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Wie es im Fall Olivia Jones weitergeht

Die Dragqueen hat die AfD angezeigt. Und jetzt?

Karina Sadowsky von der Pressestelle der Hamburger Polizei ist beschäftigt: „Hier ist ja viel los. Da geht ein Rückruf schon mal unter.“ Zum Beispiel der an die MÄNNER-Redaktion. Dabei wollten wir doch nur wissen, wie es jetzt weitergeht, mit der Anzeige, die Oliver Knöbel, wie Olivia Jones mit bürgerlichem Namen heißt, am letzten Donnerstag auf der Davidwache im Hamburger Stadtteil St. Pauli erstattet hat. Mit dieser Begründung: „Mir reicht’s! Ich habe auf der Davidwache gegen Ihren (der AfD in Sachsen-Anhalt A.d.R.) Vorsitzenden André Poggenburg Anzeige erstattet. Mir ist klar, dass er das von jemandem wie mir vermutlich als „Ritterschlag“ empfinden wird. Aber ich will mich später nicht fragen lassen müssen, warum ich die Klappe gehalten habe. Ja, in einer Demokratie darf man unterschiedlicher Meinung sein und ich bemühe mich, auch die – aus meiner Sicht – absurdesten Ängste ernst zu nehmen. Aber wenn auf der Partei- und Fraktions-Facebookseite der AfD Sachsen-Anhalt Homosexualität mit Pädophilie in Zusammenhang gebracht wird, ist das für mich keine Frage von Meinungsverschiedenheiten mehr, sondern Volksverhetzung.“ (MÄNNER-Archiv)

Das Ganze wird sich ziehen

Was man uns bestätigt: „Die Anzeige ist hier eingegangen und das Verfahren läuft. Alles andere sind Kleinigkeiten, die wir nicht veröffentlichen“. Zu diesen Kleinigkeiten können gehören: Das Vorladen und Befragen von Zeugen und des Anzeigenden, also Oliver Knöbel, erste Einsichten in Akten, aber vor allem: Das Weiterreichen des Falles an die zuständigen Kollegen. Denn: „Es gilt auch in diesem Fall das Tatortprinzip“, so Sadowsky. Heißt: Zuständig für die Bearbeitung des Falls und die weiteren Ermittlungen ist die Polizei und gegebenenfalls die Staatsanwaltschaft in Sachsen-Anhalt. Die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Hamburg bestätigt: „Uns liegt jedenfalls kein Fall dieser Art vor.“ Das Ganze wird sich also ziehen: Die Anzeige wird weitergereicht, dann stellt die Polizei in Sachsen-Anhalt fest, ob sie Bestand hat und wirklich eine Straftat vorliegt, was bei Delikten wie diesem immer schwer zu belegen ist. Sollte das gelingen, erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Oppositionsführer des sächsisch-anhaltinischen Landtages, wegen Volksverhetzung. Etwas, das in der Geschichte der Bundesrepublik noch nie vorgekommen ist. Ein insgesamt sehr kompliziertes Verfahren. Bis es soweit ist, hat André Poggenburg jede Menge Zeit, „Keine Angst in Andersrum“ von Olivia Jones, zu lesen, und sich selbst davon zu überzeugen, dass es in dem kritisierten Text keinerlei Frühsexualisierung gibt, wie die AfD behauptet.

Foto: © RTL  Stefan Gregorowius     


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