teens in school

Wertschätzung für Vielfalt

Neuer „Lehrplan zur Sexualerziehung an den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Hessen“ ist seit Freitag in Kraft

„Ziel der Sexualerziehung ist, Schülerinnen und Schülern ein offenes, diskriminierungsfreies und wertschätzendes Verständnis für die Verschiedenheit und Vielfalt der partnerschaftlichen Beziehungen, sexuellen Orientierungen und geschlechtlichen Identitäten in unserer Gesellschaft zu vermitteln.“ So steht es im neuen „Lehrplan zur Sexualerziehung an den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Hessen“, der seit Freitag in Kraft ist und den veralteten Plan aus dem Jahr 2007 ablöst. Erklärtes Unterrichtsziel: die „Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, trans- und intersexuellen Menschen“. Für den Begriff Akzeptanz habe man sich bewusst entschieden, nicht bloß für Toleranz oder Respekt – und das mit der Akzeptanz ging dann auch direkt einigen Eltern zu weit, wie Hessens Grünen-Chef Kai Klose gegenüber MÄNNER sagte, was letztlich auch zur Ablehnung des Lehrplans durch den Landeselternbeirat geführt hatte. Die Gewerkschaften und die Landesschülervertretung dagegen und sogar die Kirchen, die zuvor ebenfalls formal angehört wurden, hatten keine größeren Bedenken geäußert. (Auch in Sachen Traugottesdienste für Homopaare ist man in Hessen ziemlich entspannt – MÄNNER-Archiv)

Kai Klose

Hessens Grünen-Chef Kai Klose (Foto: Grüne)

Auch Vertreter des Aktionsbündnisses „Demo für Alle“ hat Klose in Hessen nicht gesehen, die unter Beteiligung von Birgit Kelle gerade in Bayern dafür gesorgt haben, dass CSU-Kultusminister Spaenle die neue Richtlinien zur Sexualerziehung an bayerischen Schulen nicht in Kraft setzt – erst wolle er die Kritik daran erst eingehend prüfen (MÄNNER-Archiv). In Sachsen hat die CDU ja sogar Kelle zur „Bildungsexpertin“ gemacht. Solche Sorgen hat Kai Klose nicht.

Der neue Lehrplan sei behutsam und gemeinsam unter Beteiligung von GRÜNEN und CDU diskutiert und erarbeitet worden. Klose findet lobende Worte u.a. für Kultusminister Alexander Lorz (CDU),: „Der Kultusminister steht dafür, dass auch das Thema Partnerschaft und Sexualität an Hessens Schulen diskriminierungsfrei behandelt wird, sodass jeder Mensch sich frei entfalten kann.“

Es geht schlicht darum, den Kindern zu zeigen, dass es neben der Vater-Mutter-Kind-Familie z.B. auch Kinder mit zwei Vätern gibt

In Hessen, wo B‘90/ Grüne als kleiner Koalitionspartner der CDU regieren, gilt nun ein Lehrplan zur Sexualerziehung, wonach schon Sechs- bis Zehnjährige verpflichtend über gleichgeschlechtliche Partnerschaften informiert werden. Was es nicht bedeutet, auch wenn es Bildungsplan-Gegner gerne behaupten, ist, dass hier konkrete Stellungen beim Sex oder Ähnliches vermittelt werden. Sondern es geht schlicht darum, den Kindern zu zeigen, dass es neben der Vater-Mutter-Kind-Familie auch Kinder mit zwei Vätern gibt (hier zum Beispiel – MÄNNER-Archiv). Oder alleinerziehende Mütter. Oder Patchworkfamilien, in denen Kinder gleich mehrere Eltern haben.

Außerdem werden im neuen Lehrplan Aufgaben für die schulische Sexualerziehung „hinsichtlich der Aufklärung und Information über Coming-out“ genannt – und zwar für ältere Schüler. Dazu gehört „die Vielfalt sexueller Orientierungen und Geschlechtsidentitäten“, „universelle Menschenrechte und Schutz vor Diskriminierung“ und „Beratungsmöglichkeiten im Zusammenhang mit sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität.“ Zudem ist vorgesehen, dass das Thema menschliche Vielfalt nicht nur in Biologie behandelt wird, sondern fächerübergreifend – beispielsweise auch in Mathematik.

Mobbing entgegenwirken

Und auch das Thema Mobbing soll angegangen werden. “Schülerinnen und Schüler erfahren sich als ungeschützt, wenn ihre eigene Intimsphäre verletzt werden kann“, heißt es im neuen Lehrplan. „Deshalb ist einer Schulatmosphäre entgegenzuwirken, in der solche Verhaltensweisen durch ‚Übersehen‘ oder ‚Überhören‘ ignoriert werden.“

Das neue Schuljahr hat in Hessen schon Ende August begonnen. Nun, da der neue Lehrplan in Kraft ist, den Klose als „Aufbruch in die Moderne“ bezeichnet, beschäftigen sich Fachkonferenzen damit, wie er umzusetzen ist und wie das Thema Vielfalt eingebaut werden kann.

Titelbild: Fotolia


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