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§175: Reicht die Entschädigung?

So haben die MÄNNER-Leser abgestimmt

Die Summe von 30 Millionen Euro soll nach den Plänen von Justizminister Heiko Maas (SPD) für die Entschädigung der zwischen 1945 und 1969 nach § 175 verurteilten Männer zu Verfügung stehen; ein eigener Gesetzesentwurf der LINKEN sieht gar 50 Millionen vor. „Wir wollen diese Urteile aufheben, wir wollen die verurteilten Männer auch entschädigen – also versuchen, das Unrecht auf diese Weise wenigstens finanziell ein wenig auszugleichen”, kündigte Maas an.

Das schwule CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn sagte gegenüber MÄNNER: „Das hätte auch alles schneller gehen können. Umso wichtiger ist, dass es jetzt schnell geht und wir nicht wieder Zeit verlieren. Da sind sich alle Beteiligten jetzt auch einig.”

Wir haben die MÄNNER-Leser gefragt: Haltet Ihr die Entschädigung – wenn sie wie geplant kommt – für ausreichend?

Unrecht lässt sich nicht mit Geld wieder gutmachen

Eine Mehrheit von 31,8 % findet, mit Geld könne man das Unrecht ohnehin nicht wiedergutmachen, das den 50.000 Verurteilten widerfahren ist. Fast genauso viele (28,9 %) finden, eine Entschädigung komme besser zu spät als nie. Jeder 4. User (24,3%) sagt, die in Aussicht gestellte Rehablitierung komme zu spät und die Summe von 30 Millionen sei zu wenig. Die geplante Entschädigung ist genau richtig so – das sagen immerhin 13,8 %.

§ 175

Österreich prüft Tilgungsanträge

Eins steht fest: Verglichen mit anderen Ländern ist Deutschland Vorreiter in der Entschädigungsfrage. In Österreich konnte noch bis zum Jahr 2002 ein 20-Jähriger, der Sex mit einem 17-jährigen Mann hat, bis zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt werden.  Zwar wurden einige Verurteilte begnadigt, längst jedoch nicht alle. Und wer nicht begnadigt wurde, der gilt weiterhin als Sexualstraftäter. Eine Entschädigung wurde nicht gezahlt. Ende 2015 hat der Nationalrat ein Gesetz verabschiedet, das die Verurteilungen tilgt. Aktuell prüft die Staatsanwaltschaft entsprechende Anträge von 111 Verurteilten, teilt das österreichische Justizministerium auf MÄNNER-Anfrage mit: „Diese Prüfung soll bis 2018 abgeschlossen sein.“ (Zur Lage in Finnland und Großbritannien – MÄNNER-Archiv)

Rehabilitiert nach 45 Jahren

In Kanada war Everett George Klippert der letzte Mann, der aufgrund seiner Homosexualität ins Gefängnis musste. Er saß zwei Jahre lang seine Haftstrafe ab und kam erst 1971 frei. Der kanadische Premierminister Justin Trudeau rehabilitierte Everett George Klippert im Frühjahr dieses Jahres.

Titelbild: Shutterstock/Ollyy


1 Kommentar

  1. Mathias Braasch

    Das war überfällig. Man sollte auch nicht vergessen, dass auch diejenigen darunter gelitten haben, die nicht mehr direkt von dieser Gesetzgebung betroffen gewesen sind. Die Stigmatisierung der Schwulen, die ihren Ausdruck im 175er fand, hat ja noch lange stark nachgewirkt. In den 70ern und 80ern gehörte weit mehr Mut dazu, sich zu seiner Homosexualität zu bekennen als heute. Und gebrochene Lebensläufe gibt es auch aufgrund dieser Nachwirkungen. Das kann man nicht entschädigen und auch niemanden deswegen rehabilitieren. Aber auch für diese Schwulen dürfte es ein Balsam für die Seele sein, dass die Nachwirkungen dieses „Rechts” nun letztlich auch Folgen eines staatlich anerkannten Unrechts sind. Ich glaube, dass dieser Aspekt der aktuellen Politik ohnehin der wichtigste ist: Das Unrecht von einst wird auch so benannt. Die Verfolgten bekommen nun vom Staat gesagt, dass dies nie hätte geschehen dürfen, dass ihnen Unrecht angetan worden ist. Die noch lebenden Betroffenen sind heute Rentner. Es ist gut, dass sie nun einen Lebensabend haben dürfen, in dem sie nicht mehr als Verbrecher (bis 1973 galten sie als solche, seit dem als Straftäter) stigmatisiert sondern als Unrechtsopfer anerkannt sind. Traurig ist es, dass für tausende Männer dieser Schritt zu spät kommt.


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