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Verfolgt als Schwuler und „Halbjude”

Bochum erinnert an Wilhelm Hünnebeck

Der Bismarckturm ist ein Wahrzeichen Bochums: Im denkmalgeschützten Stadtpark ragt er 33 Meter in die Höhe – ein besonderes bauliches Erbe, das Bochum der Familie Hünnebeck verdankt. Vater Otto war Initiator für die Errichtung des Bismarckturmes. Seine Frau Agnes konvertierte für ihn mit der Heirat vom jüdischen zum christlichen Glauben. Sohn Wilhelm, eines von vier Kindern, war in der Weimarer erfolgreich als Rechtsanwalt und Notar. In der NS-Zeit wurden ihm jedoch seine jüdischen Wurzeln und seine Homosexualität zum Verhängnis.

Als schwuler Mann denunziert

Vor Beginn der Nazi-Herrschaft war Wilhelm Hünnebeck ein angesehener Bochumer Bürger: Wie sein Vater engagierte er sich in der Bochumer Politik und wurde 1918 Mitglied der Deutschen Volkspartei, ab 1928 wurde er deren Vorsitzender im Stadtbezirk Rathaus. Er war ebenso wie der Vater im Bochumer Bürgerschützenverein aktiv und wurde 1929 Schützenkönig. Doch wegen seiner jüdischen Mutter wurde ihm die Ausübung des Notariats untersagt.

Dass er schwul war, musste er verstecken. Doch er wurde denunziert. Zwei Männer zeigten ihn an, weil er sie sexuell belästigt habe. Hünnebeck wurde daraufhin im August 1940 in Dresden, wo er sich in nervenärztlicher Behandlung befand, verhaftet und inhaftiert.

Hünnebeck

Seine Arbeit durfte er von 1940 bis 1942 nicht ausüben. Er kam drei Monate in Haft, zudem wurde ihm sein Doktor-Titel aberkannt. Nach dem Krieg heiratete er, offenbar um einen gesellschaftlichen Neuanfang zu beginnen. (Nach dem Krieg war kein Gedenken an die schwulen Opfer der Nazis möglich, weil sie komplett aus der Verfolgtengruppe ausgeschlossen wurden – MÄNNER-Archiv)

Erneute Verurteilung wegen „gleichgeschlechtlicher Unzucht”

Doch mit dem Untergang des Nazi-Reiches endete die strafrechtliche Verfolgung für Wilhelm Hünnebeck nicht. Als er erneut seine Zulassung als Anwalt beantragte, wurde bekannt, dass er 1940 rechtskräftig nach 175 StGB verurteilt worden war. Daraufhin wurde er 1956 erneut wegen „Gleichgeschlechtlicher Unzucht” zu neun Monaten Haft und einer Geldstrafe von 500 DM verurteilt. Er verließ Berlin und begann ein neues Leben in Hamburg, wo er bis zu seinem Tod am 4. September 1976 lebte. (So plant Justizminister Maas, die Opfer des §175 zu entschädigen – MÄNNER-Archiv)

Anlässlich seines 40. Todestages erinnert morgen ein Pressegespräch im Stadtarchiv an die Familie.

Fotos: Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte/Klartext-Verlag Essen


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