„Berlin ist doch sonst so liberal!“

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) bieten freies Internet, sperren aber schwule Seiten

In der Pressestelle der Hamburger Hochbahn hat man herzlich gelacht, als ich mich erkundigt habe, ob Seiten wie PlanetRomeo auch im WLAN-Netz der dortigen Bahnhöfe gesperrt seien (die Hamburger testen ihr WLAN-Angebot gerade in einem Pilotprojekt, das Mitte Oktober abgeschlossen sein soll.) „Berlin ist doch sonst so liberal!“ Ein hämisches Lachen konnte man sich nicht verkneifen.

WLAN Berlin

Foto: BVG

WLAN Berlin: Viele LGBTI-Newsseiten nicht erreichbar

Nun ist es so: Seit Sommer bieten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) in vielen U-Bahnhöfen freies Internet über kostenlose Hotspots an, darunter am Zoologischen Garten und am Nollendorfplatz im Homokiez Schöneberg. Doch bei einigen Webseiten passiert nichts, wenn man sie besuchen will. Bei den Kollegen einiger deutscher LGBTI-Newsseiten zum Beispiel. MÄNNER dagegen konnte und kann man aber regulär anwählen. Auch Gaydar ist gesperrt, Tinder dagegen nicht.

Sperren: übertrieben

Der BVG ist das ziemlich unangenehm, wie man beim Gespräch mit der Pressesprecherin Petra Reetz merkt. Schließlich betonen die Verkehrsbetriebe immer ihre Nähe zur LGBTI-Community, fahren alljährlich beim CSD mit und zielen in ihrer aktuellen Werbekampagne „Is mir egal“ (siehe Video) auch eindeutig auf schwule Fahrgäste ab. Aber die Sperrungen hat nicht die BVG eingerichtet, und Reetz findet sie auch übertrieben. Die Hotspots habe der Provider installiert – und der sei vertraglich verpflichtet, jugendgefährdende Inhalte aus dem WLAN herauszufiltern.

 Kinder sollen sich auf den Bahnhöfen nicht alle Pornos dieser Welt angucken können

Schließlich, sagt Reetz, sei ein U-Bahnhof kein öffentlicher Raum. Die BVG sei Hausherrin und habe entsprechende Pflichten zu erfüllen. Dazu gehöre es, dass Kinder sich auf ihren Bahnhöfen nicht alle Pornos dieser Welt angucken können. Den Filter, der vom Hotspot Provider benutzt wird, habe die Universität von Toulouse entwickelt und mit „außergewöhnlich strengen Kriterien“ ausgestattet, so Reetz. Newsseiten sollten natürlich erreichbar sein.

Sagt uns um Himmels Willen Bescheid

Nach Aussagen von Reetz sollen gesperrte Seiten wie PlanetRomeo oder die Seite der Berliner Siegessäule  im Laufe des heutigen Tages wieder erreichbar sein. Spätestens zum Wochenende könne man die gängigen Seiten wieder ansurfen. An Betreiber von Seiten, die finden, dass sie zu Unrecht gesperrt sind, appelliert Reetz: „Sagt uns um Himmels Willen Bescheid!“ Man werde die Sperrung umgehend aufheben.

Titelbild: BVG


10 Kommentare

  1. Martin Wilsmann

    Das ist völlig normal bei einem neu eingerichteten Internet Filter. Einfach die gesperrte Seite melden und gut ist. Sofern diese nicht gegen die Richtlinien verstoßen, sollte das kein Problem sein.

  2. Martin Wilsmann

    Das ist völlig normal bei einem neu eingerichteten Internet Filter. Einfach die gesperrte Seite melden und gut ist. Sofern diese nicht gegen die Richtlinien verstoßen, sollte das kein Problem sein.


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