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Oettinger: Angst vor „Zwangs-Homoehe“

Rücktrittsforderungen an den designierten EU-Haushaltskommissar

Die Reden von Günther Oettinger gelten als direkt und vor allem unterhaltsam. Wer seinen Namen bei Google sucht, bekommt „englisch“ als Vorschlag: Die Sprachkenntnisse des designierten EU-Haushaltskommissars und CDU-Vorstandsmitglieds lassen offenbar zu wünschen übrig.

Lustig wollte Oettinger auch am Mittwochabend sein. Da war er Festredner beim 27. „EuropAbend“ des AGA Unternehmensverbands in Hamburg. Vor rund 200 geladenen Gästen hielt er eine freie Rede, die ihm seinen Posten in der EU-Kommission kosten könnte.

Viele Gäste lachen über Oettingers Rede

Der Verleger Stefan Marquardt war bei der Veranstaltung dabei. Als Oettinger angefangen habe, von Chinesen als „Schlitzaugen“ zu sprechen, zückte er sein Smartphone, um die Rede zu filmen.

„Die deutsche Tagesordnung mit Mütterrente, Mindestrente, Rente mit 63, Betreuungsgeld, der komischen Maut, die wohl nicht kommen wird, bald noch mit der Pflicht-Homoehe, wenn sie eingeführt wird – die deutsche Tagesordnung erfüllt meine Erwartungen an deutsche Verantwortung in keiner Form“, sagte der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident. Gelächter im Raum.

Linke fordert Rückzug aus Brüssel

Daneben schimpfte Günther Oettinger auch über CSU-Chef Horst Seehofer, den er einen „Populisten light“ nennt, zieht über Altkanzler Gerhard Schröder her und erzählt vom Jahresgipfel China-EU: „Alle: Anzug, Einreiher dunkelblau, alle Haare von links nach rechts mit schwarzer Schuhcreme gekämmt.“

Die Rede hat Empörung hervorgerufen. Nur wenige Tage vorher wurde bekannt, dass Oettinger, aktuell EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, zum Haushaltskommissar wird. Linken-Vorsitzender Bernd Riexinger fordert via Twitter: „Die Kanzlerin wäre gut beraten die Zeit von #Oettinger in Brüssel zu beenden. Rassismus und Homophobie dürfen keinen Platz haben.“

Auch Volker Beck von den Grünen kritisierte Oettinger, den er „Wahnwichtel“ nennt: „Seine Herabwürdigungen gegenüber Frauen, Chinesen und Homosexuellen sollte #Oettinger schleunigst wieder einsammeln.“ Er fragt, gerichtet an Peter Tauber und Peter Altmaier (beide CDU), wie Oettinger „uns vertreten“ könne. „Der homophobe Spruch von der drohenden Pflichthomoehe zeugt davon, dass der Herr Kommissar die letzten Jahrzehnte verschlafen hat“, ergänzt Beck in einem Statement.

„Es ist unfassbar, dass ein EU-Kommissar abgeschmeckte Alt-Herren-Witze von der „Pflicht-Homo-Ehe“ in öffentlicher Rede zum Besten gibt“, schreibt der LSVD. Der Verband fordert von Oettinger eine Entschuldigung, andernfalls „disqualifiziert er sich nachhaltig für das Amt eines EU-Kommissars.“

Weder Oettinger selbst noch sein Büro haben sich bislang zu dem Video geäußert.

Titelfoto: Jacques Grießmayer/CC BY 3.0


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