Familienfest

Eine schrecklich nette ZDF-Familie

Ende November läuft "Familienfest" erst bei Arte, dann als Fernsehfilm der Woche im ZDF

Das tyrannische Familienoberhaupt Hannes wird 70. Anne, seine zweite Ehefrau, lädt die Familie ein. Doch bei der Feier kommt es zum Eklat. Alte Wunden brechen auf. Die drei kinderlosen Söhne Max, Gregor und Frederik mitsamt Lebensgefährten und sogar Hannes‘ Ex-Frau Renate sind eigens aus Paris angereist. Dass das Fest in einer Katastrophe endet, zeichnet sich bald ab.

Jahrzehntealte Streitigkeiten und Auseinandersetzungen haben die Familie entfremdet. Niemand interessiert sich wirklich für den anderen, oberflächlich scheint die Wiedersehensfreude. Und überhaupt ist im Hause Westhoff vieles nur Schein: das große Haus, die Idylle, die Liebe. Vater Hannes, ein gefeierter Konzertpianist, ist über die Jahre ein ironischer Einzelgänger geworden und zeigt dies nur allzu gerne. Er ist ein wortgewandter Patriarch, ein Egozentriker, der die Lacher immer auf seiner Seite hat – allerdings gerne mal auf Kosten anderer. Mit seinen 70 Jahren hat er sich zunehmend isoliert. Hannes hat keine Freunde fürs Leben, vielmehr ist er Feind des Lebens geworden. Ein brillanter, charismatischer Kopf, unter dessen zur Schau gestellter Überlegenheit die ganze Familie leidet. (Es gibt natürlich auch schwule Söhne mit netten Vätern – MÄNNER-Archiv)

Familienfest

Die Brüder Frederik (Barnaby Metschurat, l.), Max (Lars Eidinger, M.) und Gregor (Marc Hosemann, r.)

Doch wie lange kann man schweigen, wahre Gefühle unterdrücken, den Schein wahren? Im Hause Westhoff ist am Tag des Festes der Moment gekommen, in dem die unterdrückten Konflikte zu Tage treten. Sohn Max kann und will nicht länger warten, denn die Wahrheit muss dringend ausgesprochen werden, bevor diese für immer verschleiert bleibt. Dass Max sterbenskrank ist, hat bislang niemand wahrnehmen wollen. Auch als seine neueste Eroberung, Krankenschwester Jenny, auf seinen kritischen Zustand hinweist, wird sie nicht ernst genommen. Und trotzdem – im Angesicht des nahen Todes sind Menschen doch noch zu allem fähig. Nach Max´ letztem großen Auftritt, der Geburtstagsrede vor den gespannt wartenden Gästen, kommen sich Vater und ältester Sohn endlich wieder nah.

Einen schwulen, etwas spießigen Lehrer zu spielen war eine Herausforderung

Frederik (Barnaby Metschurat) ist der jüngste Westhoff-Sohn und schwul. Er wünscht sich nichts mehr, als mit seinem Lebensgefährten Vincent ein Kind großzuziehen, was den konservativen Wertvorstellungen seines Vaters extrem widerspricht. Frederik besitzt zwar viel Kraft, aber man spürt, dass er von dem Kampf mit seinem Vater gezeichnet ist, und dieser ihn in seiner Freiheit und Selbstverwirklichung mehr als einengt. Sein Partner Vincent (Daniel Krauss) kommt zum ersten Mal ins Haus Westhoff. Den manchmal offenen, manchmal subtilen Anfeindungen, denen er insbesondere in Gestalt seines Schwiegervaters  ausgesetzt ist, hat er nichts entgegenzusetzen, außer seiner sympathischen inneren Ruhe und seiner Liebe zu Frederik.

„Einen schwulen, etwas spießigen Lehrer zu spielen war eine Herausforderung“, sagt Krauss. „Eine Gratwanderung, man möchte nicht in die Klischees abrutschen. Zum anderen das Ensemble: Mit so herausragenden Kollegen arbeiten zu dürfen, ist schon etwas sehr besonderes. Lars kenne ich schon sehr lange – für mich ist er einer der besten Regisseure überhaupt.“ Lars Kraume hat auch „Der Staat gegen Fritz Bauer” inszeniert, der beim 66. Deutschen Filmpreis als „Bester Film” ausgezeichnet wurde – und noch in einigen anderen Kategorien – MÄNNER-Archiv

„Familienfest“ läuft bei arte am Freitag, den 25. und im ZDF am Montag, den 28. November 2016 jeweils um 20.15 Uhr

Fotos: ZDF


3 Kommentare

  1. Kevin Montany-Jung

    >medienberichten zufolge sagt theologin frau Margot Käßmann sinngemäß, dass man flüchtlingen mit liebe begegnen sollte … gilt, wenn selbst deutsche eltern dies oft gegenüber eigenen homosexuellen kindern nicht können, dann auch für homosexuelle flüchtlinge=?<


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