Jan 15 2016 Taipei Taiwan Democratic Progressive Party DPP Presidential Candidate TSAI ING

Öffnet sie die Ehe in Taiwan?

Vor dem morgigen Taipeh Pride stehen die Zeichen auf weiteren Fortschritt

Wie schon im Vorjahr werden Vertreter der europäischen Wirtschafts- und Handelskammer in Taiwans Hauptstadt Taipeh am morgigen Pride teilnehmen – dem größten in Asien, mit 80.000 Besuchern -, um den Kampf für LGBTI-Rechte zu unterstützen. Taiwan ist das homofreundlichste Land in Asien, und möglicherweise baut die neue Regierung diese Führung auf dem Kontinent bald noch weiter aus (zur Lage in China – MÄNNER-Archiv).

Nach langer Partnerschaft ohne Rechte

Ausschlaggebend ist ein ebenso trauriger wie skandalöser Anlass. Mitte des Monats stürzte Jacques Picoux aus seiner Wohnung im 10. Stock in den Tod – ein schwuler Universitätsprofessor, der in Taipeh Französisch unterrichtete. Freunde vermuten, dass es Suizid war. Sein langjähriger Partner war zuvor an Krebs gestorben. Weil Picoux und Tseng Ching-chao nicht heiraten konnten, war es dem gebürtigen Franzosen nicht möglich, bei der Entscheidung über medizinische Maßnahmen mitzureden. Und nach dem Tod seines Freundes verlor er auch noch den gemeinsamen Besitz.

Wie viele Menschen müssen wir noch verlieren, weil die Regierung nicht handelt?

Die LGBTI-Organisation Pride Watch Taiwan fragte wütend: „Wie viele Menschen müssen wir noch verlieren, weil die Regierung nicht handelt?“ Nun wird darüber diskutiert, die Ehe für Homopaare zu öffnen – dies könnte möglicherweise Ende des nächsten Jahres passieren. Die regierende Fortschrittspartei von Präsidentin Tsai Ing-wen (siehe Titelbild) arbeitet an einem ersten Entwurf. Bisher gibt es nur in einigen Verwaltungsbezirken des Landes so etwas wie eine Eingetragene Lebenspartnerschaft – aber mit weniger Rechten als etwa in Deutschland.

Wahlkampfversprechen an queere Community

Die Präsidentin ist eine erklärte Freundin der queeren Community. Sie hatte im Wahlkampf ein Video veröffentlicht, in dem sie sich im Kampf um LGBTI-Rechte und Gleichberechtigung klar auf die Seite der Befürworter gestellt hatte. Die Juraprofessorin gilt als liberal, weltoffen und China-kritisch. In der Volksrepublik, in der die Regierung Taiwan immer noch als Teil ihres eigenen Territoriums betrachtet, wurde ihre Wahl im Januar sehr kritisch aufgenommen. Befürworter der Öffnung der Ehe und anderer demokratischer Errungenschaften, jubelten in den Straßen von Taipeh (MÄNNER-Archiv).

Bild: Imago/Kyoto News


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