Kevin_Robertson

Kanada: Schwuler Vater wird Bischof

Die anglikanische Kirche rechnet mit "kontroversen Reaktionen".

Über die anglikanische Kirche in Kanada haben wir schon im Juli berichtet, nachdem die führenden Geistlichen der Kirche mit einer nur hauchdünnen Mehrheit für Eheschließungen für gleichgeschlechtliche Paare gestimmt haben (MÄNNER-Archiv). Doch nicht nur, was ihre Schäfchen angeht, scheint es die drittgrößte Kirche Kanadas durchaus ernst mit ihrem Streben nach Gleichberechtigung zu meinen. Denn nun wurde bekannt, dass der Ableger der Kirche in Toronto mit dem 45-jährigen Kevin Robertson nicht nur einen offen schwulen Priester, sondern auch einen zweifachen Vater zu einem ihrer Bischöfe ernannt hat.

Das ist für einige Menschen eine große Herausforderung, aber für andere genau das, worauf sie eine lange Zeit gehofft haben.

Robertson, der mit seinem Lebenspartner zwei Kinder hat, zeigte sich überrascht und beeindruckt von der Wahl: „Ich bin überwältigt“, erklärte er gegenüber der Presse. „Ich hatte wirklich nicht damit gerechnet und fühle mich tief geehrt. Es ist kein Geheimnis, dass ich der erste offen schwule und verpartnerte Bischof dieser Diözese und vielleicht sogar der ganzen kanadischen Kirche bin. Das ist für einige Menschen eine große Herausforderung, aber für andere genau das, worauf sie eine lange Zeit gehofft haben.“

Die neuen Bischöfe mit ihren Familien

Die neuen Bischöfe der „Anglican Diocese of Toronto“ mit ihren Familien

Erzbischof Colin Johnson sagte zu Robertsons Wahl: „Kevin ist zwar nicht der der erste schwule Mann, der Bischof wird, aber seine Wahl wird sicherlich kontroverse Reaktionen auslösen. Wir sind in einem frühen Stadium, was unsere Erfahrungen mit diesem Thema angeht. In vielen Teilen der Welt versteht man nicht, was wir hier tun, aber wir sehen das als Möglichkeit für uns, zu erklären, warum wir heute diese Wahl getroffen haben.

Chain hat 2014 als erster offen schwuler Priester Großbritanniens öffentlich seinen Freund geheiratet.

Offen schwule Geistliche in derartig ranghohen Positionen sind immer noch eine Seltenheit, doch es werden mehr. Bekanntester Vertreter ist wohl der Brite Father Andrew Cain, der vor einigen Wochen bei unserer MÄNNER-Runde im Rahmen der Berliner Queer Days zu Gast war (MÄNNER-Archiv). Chain hat 2014 Großbritanniens öffentlich seinen Freund geheiratet und ist dabei auf Konfrontationskurs mit vielen Oberhäuptern seiner Kirche gegangen. Ein aktueller „Neuzugang“ stammt ebenfalls aus Großbritannien: Anfang des Monats hat Nicholas Chamberlain, der Bischof von Grantham, als Reaktion auf eine Erpressung öffentlich erklärt, er lebe in einer Partnerschaft mit einem Mann (MÄNNER-Archiv).

Fotos: Anglican Diocese of Toronto


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