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Viel mehr Hassgewalt nach Brexit-Votum

Homo- und transphobe Angriffe in Großbritannien um 147 % gestiegen

Die Abstimmung über den Brexit ist jetzt dreieineinhalb Monate her (wie schwule binationale Paare in Großbritannien darüber denken – MÄNNER-Archiv). Seit dem 23. Juni haben homophobe Angriffe in Großbritannien stark zugenommen, laut LGBTI-AntiGewalt-Projekt Galop um 147 %, verglichen mit demselben Zeitraum im Vorjahr. Die Unterstützung von Galop wurden von 187 Menschen wegen LGBTI-feindlicher Übergriffe in Anspruch genommen.

Hassgewalt

Foto: Lisa F. Young/shutterstock.com

Ohnehin hat nach Polizeiangaben die Zahl der Hassverbrechen gegen ethnische Minderheiten seit Juli stark zugenommen. Über 3.000 Fälle von Hasskriminalität wurden der Polizei gemeldet, hauptsächlich wegen Beleidigung oder Bedrohung – in der Woche vor und nach der Brexit-Abstimmung gab es sogar einen Anstieg um 42 %.

Die höchste Gefängnisstrafe für Angriffe auf Schwule, Trans*Menschen oder Behinderte liegt bei sechs Monaten

Heute wird das Innenministerium eine aktuelle Kriminalstatistik bis April 2016 vorlegen; es sollen aber auch schon Zahlen veröffentlicht werden, was den Anstieg der Verbrechen nach dem Brexit-Votum betrifft. (Der offen schwule Fußballspieler Robbie Rogers über homophobe Ausfälle auf dem Spiefeld – MÄNNER-Archiv)

Wie Nik Noone von Galop gegenüber dem Guardian sagte, sind die britischen Maßnahmen gegen Hassverbrechen „die besten in der Welt, aber unsere Gesetze sind alles andere als perfekt.“ Die höchste Gefängnisstrafe für Angriffe auf Schwule, Trans*Menschen oder Behinderte liege bei sechs Monaten – das sei gerade mal ein Viertel der Strafe, die bei rassisistisch oder religiös motivierten Übegrriffen verhängt werden. Dieses Missverhältnis müsse der Gesetzgeber beseitigen.

Hierarchie der unterschiedlichen Formen von Hasskriminalität

David Isaac, Vorsitzender der Menschenrechtsorganisation Equality and Human Rights Commission, spricht von einer „Hierarchie“ der unterschiedlichen Formen von Hasskriminalität. „Das vermittelt die Botschaft, dass einige Gruppe mehr Wert sind, geschützt zu werden als andere. Das untergräbt das Vertrauen der Opfer in Recht und Gesetz und mag auch dazu beitragen, dass einige Communitys Übergriffe gar nicht erst melden.“

In einer Galop-Umfrage sagten 4 von 5 queeren Menschen, dass sie Hassgewalt erlebt hätten. Allerdings sei nur jeder Vierte zur Polizei gegangen. Darum sei davon auszugehen, dass die Statistik von Polizei und Regierung lückenhaft sei.

Ein Regierungssprecher sagte laut Guardian: “In einem Großbritannien, das sich für jeden einsetzt, wird Hass gegen Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung nicht toleriert. […] Es muss mehr getan werden. Die Regierung hat im Juli einen Aktionsplan gegen Hasskriminalität veröffentlicht, der die Staatsanwaltschaft ermutigt, härtere Strafe für jede Form von Hassgewalt zu verhängen, auch gegen jene, die sich gegen die LGBTI-Community richtet.“

Titelbild: Shutterstock


5 Kommentare

  1. Piet Wehmann

    Es gibt für viele sicher einen Grund dafür nicht zur Polizei zu gehen. Wer möchte gerne noch zusätzlich verhöhnt oder als ’selber Schuld‘ belächelt werden?

  2. Piet Wehmann

    Es gibt für viele sicher einen Grund dafür nicht zur Polizei zu gehen. Wer möchte gerne noch zusätzlich verhöhnt oder als ’selber Schuld‘ belächelt werden?

  3. René Aberer

    vermutlich machen diejenigen so eine erfahrung,denen man es schon von 10 km entfernung ansieht dass sie vom anderen ufer sind.ist selbstverständlich trotzdem unmöglich


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