Schweiz: Die Stiefkindadoption kommt

Ein Referendum, dass das verhindern wollte, findet nicht genügend Teilnehmer

Im Mai hatte der Nationalrat mit großer Mehrheit für ein neues Adoptionsrecht in der Schweiz votiert. (MÄNNER-Archiv) Am Donnerstag dieser Woche läuft die „Referendumsfrist” für das neue Schweizer Adoptionsrecht ab. Heißt: Wer bis dahin keinen vielstimmigen Einspruch erhoben hat, muss ab da den Mund halten. Und es sieht ganz danach aus, als würde es diesen Einspruch nicht geben. Denn Lisa Leisi vom Referendumskomitee, das unbedingt verhindern wollte, dass das Gesetz so durchgeht, muss gegenüber Medien sichtlich zerknirscht zugeben: „Ehrlicherweise muss ich sagen, dass praktisch keine Hoffnung mehr besteht, dass das Referendum zustande kommt.”Heißt: Von den 50000 nötigen Unterschriften, die für ein Referendum nötig gewesen wären, ist nicht mal ein Bruchteil zusammengekommen.

Es besteht keine Hoffnung mehr auf Diskriminierung

Wie viele Schweizer sich gegen die Stiefkindadoptin engagieren wollten, behält das Komitee für sich. Gibt seine Niederlage allerdings zu: „Ja, nach dem sieht es jetzt wirklich aus.” Pech gehabt. Die Niederlage war abzusehen, denn die Konservativen hatten dem Gesetz zwar bei seiner Entstehung im Parlament Steine in den Weg gelegt, wo sie konnten, hatten aber das Referendum aber, genau wie alle anderen großen Parteien, nicht unterstützt. Was Leisi schade findet: „Die allgemeine Toleranz, die man hat. Man sieht zu sehr die Rechte von Menschen und vielleicht zu wenig den Schutz der Kinder.” Das die mit Eltern, die nach einer Adoption ihnen gegenüber nicht nur Erziehungsrechte sondern auch jede Menge Fürsorge-Pflichten haben, vielleicht besser geschützt sind, als ohne, kommt ihr dabei wohl nicht in den Sinn. Wann genau das neue Adoptionsrecht in Kraft tritt, wird der Bundesrat nach Donnerstag entscheiden. Es wird bald sein.

Nächster Stopp: Eheöffnung

Die Bürgerlich-Demokratische Partei Schweiz (BDP), eine der treibenden Kräfte hinter dem neuen Gesetz, freut sich sehr über das Scheitern des Referendums und lässt wissen: „Der heutige Tag ist ein Sieg für die Liebe und rückt die Schweiz langsam ins 21. Jahrhundert. Für die BDP war immer das Kindeswohl im Vordergrund und mit dem heutigen Tag wird eine grosse Ungleichheit ausgetilgt.
Der Kampf für die Gleichstellung von Homosexuellen geht für die BDP aber weiter. Mit dem Scheitern des Referendums gegen die Stiefkindadoption ist ein weiterer Sieg zu verzeichnen für die LGBTs und für eine offene Schweiz. Die völlige Gleichstellung ist noch lange nicht erreicht und weitere Etappen warten auf uns. Die Ehe für alle steht vor der Haustür und für die BDP ist eines klar: Nur gemeinsam kann dieses Anliegen durchgebracht werden.”

Bild: Fotolia/Monkey Buisness


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