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Die queere Community muss mitarbeiten!

Die Schwusos heißen jetzt SPDqueer. Der langjährige Bundesvorsitzende Dittmar will 2017 in den Bundestag

Aus der „AG Lesben und Schwulen in der SPD (Schwusos)“ wird die „AG Akzeptanz und Gleichstellung“. Die neue Kurzform der AG lautet „SPDqueer“. Den Bundesvorsitz übernimmt mit der Berlinerin Petra Nowacki erstmals eine Frau. Der bisherige Chef, der Hesse Ansgar Dittmar, ist nicht angetreten. Wir sprachen am Montag mit ihm, einen Tag nach der Bundeskonferenz.

Herr Dittmar, sind Sie am Tag danach eher erleichtert oder wehmütig?

Beides. Die Schwusos sind ein Teil von mir, auch der Erfolg der Schwusos sind ein Teil von mir. Insofern gebe ich auch einen Teil von mir selber ab. Aber ich will mich ja anderen Aufgaben widmen und jetzt ist auch die richtige Zeit, es jemand anderem zu übergeben. Und wir haben alle Baustellen, die wir intern hatten, erledigt, sodass der neue Vorstand ohne Hypotheke starten kann.

Zu den Baustellen gehörte die Umbenennung in SPDqueer?

Zum Beispiel ja, die ist ja auch sehr heftig diskutiert worden bei uns. Zwei Jahr lang haben wir intern diskutiert und sind zu einer guten Lösung gekommen. Es gab unterschiedliche Namen zur Auswahl und „SPDqueer“ hatte die Mehrheit. Der Name sollte eben inklusiv sein.

Was gab es denn noch als Alternative?

Es gab so viele verschiedene Vorschläge! Wir haben eine europäische Dachorganisation, die heißt Rainbow Rose, weil die Rose ja ein Zeichen der sozialdemokratischen Partei ist – daher war eine Alternative der Name „RegenbogenSPD“. Zwischen den beiden lief zum Schluss auch die Entscheidung. Jetzt muss noch der Parteivorstand zustimmen, aber da sehe ich keine Probleme.

Wie männerdominiert ist Ihre Arbeitsgemeinschaft?

Wir sind deutlich vielfältiger und bunter geworden: Wir haben im neuen Bundesvorstand auch Trans*personen und bisexuelle Vertreter. Ansonsten ist die Aufteilung eine gute Mischung zwischen Männern und Frauen. Auf der Arbeitsebene, also in den Ländern, haben wir immer noch einen deutlich höheren Männeranteil.

Was war Ihr wichtigster Erfolg in den achteinhalb Jahren als Bundesvorsitzender?

Definitiv, dass wir AG geworden sind. Im Dezember 2011 haben wir uns auf dem Bundesparteitag mit einer knappen Mehrheit durchgesetzt – das war der größte Erfolg. Wir haben lange nur neben der Partei gestanden. Als ich das Amt übernommen habe, hatten wir vielfach keinen Zugang zur Parteiinfrastruktur, und das haben wir alles stark professionalisiert, auch in der Außenwirkung bei den CSDs etwa. Es heißt immer, die Parteispitze war dagegen. Ja stimmt, aber nicht weil sie etwas gegen die Schwusos hatte, sondern vor allem deswegen, weil sie von der Organisationstruktur weniger statt mehr AGs wollte. Es sind dann aber in unserem Windschatten noch zwei weitere AGs aufgenommen worden: Migration & Vielfalt und Menschen mit Behinderung, SelbstAktiv. Wir waren da Vorreiter.

Sie haben gesagt, in der queeren Community betrachte man die SPD „als Bettvorleger der Union“. Ist der Vorwurf berechtigt?

Leider nein. „Leider“, weil die gute Arbeit der SPD auf Bundesebene oft nicht gesehen wird. Es ist ein sensationeller Erfolg, dass es jetzt endlich den Gesetzesentwurf zur Entschädigung der Verurteilten nach §175 geben soll (MÄNNER-Archiv). Das sind wir den Opfern schuldig, und es hat viel zu lange gedauert. Aber es kommt jetzt. Man haut uns immer um die Ohren, dass die Ehe für alle nicht gekommen ist. Aber: Mit 25,7 % Stimmenanteil kannst Du in Koalitionsvereinbarungen nicht alles umsetzen mit einer starken Union, die versucht ihren konservativen Kern zu bewahren. Jetzt gibt es noch die letzte Bastion – und die will die Union nicht preisgeben. Ich glaube aber, dass wir das noch in dieser Legislaturperiode hinkriegen.

Sie glauben tatsächlich, bis zur Wahl im September tut sich noch was in Sachen Öffnung der Ehe?

Ja, das glaube ich. Ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben. Ich weiß, dass die SPD-Mitglieder des Bundestages auf unserer Linie sind und das Thema nicht aufgegeben haben. Und je näher wir an den Wahltag herankommen, umso einfacher wird es für den einen oder die andere in einer Abstimmung sein, eher seinem Gewissen oder seinem Herzen zu folgen, als sich von einem Koalitionspartner gängeln zu lassen. Wobei, auch da bewegt sich was: In den Großstädten ist Vater-Mutter-Kind keine Lebensrealität mehr – das haben auch Teile der CDU verstanden (etwa der Großstadtbeauftragte Kai Wegner – MÄNNER-Archiv). Man muss doch Antworten auf eine vorhandene Lebensrealität finden – nicht auf eine Wunschvorstellung, die noch aus den 50er Jahren stammt.

Wir werden an der Stelle noch bis zum letzten Parlamentstag verhandeln

Im Moment treibt die AfD in dieser Frage die Union vor sich hier. Und es ist die Frage, wer sich in der Union durchsetzt – die CDU oder die CSU, die populistische Positionen in die Koalition hineinträgt. Das muss die Union jetzt entscheiden. Da hätte ich mir übrigens immer gewünscht, dass die LSU etwas stärker wäre – wenn die mal so stark wären wie die  Schwusos in der SPD und deren Stimme so gut gehört werden würde wie die unsere. Dann wären wir an der Stelle schon weiter. Aber fest steht: Wir werden an der Stelle noch bis zum letzten Parlamentstag verhandeln, wir haben noch bis zum 2. Quartal 2017 Zeit, das umzusetzen – das sehe ich noch Chancen.

Teil 2: Dittmar will 2017 in den Bundestag


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