Robert Biedron Poland s first elected openly gay mayor 03 02 2014 Warsaw EN_01115118_0009 PUBLICATI

Polens schwuler Hoffnungsträger

Robert Biedroń soll nach dem Willen vieler der nächste Präsident seines Heimatlandes werden

Die Polen haben es nicht leicht. Erst am Wochenende versammelten sich Hunderttausende Demonstranten in der Hauptstadt Warschau erfolgreich gegen einen Gesetzentwurf der ultrakonservativen Regierung protestiert, der Abtreibung generell verboten hätte, auch bei Vergewaltigung oder wenn das Leben der Mutter und des Kindes in Gefahr wären. Von der Öffnung der Ehe ist Polen ungefähr soweit entfernt wie vom Mond, nicht mal an ein Partnerschaftsgesetz gibt es. In Bezug auf die Menschenrechte von LGBTI gehört der östliche Nachbar Deutschlands zu den Schlusslichtern in Europa. (MÄNNER-Archiv)

Um die richtigen Entscheidungen treffen zu können, muss ich ins Herz der Stadt sehen können.

Aber es gibt einen Hoffnungsträger für viele liberale und linke Polen. Der heißt Robert Biedroń und ist der erste und einzige offen schwule Bürgermeister seines Heimatlandes. Sein Heimatort heißt Słupsk und ist die fünft höchstverschuldete Stadt Polens. Woran Biedron keine Schuld trägt, er ist erst seit etwas mehr als einem Jahr im Amt und hat es in dieser Zeit geschafft, den Schuldenberg um zehn Prozent schrumpfen zu lassen, angefangen bei einer Gehaltskürzung für ihn selbst. Außerdem sucht er die Nähe seiner Wähler. Der Internetplattform politico.eu erzählt er: „Ich verbringe meine Tage in einem alten Schloß, dem Rathaus von Słupsk. Aber mental kann ich nicht auch noch im Schloß sitzen. Um die richtigen Entscheidungen treffen zu können, muss ich ins Herz der Stadt sehen können.“ Also stellt er dann und wann ein rotes Sofa auf den zentralen Platz von Słupsk, jeder kann kommen, sich zu ihm setzen und mit ihm über seine Ängste und Nöte reden. Viele Bürger kommen aber lieber direkt ins Rathaus, denn Biedrońs Tür steht ihnen immer offen.

Das Papstporträt wurde, mit Hinweis auf die Trennung von Staat und Kirche, abgehängt

Wegen seiner Bürgernähe, seiner immensen Beliebtheit und seines unermüdlichen Arbeitseifers, sehen viele der 90000 Einwohner von Słupsk eine große Zukunft für Biedroń voraus. Er war schon der erste offen schwule Abgeordnete im polnischen Parlament, setzt sich beständig und auch auf der Straße für mehr Rechte für LGBTI in Polen ein, wobei er schon mal verprügelt wird, und bringt, wenn er auf Lehrer trifft, die fremdenfeindliches Gedankengut an ihre Schüler weitergeben, eigenhändig eine Flüchtlingsfamilie mit zu einem Klassenbesuch, weil er hofft, so die Ansichten der Lehrerin zu ändern. Das in jedem Bürgermeisterbüro in Polen vorhandene Porträt von Papst Johannes Paul II., ließ Biedroń trotz Protesten bei seinem Dienstantritt 2014 (MÄNNER-Archiv) mit Hinweis auf die Trennung von Staat und Kirche abhängen. Auch wenn seine Partei „Deine Bewegung“ (Twoj Ruch, TR) bei den letzten Wahlen den Wiedereinzug in den Sejm knapp verpasste, wünschen sich viele, dass Robert Biedroń sich bei den nächsten Wahlen als unabhängiger Präsidentschaftskandidat aufstellen lässt.

Foto: Imago/Eastnews


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