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Vielfalt für Bayern – jetzt!

Der Tag im Zeitraffer (30.09.2016)

Mitte September hat Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle Gegner einer Schulaufklärung über Homo-, Trans-, Bi- und Intersexualität in seinem Ministerium empfangen. Wie das trans- und homophobe Protestbündnis „Demo für alle“ in einer Pressemitteilung bekannt gab, habe der CSU-Politiker dabei unter anderem der Demo-Organisatorin Hedwig von Beverfoerde und der rechtspopulistischen Publizistin Birgit Kelle (Was man ihrer Polemik am besten entgegen setzt – MÄNNER-Archiv) zugesichert, „den aktuellen Richtlinienentwurf für die Familien- und Sexualerziehung an den bayerischen Schulen vorerst nicht in Kraft zu setzen“ und versprochen, sich mit einem überreichten Forderungskatalog zu befassen. Die neuen Richtlinien hätten bereits im März nach der Vorstellung im Bildungsausschuss des Landtags zur Grundlage des Schulunterrichts werden müssen.

Nach Ansicht des Bündnisses hätten auch homosexuelle Paare als Eltern behandelt werden müssen

Das Aktionsbündnis „Vielfalt statt Einfalt – München” begrüßt, dass laut Richtlinienentwurf die Vielfalt sexueller Identitäten thematisiert wird, wenn der Entwurf auch nicht als „besonders progressiv eingeschätzt” wird. So hätten nach Ansicht des Bündnisses auch homosexuelle Paare als Eltern behandelt werden müssen. Dennoch seien die neuen Richtlinien immerhin ein Schritt in die richtige Richtung. Nun stehe aber infrage, wann die bereits abgestimmten Richtlinien in Kraft gesetzt werden (von Beverfoerde hat schon vor Monaten mit einem Brief an diverse CSU-Politiker Stimmung gegen die überarbeiteten Richtlinien gemacht -MÄNNER-Archiv). Das Aktionsbündnis sieht die Gefahr, dass den Forderungen der erzreaktionären Akteuren und Akteurinnen der sogenannten „Demo für Alle“ nachgegeben wird (ein „Schlag ins Gesicht für Tausende Menschen in München”, kritisierte Beppo Brem, Vorsitzender der Grünen im Münchner Rathaus – MÄNNER-Archiv).

Dagegen wehrt sich das Bündnis nun mit einem offenen Brief an Kultusminister Spaenle. Das Bündnis fordert ihn dazu auf, die mit pädagogischen Fachkräften abgestimmten Richtlinien sofort in Kraft zu setzen.

Kein Kind sucht sich seine Homo-, Bi-, Trans- oder Intersexualität aus

„Wir wünschen uns sehr, dass die neuen Richtlinien für die Familien- und Sexualerziehung in den bayerischen Schulen zu einer sichtbaren, expliziten und verbindlichen Verankerung der Auseinandersetzung mit der Vielfalt von geschlechtlicher und sexueller Identität bei jungen Menschen führen und zur Bildung für Akzeptanz von Vielfalt beitragen”, heißt es in dem Brief. Denn: „Gerade Schulen sind leider ein Ort der Ausgrenzung und des Mobbings. Kein Kind sucht sich seine Homo-, Bi-, Trans- oder Intersexualität aus. Kinder aus Regenbogenfamilien oder mit queerer Identität dürfen nicht als Menschen zweiter Klasse behandelt werden. In Bildungseinrichtungen muss ein angst- und vorurteilsfreies Lernen möglich sein.” (So macht die Landeshauptstadt München ihre Lehrer fit für das Thema Vielfalt – MÄNNER-Archiv)

Innerhalb von drei Tagen sammelte das Aktionsbündnis über 100 Unterschriften. Unter den Erstunterzeichnenden sind u. a. Harald Petzold, queerpolitischer LINKE-Sprecher im Bundestag, Volker Beck, GRÜNEN-Abgeordneter des deutschen Bundestages, Manfred Krönauer, Kreisvorsitzender der FDP München-Ost, die Schwulen Lehrer Bayern, pro familia Landesverband Bayern e. V. sowie MÄNNER-Chefredakteur Kriss Rudolph.

Respekt für Vielfalt muss für alle gelten

Das Jugendhaus Bad Säckingen wollte bei der interkulturellen Woche einen schwulen Film über eine palästinensisch-israelische Liebe zeigen. Doch bei den Vorbereitungen zu der Veranstaltung im Landkreis Waldshut in Baden-Württemberg gab es im multikulturellen Beirat Streit. Letztlich wurde „Out in the Dark” (Israel, 2012) abgelehnt und u.a. auf Grund von Kritik der Vertreter des türkisch-islamischen Vereins aus dem Programm genommen.Nun hat sich der schwule Bundestagsabgeordnete Volker Beck (Grüne) eingeschaltet. In einem Brief an die Veranstalter schreibt er, er habe „mit Irritation” gelesen, dass der Film „Out in the Dark“ gestrichen wurde. „Selbstverständlich ist es wichtig, Rücksicht auf religiöse Überzeugungen zu nehmen und sie zu respektieren, auch und gerade dann, wenn man sie nicht teilt. Das gilt aber auch andersherum: Religiöse Gemeinschaften müssen auch die Rechte von Homosexuellen respektieren. Denn Respekt ist keine Einbahnstraße. Respekt für Vielfalt ist nur glaubwürdig, wenn er auf Gegenseitigkeit beruht.” (MÄNNER-Archiv)

Rigoros gegen LGBTI

Indien hat im Jahr 2013 ein über 150 Jahre altes Gesetz aus seiner Kolonialzeit wiederbelebt, das „unnatürlichen Sex” verbietet. Seitdem arbeiten indische LGBTI-Aktivisten hart daran, diesen Schritt rückgängig zu machen und den „Paragrafen 377” zu reformieren. Bisher waren allerdings weder Anträge im Kongress noch Verfahren vor dem Verfassungsgericht erfolgreich. Nun könnte jedoch ein neuer Bericht der Times of India, der größten englischsprachigen Tageszeitung Indiens, den Stimmen für eine Reform Rückenwind geben. Denn wie die Zeitung berichtet, war die Anzahl der Festnahmen unter Berufung dem Anti-Homo-Gesetz mit 1.491 verhafteten Menschen im vergangenen Jahr zwar verhältnismäßig gering – Indien ist ja mit über 1.2 Milliarden Menschen das zweitgrößte Land der Welt. Doch nicht nur ist natürlich jeder einzelne Mensch, der wegen seiner Homosexualität verhaftet wird, einer zu viel. Auch zeigen die Statistiken, dass mehr als jede zehnte Person, die aufgrund des Gesetzes verhaftet wurde, minderjährig war (MÄNNER-Archiv).

Titelbild: CSU


15 Kommentare

  1. Kevin Montany-Jung

    >wer über sexualität nicht vernünftig in alle richtung aufklären will möchte, dass die liebe als höchstes gefühl im menschenleben, vorsätzlich verhindert wird … was für egoistische eltern=???? … was für menschenverachtung und dummheit zugleich=?!!= denke ich momentan=?!<

  2. Kai Tonath

    Soso, wir meinen also, dass sich ein Kultusminister von einer einzigen Journalistin aufwiegeln lassen würde?

    Und dass so irgend ein „Offener Brief” das ändern würde?

    Offene Briefe sind von den Verfassern nur deshalb gemacht, weil diese ihren eigenen Anhängern belegen wollen, dass sie ja was tun würden!

    Der Minister wird mit Sicherheit beide Meinungsäußerungen hören, und selbst abwägen, welche für ihn fundierter ist! Leider sind die Forderungen der LGBTI-Verbände, die leider oft in anderen Bundesländern schon widerlegte Argumentsbegründungen einfach noch mal verwenden, denen ´derer mit der Gegenmeinung sehr deutlich unterlegen!

    Leider reagieren die LGBTI-Verbände in der Regel, wenn man eines ihrer Argumente widerlegt, damit, dass sie zu massiven Beleidigungen und Herabwürdigungen von Personen neigen – ausschließlich um zu behaupten, dass deren sachlich richtiges Argument nicht zählt, weil sie ja …. seien!

    Wann Kinder wie viel und wie tief über Sexualität lernen sollen, ist insgesamt sehr umstritten! Müssen Kinder wirklich Details über Inter- und Trans lernen, auch wenn sie vermutlich extrem selten mit einer betroffenen Person in Kontakt kommen (einfach nur wegen der doch geringen Häufigkeit – erst recht im ländlichen Bereich) …

    Wie in anderen Bundesländern bin ich der Meinung, dass der ursprüngliche Ansatz der LGBTI-Verbände zwar gut war – man aber leider dann am Ende extrem übertreibt! Aus dem Ansatz etwas gegen „Schwulen- und Lesbenhass” zu unternehmen ist dann ein Gewirr aus allen möglichen Themen geworden, und die Vorbeugung gegen „Schwulen- und Lesbenhass” komplett in den Hintergrund geraten – leider mal wieder!

  3. Kai Tonath

    „Viele” ist leider meistens nicht genug! 100 von 12,4 Millionen sind leider eine wirklich extrem vernachlässigbare Größe! Vor allem, weil ich davon ausgehe, dass von den Hundert dann viele auch einfach mal so unterschrieben haben, ohne die Forderungen wirklich gelesen zu haben 😉

  4. Kai Tonath

    Will man aber „in alle Richtungen aufklären müssen”, bevor die Kinder den Glauben an den Klapperstorch verlieren? Leider ist aus der ursprünglichen Idee, dass man relativ früh erklärt, dass es normal ist, wenn Paare nicht nur aus Mann/Frau bestehen können, sondern Mann/Mann und Frau/Frau auch o.k. ist, richtig viel Zeug geworden, das dann alle möglichen „Identitäten” glücklich machen soll – aber „Schwule Männer” und „Lesbische Frauen” dann komplett in den Hintergrund drängt (also das eigentliche Ziel)!

  5. Kevin Montany-Jung

    >ja, da fragt man sich wirklich, wem das wirr warr dient = warum alles so verkomplizieren … kinder sind naturgemäß neugierig und haben mit der vollen aufklärung echt keine probleme … es sind immer die „erwachsenen” die daraus erst ein problem machen, überall weisse mäuse und „moralischen schmutz” sehen wo keiner ist … in der tat können dadurch auch ängste erzeugt werden, wodurch die gleichgeschlechtliche liebe selbst ins hintertreffen gerät … einfach normal erklären und gut ist – kinder verstehen das — wenn aber erwachsene selbst im kopf nicht klar sind, können sie es auch nicht richtig erklären … die vielen identitäten sind nur im ersten moment viel, da dies aber ohnehin nur ausnahmen sind, ist es in kinderaugen eher etwas spannendes … wichtig ist doch für kinder ihnen die angst vor dem eigenen ich und vor eigenen identität zu nehmen und wenn es halt so ist wie es ist , dann auch zu wissen, dass eltern freunde und verwandte immer noch die eltern freunde und verwandte bleiben und dann auch sind … davor haben kinder und pubertierende i.c. angst, nicht aber vor eine rundum aufklärung … denke ich=!!!??? … mir passt auch vieles an und in der szene nicht … aber solange eine anerkennung i.c. fehlt , angst schrecken und missachtung i.c. immer so arrogant mit schwimmt, wird es als stigma so bleiben , weil es als negativbeispiel in augen homophober so bleiben soll … ja, so in etwa=!?!<

  6. Kevin Montany-Jung

    >vielen danke für feedback = das liest man gern = und ja das stimmt, einfach rasch mal so rüberlesen ist bei meiner schreibweise nicht ganz einfach = aber wir schaffen das 😉 :)))


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