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Verwöhnte Kinder im Museum

Das Schwule Museum* zeigt Hommage an Erika und Klaus Mann

Über Golo Mann hat Wolfgang Theis, Gründungsmitglied des Schwulen Museums*, bereits eine Ausstellung kuratiert. An seine Geschwister Klaus und Erika wollte er erst nicht so richtig ran, erzählt er im Gespräch mit MÄNNER. „Die beiden älteren waren die Überflieger,  die auch immer in der Öffentlichkeit standen. Verwöhnte Kinder, die fast ein Leben lang von Papas Vermögen gelebt haben.“

Erika hat immer aufgepasst, dass Klaus nicht ganz abrutscht

Und dann kam die Klaus-Mann-Gesellschaft und wollte eine Ausstellung über Klaus machen. „Och wie langweilig , da gibt es doch schon genug“, war Theis‘ erste Reaktion. Also schlug er vor, die Ausstellung über Klaus mit Erika zu kombinieren. „Das war eine sehr enge Geschwisterbeziehung. Erika war immer die, die aufgepasst hat, dass Klaus nicht ganz abrutscht.“

Mit der Homosexualität der Kinder ging man im Haus Mann recht offen um. Golo und Klaus durften ihre Freunde ebenso mitbringen wie Erika ihre Freundinnen. Sie fuhr Autorennen und hatte diverse lesbische Affären mit prominenten Liebhaberinnen

Hatte Katja Mann ähnliche Zweifel wie ihr Mann, was das Kinder zeugen betraf? Weiß man nicht, sagt Theis, „Sie hat ja kein Tagebuch geführt. Hat er eine Vermutung? „Ich glaube,  das war ihr egal. Sie war sehr pragmatisch.“

Erika Mann, die „Nachlasseule“

Der erste Teil der Ausstellung widmet sich dem Leben der „famous Mann twins“ (wie sie in den USA genannt wurden) bis zum einsamen Tod von Klaus, dem enfant terrible der Literatenfamilie, am 21. Mai 1949 in Cannes, an einer Überdosis. Im Zentrum des zweiten Teils steht Erikas Verhältnis zu ihrem Vater Thomas Mann und ihrer Verwaltung von dessen Nachlass – ebenso wie die der Betreuung des Nachlasses ihres Bruders. Erika – die „Nachlasseule“, wie sie sich selbst nannte – ist maßgeblich für dessen posthumen Ruhm und die Veröffentlichung des Erfolgsromans „Mephisto“ verantwortlich, gegen die juristischen Proteste der Erben schwulen Schauspielers und NS-Theaterstars Gustaf Gründgens (mit dem Erika vorübergehend verheiratet war).

Thomas Mann

Porträt Thomas Mann (von Rinaldo Hopf)

In der Ausstellung geht es um Vertreibung, das Leben im Exil und den Kampf gegen den Faschismus. Zu sehen sind Porträts, die Rinaldo Hopf geschaffen hat, Fotos, Dokumente – und man bekommt Einblick in die Akte von Erika Mann zu ihrer Ausbürgerung im Jahr 1934. Was man nicht zu sehen bekommt, ist das Bild, das in Thomas Manns Arbeitszimmer hing. Mit dem Gemälde „Die Quelle“ von Ludwig von Hofmann sind alle Kinder aufgewachsen. Doch das Schwule Museum hat es nicht bekommen: Es ist fester Bestandteil der Inszenierung im Thomas-Mann-Archiv in Zürich, wo auch das Arbeitszimmer steht

„Es handelt sich um ein relativ kleines Bild“, erklärt Theis. „Wir haben jetzt vom selben Maler ein etwas größeres Bild. Und schöner ist es auch. Das hätte sich Thomas Mann vermutlich nicht gekauft, weil es zu groß gewesen wäre fürs Arbeitszimmer.“

Die Ausstellung ist also alles andere als langweilig geworden. Das Schwule Museum* zeigt „Es ist also ein Mädchen: Hommage an Erika und Klaus Mann“ bis zum 30. Januar.

Titelbild: „Klaus und Erika Mann“ (Rinaldo Hopf)


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