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Die sozialen Hetzwerke

Der Wochenkommentar - immer samstags um 10 Uhr

Immer samstags veröffentlicht MÄNNER um 10 Uhr einen Wochenkommentar, verfasst von wechselnden Autoren. Zum festen Stamm gehören Axel Hochrein (LSVD-Vorstand), Stefan Mielchen (Erster Vorsitzender von Hamburg Pride) sowie Jan Feddersen (taz)

Mein Vater pflegte, als er noch lebte, sich mit Daumen und Zeigefinger an der Nase zu reiben, wenn er fand, dass jemand allzu selbstgerecht über andere urteilte. Jeder möge sich an die eigene Nase fassen, sollte das heißen und bei sich selbst anfangen. Ich glaube, es ist Zeit, Teilen unserer großen Familie, der LGBTI-Gemeinde, genau dies zu empfehlen.

Hasskommentare

Auch Sat.1 hat das Thema Maurice Kahle aufgegriffen (Grafik: Sat.1)

Nicht erst seit dem Fall Maurice Kahle (MÄNNER-Archiv) ist uns bewusst, wie viel in den Sozialen Netzwerken gehetzt und gehasst wird. Dieses Ausmaß, das die Aktivisten von Enough is Enough ins Bewusstsein gebracht haben und gegen das sie ankämpfen, ist erschreckend. Die Kommentare sind widerlich und respektlos und gehören geahndet. Was man bei Facebook oder YouTube bisher dagegen unternimmt, reicht nicht aus.

Messen mit zweierlei Maß 

Wer sich in Sozialen Netzwerken asozial verhält, muss mit Konsequenzen rechnen. Facebook ist doch sonst ganz groß darin, Profile zu sperren, wenn mal eine Brustwarze zu viel im Bild ist. Warum sperrt man Hetzer und Hasser nicht dauerhaft, wo sie doch ganz klar gegen die ehrenwerten selbstgesetzten Standards verstoßen? Dieses Messen mit zweierlei Maß ist es obendrein, das die Angelegenheit so ärgerlich macht.

Mike pence

Pence (links) und Trump auf dem Parteitag

Mit zweierlei Maß messen aber auch die User. Immer wieder kommt es vor, dass Teile unserer Community in denselben Netzwerken auf andere losgehen, weil sie die falsche Meinung haben, die vermeintlich falsche Partei wählen. Da ist beispielsweise dieses schwule Pärchen, das vor zwei Wochen in Cincinnati auf einer US-Wahlkampfveranstaltung der Republikaner erst gesichtet und dann interviewt wurde und das sich als Trump-Wähler outete. (MÄNNER-Archiv) Dass der Kandidat nicht als größter Förderer der LGBTI-Community gilt, ist bekannt.

Nehmt ihnen die Gay Card weg!

Donald Trump ist ein Großmaul und Grabscher. Sein Wunsch-Vize Mike Pence hat sich wiederholt homofeindlich geäußert und als Gouverneur von Indiana entsprechend Politik gemacht. Natürlich wundert man sich, wenn ein schwuler Mann ein solches Gespann unterstützt, dem Homorechte so offenkundig egal sind – einer der beiden Männer gab zu Protokoll, dass er glaube, Trump würde neue Jobs schaffen. Aber ihn und seinen Verlobten als Hinterwäldler und Idioten beschimpfen, ihnen die  „Gay Card“ entziehen wollen, wie es in einem Kommentar bei Facebook hieß (im Fall des schwulen PayPal-Gründers Peter Thiel, der Trumps Wahlkampf mit finanziert, wurde in einem Kommentar für The Advocate gefordert, ihn deswegen nicht mehr als schwul anzuerkennen)  oder sie davor warnen das Haus zu verlassen und auffordern, Chlorreiniger zu trinken?

Mit Hass kommen wir nicht weiter

Wie viel Hass steckt hinter solchen Äußerungen? Nehmen wir an, dass sich dieser Hass aufgestaut hat bei Menschen, die Diskriminierung erfahren haben, die frustriert sind darüber, dass nicht endlich mal alle aufhören, gegen Homorechte zu stänkern oder sie aktiv zu bekämpfen und dass die Welt nicht einfach mal akzeptiert, dass homosexuell liebende Menschen gleichwertig sind und verdammt nochmal endlich in allen Bereichen gleichzustellen sind. Verstehe ich sehr gut. Aber mit Hass kommen wir nicht weiter. Dieser Hass auf Menschen, die uns hassen oder uns jedenfalls benachteiligen wollen, ist übrigens auch kein besserer Hass, nur weil man vielleicht glaubt, moralisch überlegen zu sein. Man ist es spätestens dann nicht mehr,  wenn man andere auffordert, Chlorreiniger zu trinken.

Teil 2: Die schwule Meinungspolizei 


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