Dr. Klein

Randgruppe: Gutbürgerliche Heteros

Leander Lichti (39) ist bereits in der 3. Staffel der Serie „Dr. Klein“ als schwuler Restaurantbesitzer zu sehen

Schauspieler Leander Lichti (39) ist ab Oktober bereits in der 3. Staffel der ZDF-Serie „Dr. Klein“ als schwuler Restaurantbesitzer zu sehen. Das Format ist außergewöhnlich für das Vorabendprogramm und ein Lichtblick, wenn es um die Darstellung von Minderheiten im Fernsehen geht (Diese queeren US-Serien und ihre Macher sind ausgezeichnet – MÄNNER-Archiv)

Leander, wer bisher noch nicht eingeschaltet hat, könnte „Dr. Klein“ für eine gewöhnliche Krankenhausserie halten. Trifft es das?
Es gibt natürlich den Krankenhaushintergrund, was aber tatsächlich nur das Substrat ist, auf dem die Serie stattfindet. Hier treffen unterschiedliche gesellschaftliche Lebensrealitäten aufeinander, und es wird ein Zusammenleben und eine Normalität dargestellt, wie es sie, glaube ich, in anderen Serien bisher nicht gegeben hat. Es geht um unterschiedlichste Lebensentwürfe, kulturelle Hintergründe, Lebensplanungen und eben auch um unterschiedlichste Sexualitäten. In dieser Serie haben sie so eine Normalität und werden als so normal behandelt, dass Figuren wie der gutbürgerliche Hetero-Ehemann plötzlich zur Randgruppe werden. Ich glaube, dass ist der eigentliche Kern der Serie.

Das ZDF hat vielleicht viele Zuschauer, die mit unterschiedlichen Lebensentwürfen nicht so häufig in Berührung kommen.
Ja, absolut. Nach dem Ausstieg von Miroslav Nemeć, der in der ersten Staffel meinen Partner, den schwulen Chefarzt Dr. Eisner gespielt hat, hätte man sagen können: Jetzt bricht von dieser Paarkonstellation eine Figur weg, also lassen wir das auslaufen. Es war aber klar, dass an dem schwulen Erzählungsstrang festgehalten werden soll und dass man nach anderen Möglichkeiten sucht, um die Handlung fortzusetzen. Ich finde, dass dieser Mut der deutschen Fernsehlandschaft sehr gut tut.

Dr. Klein

Lichti (re) und Miroslav Nemeć in „Dr. Klein”

Was bedeutet es, sich in einen Menschen zu verlieben, der sich gerade im Coming-out befindet

Und was ist Deine Rolle für eine Person?
Patrick Keller ist als Sohn eines Rechtsanwalts in Freudenstadt aufgewachsen. Freudenstadt steht für die spießige Schwarzwaldprovinz, es könnte aber auch jede andere Provinzstadt sein. Dort hat Patrick als Heranwachsender, der sich zu Männern hingezogen fühlt, nie wirklich Akzeptanz erfahren. Also ging er nach Stuttgart und fand dort seine große Liebe, einen 20 Jahre älteren Mann, mit dem er auch ein recht bürgerliches Leben geführt und einen sehr ausgeprägten Kinderwunsch entwickelt hat, der aber von seinem Partner nicht geteilt wurde. In der 3. Staffel wird nun von Schwulen mit muslimischem Hintergrund erzählt oder was es bedeutet, sich in einen Menschen zu verlieben, der sich gerade erst in der Phase des Coming-out befindet.

Wie stehst Du persönlich zum Thema Regenbogenfamilie?
Also erstmal habe ich viele schwule Freunde, und das wird mit einer solchen Selbstverständlichkeit behandelt, dass ich immer wieder erstaunt bin, wenn ich mitbekomme, dass man um gesellschaftliche Akzeptanz kämpfen muss. Genauso schwierig finde ich die Diskussion, ob homosexuelle Paare Kinder adoptieren sollen. Wenn ich mit meinen zwei Kindern auf Spielplätzen unterwegs bin, erlebe ich immer wieder Eltern, bei denen ich mich frage, ob deren Umgangsweisen – vorsichtig formuliert – noch förderlich für das Kind sind. Gleichzeitig bekommt man mit, wie sich schwule Patenonkel im Freundeskreis rührend um Kinder kümmern.

Geben Zuschauer mehr negatives oder positives Feedback?
Negatives Feedback gar nicht. Die Post, die ich erhalte, kommt von fast ausschließlich älteren Damen oder sehr alten Männern.

Das vollständige Interview ist erschienen in MÄNNER 10.2016

„Dr. Klein“ (ZDF), ab 7. Oktober: immer freitags ab 19.25 Uhr

Titelbild: ZDF


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