loving gay male couple on their wedding day.

Ein bisschen Segen

Zwischen Homopaaren und Heteropaaren wird aber in Sachsen weiter streng unterschieden

UPDATE (14.11.12016) Der evangelische Landesbischof Sachsens Carsten Rentzing bleibt bei seinem Nein zur Segnung von schwulen und lesbischen Paare –obwohl die Kirchenleitung vor fast genau einem Monat beschlossen hat, sich für Homopaare vorsichtig zu öffnen. „In unserer Mitte ist wohlbekannt, wie ich persönlich zu dieser Frage stehe”, sagte Bischof Rentzing am Samstag in Dresden vor der Herbstsynode. „Ich kann und ich werde selbst weder zu öffentlichen Segnungen raten noch sie selbst durchführen.” Allerdings gebe er die Gewissen der Geistlichen frei, „die an dieser Stelle zu einer anderen Überzeugung gelangt sind”.

Und sie bewegt sich doch, die sächsische Landeskirche, und das Schöne: Sie bewegt sich sogar auf Homopaare zu. Die Leitung von Sachsens Landeskirche hat Anfang der Woche auf einer Sitzung in Dresden beschlossen, dass verpartnerten Paaren ab 2017 im Gottesdienst gesegnet werden dürfen, allerdings mit Einschränkungen: Pfarrer und Pfarrerinnen dürfen sich verweigern. Außerdem müssen sie sich vor jeder Segnung mit dem Kirchenvorstand beraten. Vor allem legt man aber Wert darauf, Verpartnerungen streng von Hochzeiten abzugrenzen.

„Die gottesdienstliche Segenshandlung versteht sich nicht als Trauung, sondern als Segnung von Paaren in Eingetragener Lebenspartnerschaft, von denen zumindest eine der Partnerinnen oder einer der Partner einer der Gliedkirchen der EKD angehört“, heißt es einer Handreichung der Kirche. „Die Segnung findet in einer Kirche als öffentlicher Gottesdienst statt. In Unterscheidung zur Trauung wird die Segnung in einem eigenen Register aktenkundig gemacht.“ Man will alles schön sauber getrennt halten.

Es gibt keinen gesamtkirchlichen Konsens hinsichtlich der Segnung Eingetragener Partnerschaften

Und dennoch ist es ein wichtiger Schritt. Denn, wie es in der Handreichung heißt, es gibt keinen „gesamtkirchlichen Konsens hinsichtlich der Segnung eingetragener Partnerschaften“ gebe – daher überlässt man die Entscheidung, ob Homo-Paare einen Segen bekommen können, letztlich den Pfarrern.

Man geht also mit diesem Schritt ein wenig auf die liberalen Kräfte zu. Pfingsten hat sich ein homofreundliches Forums für Gemeinschaft und Theologie gegründet. Laut Pfarrer und Forumssprecher Christoph Maier wirke die sächsische Landeskirche in der öffentlichen Wahrnehmung „zunehmend isoliert und regressiv.“ Auf einer Tagung Ende August wurde der innerkirchliche Umgang mit Homosexualität kritisiert. Gleichgeschlechtliche Geistliche dürfen in Sachsen nur dann gemeinsam im Pfarrhaus leben, wenn der örtliche Kirchenvorstand es genehmigt. (In Chemnitz wurde im vergangenen Jahr ein Kantor wegen seiner Homosexualität entlassen – MÄNNER-Archiv.), und Homopaaren soll auch nach der behutsamen Öffnung weiterhin nicht der selbe Traugottesdienst offenstehen wie heterosexuellen Paaren. Forumssprecher Maier rief dazu auf, in absehbarer Zeit Trauungen für homosexuelle Paare zu ermöglichen. Er sei sich „ziemlich sicher“, dass die Mehrheit der Basis das auch akzeptieren würde. In den Landeskirchen von Hessen-Nassau, Rheinland, Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz sowie der Nordkirche können Homopaare in den regulären Traugottesdiensten heiraten (MÄNNER-Archiv).

Die württembergische Landeskirche ist nun die letzte Kirche in der EKD, die weder eine Segnung noch eine Trauung gleichgeschlechtlicher Paare gestattet. Diese Petition will auch dort eine Öffnung erreichen.

Titelbild: Fotolia


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