Homophobe Kritik: Kaufhaus knickt ein

El Corte Inglés zieht Spot mit Regenbogenfamilie zurück

Während der Möbelkonzern Ikea in Russland vielleicht bald eine Kampagne mit einem schwulen Paar (MÄNNER-Archiv) bekommt, war El Corte Inglés schon weiter: Die spanische Kaufhauskette hat erst Anfang des Jahres ein sehr zauberhaftes 3-Minuten-Video über zwei schwule Männer veröffentlicht (siehe oben). Nun folgte kürzlich ein Spot mit einer Regenbogenfamilie.

El Corte Ingles

Zwei Väter vor Beginn des Schuljahres (Screenshot/El Corte Inglés)

Zwei Väter (die sich im Video übrigens weder küssen noch überhaupt berühren) versuchen vergeblich, zum Beginn des Schuljahres für ihre beiden Kinder ein Heft in eine Schutzfolie einzuschlagen. Ihre Söhne beobachten sie dabei, und der eine sagt zum anderen: “Siehste, hab Dir doch gedacht, dass es nicht schneller geht, wenn die beiden es machen.”

Der Spot bekam viel Lob, weil er für die Sichtbarkeit von Regenbogenfamilien sorgt und sich für Respekt und Toleranz einsetzt. (Dieser schwule Schiedsrichter aus Spanien erhält Morddrohungen: MÄNNER-Archiv)

El Corte Ingles

Victoria! – Sieg! – verkünden die homophoben Kritiker auf der Petitionsseite hazteoir.org

Aber einer Gruppe von homophoben Spaniern passte das nicht. Sie sammelten Unterschriften für eine Petition, weil sie die traditionelle Familie bedroht sehen. Zu einer „natürlichen Familie“ gehören nämlich ein Vater und eine Mutter, finden sie. Über 20.000 Unterschriften kamen zusammen. Darauhin hat El Corte Inglés den an Harmlosigkeit kaum zu überbietenden Spot gestoppt. Er wird nicht mehr im Fernsehen ausgestrahlt, auch aus ihrem YouTube-Kanal und von der Webseite wurde er gelöscht.

Aber hier kann man ihn noch sehen.

In Spanien wurde die Ehe bereits im Jahr 2005 für Homopaare geöffnet. Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Metroscopia halten es 3 von 4 Spaniern für richtig, dass schwule und lesbische Paare Kinder adoptieren können.

Übrigens wüssten wir gerne von Euch:

Die Umfrage ist bereits beendet!Hier die Ergebnisse:

Fühlst Du Dich von schwuler Werbung angesprochen?

Titelbild: Screenshot


21 Kommentare

  1. Kai Tonath

    Noch viel Arbeit zu tun in Spanien! Über sie abzulästern und sie zu beleidigen hilft allerdings nicht dazu, diese zu überzeugen, dass auch zwei Männer „Eltern“ sein können …

  2. Stefan Burger

    Die Antwort, ob wir „schwule Werbung“ brauchen, habt ihr euch damit nur ein paar Artikel später selbst gegeben! Wo ist unser eigenes Selbstbewusstsein? Alleine diese Frage in einem LGBTI-Magazin zeugt davon, dass wir unsere Diskriminierung in unseren eigenen Köpfen noch lange nicht mal selbst überwunden haben, wenn wir die Notwendigkeit unserer eigenen Existenz in den Medien sogar selbst zur Disposition stellen! Unterordnung, Unsichtbarkeit und Bedeutungslosigkeit sowie eine bloße Duldung von LGBTI „als Übel“ ist genau das, wo Rechte und Religiöse – mit Unterstützung von CSU und CDU im Falle der „Demo für Alle“ – hin wollen.

  3. Markus Alegre Fröhling

    Also das ist doch etwas aufgebauscht, im Gegensatz zu Deutschland sind wir Lichtjahren voraus. Den partido popular (PP) hat zwar spuren hinterlassen aber so viel Einfluss hatten sie nicht. Das Handeln von Corte Inglés ist schwer einzuordnen da es sich um eine absolute Minderheit handelt die da aufbegehrt. 85% unserer Bürger finden homosexualidad gut und 3 von 4 Bürgers finden es hervorragend das homosexuellen Paaren Kinder adoptieren können. (Quelle: http://blogs.20minutos.es/1-de-cada-10/2016/10/03/el-corte-ingles-cede-a-la-homofobia-retira-su-anuncio-y-da-la-espalda-a-la-mayoria-de-la-sociedad-en-espana/)

  4. Jens Rödiger

    Das LGBTI-Magazin hat gerade darüber berichtet, dass in Spanien eine kleine Gruppe von Menschen eine Werbung verhindert hat, in der ein Kaufhaus (?) ohne Zeigen des Geschlechtsakts eine gleichgeschlechtliche Familie gefilmt hat.

    Ich habe keinen Hinweis darauf gefunden, dass überhaupt eine „Werbung“ für oder wider Schwule (et al) stattgefunden hat, noch, dass das LGBTI-Magazin eine Forderung nach „mehr schwule Werbung“ gestellt hat.

    Aber bitte: korrigieren Sie mich.

  5. Kai Bannat

    Ist doch gut das sowas gepostet wird. Normal ist irgendwie alles nicht mehr und solange darüber diskutiert wird verändert sich auch was in den Köpfen. Braucht halt alles seine Zeit und es ist gut das man nicht alles mit einem Schalter an knipsen kann.

  6. Thomas Fröhling

    Ja, aber an sich ist das Thema falsch zusammengestellt. Man könnte durchaus mal genauer hinterfragen was der Grund ist denn gerade mal 21.000 onlineunterschriften lassen Corte Inglés bestimmt nicht einknicken. Evtl. ist die Werbekampagne auch einfach zu ende? Denn immerhin läuft das neue Schuljahr ja jetzt seit ein paar Wochen. Man könnte sich auch mal mehr mit den Initiatoren befassen die diese Petition gestartet hatten. Also Spanien ist weit davon weg sich von Homophoben Elementen beeinflussen zu lassen. Trotzdem ist Homophobie einfach überall auf der Welt vorhanden und dagegen muss man ankämpfen.

  7. Mathias Braasch

    Leider scheint es eine sehr aktive homophobe Gruppe von Leuten zu geben, die so viel Wind machen, dass andere glauben, sie seien eine weitaus bedeutendere Gruppe. Dabei sind sie nur besonders aktiv und rabiat. Leider ist auf der anderen Seite die Passivität zu groß. Deswegen können solche Knalltüten mit so etwas Erfolg haben.

  8. Mathias Braasch

    Ehrlich gesagt: Wenn 3/4 der Spanier damit überhaupt kein Problem zu haben scheinen, dann ist es schändlich, dass ein paar besonders aktive Verbohrte mit ihren Handlungen Erfolg haben können. Nein, diesen Leuten muss man sehr deutlich begegnen. Das sind die gleichen Leute, die bei Demos damals Schwule verprügelt haben. Diesen Leuten muss gezeigt werden, dass sie außerhalb stehen und nicht wir.

  9. Thomas Fröhling

    lso wie ich zuvor schon sagte, ich gehe eigentlich nicht davon aus, das El Corte Ingles sich da hat unter druck Setzen lassen, hat sich mal irgendeine readaktion die Arbeit gemacht und bei denen angefragt? Ich vermute einfach das Ende der Werbekampagne, soll ja vorkommen. Zumal diese Kampagne auf die Schilzeit abziehlt die neu beginnt und das ist ja nun effektiv schon passiert…


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