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Neue Stolpersteine für Homosexuelle

Rosa Strippe lässt 4 neue Stolpersteine in NRW verlegen: in Gelsenkirchen und erstmals in Remscheid

Josef Wesener aus Gelsenkirchen, Max Penz sowie Hans Hagen und Alfred Sigismund (alle 3 aus Remscheid) hatten etwas Wesentliches gemeinsam: ihre Zuneigung zum gleichen Geschlecht. Und sie wurden in der NS-Zeit als Homosexuelle verfolgt, die drei Männer aus Remscheid starben in Konzentrationslagern, während Wesener drei KZ-Lager überlebte. (Schwule Opfer waren über Jahrzehnte in Deutschland nicht ehrungswürdig – MÄNNER-Archiv)

Gezielte Mordaktion gegen Homosexuelle im KZ

Wann erstmals und weshalb gegen Max Penz (Jahrgang 1899) durch Polizei oder Gestapo ermittelt wurde, ist nicht bekannt. Fest steht jedoch, dass er in das KZ Sachsenhausen bei Berlin deportiert wurde und dort am 17.5.1942 zum Häftling Nr. 42331 gemacht wurde. In Sachsenhausen wurde er dem bei den Häftlingen gefürchteten Strafkommando im Außenlager Großziegelwerk (GZW) zugewiesen. Nur durch die mutigen, unter Lebensgefahr gemachten heimlichen Aufzeichnungen von Namenslisten und Beobachtungen des Sachsenhausen-Häftlinges Emil Büge weiß man heute, dass im Sommer 1942 in dem KZ eine gezielte Mordaktion gegen Homosexuelle stattfand. Dabei wurden allein im Juli 1942 insgesamt 82 namentlich bekannte Männer ermordet. Auf dieser Liste findet sich auch Max Penz als sogenannter „175er“. In vielen Totenscheinen stand wie auch bei ihm die fingierte Todesursache: „Kopfschuss bei Fluchtversuch“.

1 Jahr und 3 Monate Gefängnis wegen homosexueller Kontakte

Hans Hagen, geboren am 8. Oktober 1904 in Lüttringhausen-Jägerhof (heute
Remscheid), Eisenbahnschlosser von Beruf, Jugendobmann und 1938/1939 1.
Vorsitzender im Ballspiel-Verein Lüttringhausen 08, wohnhaft zuletzt in der Richard-
Pick-Str. 10 in Remscheid, Verurteilung 1939 von der NS-Justiz zu 1 Jahr und 3 Monaten
Gefängnis wegen homosexueller Kontakte. Nach Haftverbüßung im Februar 1941 Deportation
in das KZ Sachsenhausen bei Berlin, dort Tod am 24. März 1941. Angebliche
Todesursache: „Versagen von Herz und Kreislauf, Grundleiden: Lungenemphysem,
Herzbeutelwassersucht“

Stolpersteine

Wegen Onanie mit Auszubildenden verurteilt: Alfred Sigismund

Alfred Sigismund (Jg. 1902), verheiratet in Belgien, Vater eines Sohnes, von Beruf Dreher und Schiffskoch, wurde wegen gemeinsamer Onanie mit Auszubildenden im Betrieb verurteilt, nach Haft deportiert in das KZ Sachsenhausen, von dort in das KZ Neuengamme bei Hamburg, wo er zu einem unbek. Zeitpunkt im Jahr 1943 starb.

Der Lokführer Josef Wesener aus Gelsenkirchen (Jg.1903) überlebte die Verfolgung und die KZ-Deportationen nach Neuengamme, Buchenwald und Mittelbau-Dora. Er konnte nach 1945 nicht in seinen Beruf zurückkehren, wurde Bergmann, erkrankte an den Folgen der KZ-Drangsalierung psychisch, wurde später unter Betreuung gestellt und starb dement 1987 in Düsseldorf.

Zur Erinnerung an die Verfolgung und an die Verfolgten liegen an den letzten freiwilligen Wohnorten seit vergangener Woche Stolpersteine.

Von der Adenauer-Regierung wurden Schwule im Bundesentschädigungsgesetz ausdrücklich nicht berücksichtigt

Die Verwandten von Hans Hagen und Alfred Sigismund (von diesen beiden Männern sind Fotos aus dem Besitz der Verwandten überliefert) stellten nach 1945 in der BRD Anträge auf Anerkennung der Ermordeten als NS-Verfolgte. Diese Anträge wurden von den bundesdeutschen Behörden abgelehnt, zu verantworten hatte das die Adenauer-Regierung, die im Bundesentschädigungsgesetz ausdrücklich Homosexuelle nicht berücksichtigte, Homosexuelle wurden statt dessen erneut massiv diskriminiert. Die Nazifassung des §175 blieb bis 1969 unverändert in Kraft. Die Verfolgung ging nach 1945 unvermindert weiter. Jetzt im Jahr 2016 sollen die Opfer rehabilitiert und nach den Plänen von Justizminister Maas (SPD) mit 30 Millionen Euro entschädigt werden (MÄNNER-Archiv).

Damit befasst sich auch unsere Umfrage der Woche:

Die Umfrage ist bereits beendet!Hier die Ergebnisse:

Was hältst Du von der Entschädigung über 30 Millionen Euro, wie sie derzeit geplant ist?

Für die Initiative und die Recherchen der Biografien ist Jürgen Wenke verantwortlich, der ehrenamtliche Mitarbeiter des Vereins „Rosa Strippe e.V.“. Der Verein sucht weitere Paten für zukünftige Stolpersteine.

Weitere Infos: www.rosastrippe.de/verfolgung

Alle Fotos: privat


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