rolle spielen.
    Nur weil die Gesellschaft homophob ist muss ich mich nicht fügen und dem Klischee entsprechen !


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