PRB party s candidate to Rio de Janeiro s mayoralty Marcelo Crivella waves after casting his vote fo

Rio hat einen homophoben Bürgermeister

Der Kreationist Marcelo Crivella gewann im Oktober die Stichwahl in Rio de Janeiro

UPDATE (2.1.2017) Am Sonntag, den 1. Januar wurde der neue Bürgermeister von Rio eingeschworen. Mit dem Evangelikalen Marcelo Crivella übernimmt ein Erzkonservativer die Regierungsgeschäfte in einer der liberalsten Städte Südamerikas. Zur Entstehung von Homosexualität hat er eine sehr eigenwillige Theorie: Schuld könnten Traumata sein, die man im Mutterleib erfährt, etwa als Resultat einer erfolglosen Abtreibung.

Rio de Janeiro, die zweitgrößte Stadt Brasiliens, bekannt für den Karneval und ihre große Parade zum Gay Pride, bekommt einen neuen Bürgermeister: Marcelo Crivella hat eine Vergangenheit als Gospelsänger und evangelikaler Pfarrer, der sich als Kreationist bezeichnet: d.h. er glaubt nicht an die Evolutionstheorie, sondern daran, dass der Mensch, das Leben, überhaupt: das ganze Universum durch den unmittelbaren Eingriff eines Schöpfergottes entstanden sind.

Homosexualität hat in einer solchen Weltsicht natürlich keinen Platz: Der 59-Jährige schrieb einst, dass Schwule die Opfer von etwas furchtbar Bösem seien. So steht es in einem Buch, das er 1999 veröffentlich hat. Crivella hat auch schon Katholiken als „dämonisch“ bezeichnet – und das im katholischen Brasilien – und behauptet, dass Hindus  das Blut von Kindern trinken. (Bei den Olympischen Spielen von Rio haben LGBTI-Athleten ordentlich gepunktet – MÄNNER-Archiv)

Deutlicher Sieg mit 60 %

Im Wahlkampf distanzierte sich Crivella von diesen Äußerungen. Dem vorläufigen Endergebnis zufolge setzte sich Senator Crivella bei der Stichwahl Ende Oktober gegen den linken Gegenkandidaten Marcelo Freixo deutlich durch. Nach Auszählung von 99 Prozent der gültigen Stimmen lag Crivella mit 59,4 Prozent vor Freixo, der auf 40,6 Prozent kam. Crivella löst damit Eduardo Paes von der konservativen Regierungspartei PMDB ab, der Rio acht Jahre lang regierte.

Crivella gehört einer Kirche an, die mit Drogenhandel und Geldwäsche in Verbindung gebracht wird

Crivella gehört der Igreja Universal do Reino de Deus („Universalkirche des Königreichs Gottes“) an, die sein Onkel Edir Macedo einst gründete, der nach einem Bericht der Konrad-Adenauer-Stiftung wegen Drogenhandel und Geldwäsche, sondern insbesondere auch wegen persönlicher Bereicherung auf Kosten der Ärmsten massiv in der Kritik steht. Die Kirche arbeite „nach der Logik eines Wirtschaftsunternehmens, das seine Marktmacht unter anderem über zahlreiche Medienkanäle  kontinuierlich expandiert.“ Seit den 90er Jahren nimmt sie zunehmend Einfluss auf die kommunale und nationale Politik. So entstand 2005 aus den Reihen dieser Pfingstkirche die republikanische Partei PRB, der auch Crivella angehört. Der neue Bürgermeister hat angekündigt, hart gegen das organisierte Verbrechen in Rio vorzugehen. Ob er versuchen wird, die Zeit zurückzudrehen und Stimung gegen die Öffnung der Ehe macht, die in Brasilien seit gut drei Jahren gilt, bleibt abzuwarten.

Titelbild: IMAGO/Agencia EFE


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