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55 Jahre ein Paar – aber kein Erbe

Nachkommen streiten mit dem Witwer um das Haus seines Mannes

Selbst wer noch nie in New York City war, kennt das West Village. Es ist eines der historischen Stadtteile New Yorks, die dreigeschossigen Backsteinhäuser sind charakteristisch für das Viertel. Hier lebt auch Carrie Bradshaw in „Sex and the City“, und hier verläuft die Christopher Street mit der Bar “Stonewall Inn”. Die wird bald zum nationalen Denkmal erhoben (MÄNNER-Archiv), weil von dort die Lesben- und Schwulenbewegung ihren Anfang nahm.

Das West Village hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Tom Doyle und sein Partner Bill Cornwell haben den Wandel des Viertels miterlebt: Vom Künstler- und Schwulenviertel hin zu einem der teuersten Pflaster der Stadt.

Nur eine Unterschrift auf dem Testament – und damit ungültig

Denn das schwule Paar lebte 55 Jahre lang zusammen in einem dreigeschossigen Backsteinhaus. Trotzdem könnte Tom Doyle bald obdachlos sein: Das Haus gehörte seinem jahrzehntelangen Partner Bill, der vor zwei Jahren im Alter von 88 gestorben ist.

Bill wollte, dass Tom alleiniger Erbe wird. Es gibt nur ein Problem: Als er sein Testament geschrieben hat, hat nur eine Person den Letzten Willen unterschrieben, nämlich seine Nichte Sheila McNichols. Ohne eine zweite Unterschrift ist es dem Gesetz nach ungültig. Das heißt, dass das Erbe seinen nächsten Verwandten zusteht.

„Dieser Wille war niemals ein gültiger Wille“, sagt die Nichte

Die Nichten und Neffen von Bill wollen deshalb das Recht haben, mit dem Haus zu machen, was sie wollen, es eventuell sogar verkaufen. Es ist immerhin etwa 7 Millionen US-Dollar (etwa 6,5 Millionen Euro) wert.

 Solange ich hier bin, bin ich in einer gewohnten Umgebung. Es ist fast so, als wäre Bill noch bei mir

„Er hatte 50 Jahre, um Toms Namen auf irgendeines dieser Papiere zu schreiben“, sagte Carole DeMaio, eine weitere Nichte von Bill, der „New York Times“. „Dieser Wille war niemals ein gültiger Wille.“ Außerdem behauptet sie, dass die beiden niemals ein Paar waren, sondern nur „Freunde“.

Tom will nur ein Dach über dem Kopf haben

Denn Bill und Tom waren niemals verheiratet. Das war auch fast ihr ganzes Leben lang nicht möglich. „Wir haben über eine Hochzeit gesprochen“, sagte Tom Doyle. „Bill hat sogar nach Ringen geschaut. Aber wir hätten uns zweimal auf den Weg machen müssen: Für die Lizenz und für die Zeremonie. Wir waren beide über 85. Nach einem Leben lang zusammen, bedeutet die Ehe nicht mehr viel.“

Nur was das Erbe angeht, bedeutet sie eben doch viel. Der Anwalt von Tom versucht jetzt zu argumentieren, dass die beiden in einem eheähnlichen Verhältnis standen. Die Verwandten seines verstorbenen Mannes haben ihm derweil angeboten, dass er in den nächsten fünf Jahren für nur 10 Dollar Miete wohnen kann. Sie vermuten wohl, dass der 85-Jährige ohnehin nicht viel länger leben wird.

„Mir geht es gar nicht so sehr ums Geld“, sagte Tom, „es geht mir eher darum, für den Rest meines Lebens ein Dach über dem Kopf zu haben, und dass ich nicht in ein Altersheim muss. Solange ich hier bin, bin ich in einer gewohnten Umgebung. Es ist fast so, als wäre Bill noch bei mir.“

Titelbild: Shutterstock/Matej Kastelic (Symbolfoto)


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