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Helm auf zum Gebet!

Der MÄNNER-Wochenkommentar - immer wieder samstags

Immer samstags veröffentlicht MÄNNER einen Wochenkommentar, verfasst von wechselnden Autoren. Zum festen Stamm gehören Axel Hochrein (LSVD-Vorstand), Stefan Mielchen (Erster Vorsitzender von Hamburg Pride) sowie Jan Feddersen (taz)

von Axel Hochrein

Der Papst in seiner Unfehlbarkeit hat wieder einiges vom Stapel gelassen. Wie es sich für den Stellvertreter Christi auf Erden gehört, spricht er aus den Wolken zu seinen Schäfchen. Wie schon des Öfteren, nutzt er die Flugzeit zu einem Auslandsbesuch dazu, um den mitreisenden Journalisten seine göttlichen Eingebungen mitzuteilen. So schaffte er es auch wieder zu einigen Schlagzeilen in der letzten Woche. Auch deshalb, weil Franziskus gerne Klartext redet. Weniger verklausuliert und theologisch abgehoben, wie sein deutscher Vorgänger Benedikt, mittlerweile Papst im Ruhestand.

Dass ein nicht unerheblicher Teil des Erdkreises den Segen nicht will, kam den Segnenden wohl nie in den Sinn

Mit Kleinigkeiten können sich Päpste nicht abgeben, es geht immer ums Ganze. Wahrscheinlich auch deshalb segnen Päpste ja „Urbi et Orbi“, also Rom und den ganzen Erdkreis. Der Gedanke, dass ein nicht unerheblicher Teil des Erdkreises diesen Segen gar nicht will, kam den Segnenden wohl nie in den Sinn. Und so blickt er denn auch jetzt auf seinen Erdkreis, und sieht einen „Weltkrieg, um die Ehe zu zerstören“ im Gange (MÄNNER-Archiv).

Zunächst ein feiner Zug von ihm, einer Institution beizuspringen, die für ihn selbst nie in Frage kam, noch in Zukunft in Frage kommt. Aber Eigennutz wäre ja auch Sünde, also passt das so. Und nachdem die Organisation, deren Chef er ist, unbestritten praktische und fundierte Erfahrungswerte in Sachen Krieg hat, weil sie diese seit mehr als einem Jahrtausend gesammelt hat, wird er wissen wovon er redet. Seine Vorgänger haben selbst zu Kriegen aufgerufen, sie aktiv geführt, einige von ihnen haben auch recht wacker selbst an Schlachten teilgenommen. Und damit die Corporate Indentity mit dem Organisations-Logo auch stimmt, hieß das nicht Angriffskrieg (was es meist waren), sondern Kreuzzug. Marketing ist the most important thing, das wusste man schon früher. In der Folgezeit hat man sich dann mehr als „religiöse Wunderwaffe“ betätigt, indem man sich auf das Segnen von Panzern, Armeen und Waffensystemen spezialisierte.

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Titanic-Satire

Mit diesem profunden Hintergrund-Wissen in Sachen Krieg, stellt Franziskus nun den Aggressor fest, der die Ehe global attackiert: es ist die Gender Theorie.   Als Beispiel für die Kriegshandlungen nannte er die „hinterlistige Indoktrinierung mit der Gender Theorie”, wie sie z.B. in französischen Schulbüchern gelehrt wird. So ein Teufelswerk führe zu einer „Änderung der Mentalitäten” und betreibe eine „ideologische Kolonisierung”. Und zwischen den Zeilen kann man seine Empörung heraushören, dass sich da jemand am Erfolgsrezept der katholischen Weltkirche vergreift, das ja auf Kolonialisierung beruht. Wobei man das in christlichem Duktus „Missionierung“ nennt. Und damit arbeitet man ja heute noch sehr erfolgreich. (Papst stärkt den mexikanischen Gegnern der Eheöffnung den Rücken – MÄNNER-Archiv)

Eine Kirche, die auf alles eine Antwort hat, ist nicht glaubwürdig

Diese Gender-Theorie treibt den Papst wahrlich um. Ob er sich mit ihr auseinandergesetzt hat, weiß man nicht, darf man aber begründet bezweifeln. Denn schon vor einem Jahr hat er erklärt, was er unter Gender Theorie versteht: „Ich frage mich, ob die sogenannte Gender-Theorie nicht einfach der Ausdruck von Frustration und Resignation von Leuten ist, die mit den Geschlechterunterschieden nicht umgehen können und diese deshalb einebnen wollen“, hatte das katholische Kirchenoberhaupt anlässlich einer Generalaudienz gesagt. Nein, Euer Heiligkeit, hier irrt ihr in Eurer Unfehlbarkeit.

Teil 2: „Ich empfehle eine vertiefte Beschäftigung mit der Gender Theorie”


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