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Alpenliebe beim Wilden Kaiser

In Tirol haben sich Andreas Salvenmoser und Martin Schipflinger den Traum vom eigenen Gasthaus erfüllt

In Tirol haben sich Andreas Salvenmoser und Martin Schipflinger den Traum vom eigenen Gasthaus erfüllt. Der Jägerwirt in Scheffau am Wilden Kaiser ist ein charmantes Heim in grandioser Bergkulisse

Text und Fotos: Helge Bendl

Superlative sind gefährlich wie ein Bumerang: Wenn man sie nicht mit Bedacht wählt, schlagen sie zurück und treffen einen am Ende ziemlich schmerzhaft. Zu behaupten, die Alpen seien im Kaisergebirge von Tirol am schönsten, birgt also ein gewisses Risiko. Bei Andreas (33) und Martin (35) findet man aber sofort Verbündete. „Die Berge, die Luft, die Landschaft: Wenn man morgens den Vorhang aufzieht und ins Tal blickt, kann man eigentlich nur ganz laut Danke sagen. Bei uns schaut’s einfach schön aus wie im Bilderbuch.“

Wilder Kaiser

Spaß bei der Arbeit: Andreas Salvenmoser

Das schwule Paar lebt im Örtchen Scheffau am Wilden Kaiser, auf halber Strecke zwischen Kufstein und Kitzbühel. Andreas Salvenmoser hat viele Jahre als Koch gearbeitet, Martin Schipflinger als Kellner und Barkeeper. Beide wollten aber nicht ihr Leben lang für andere rackern, sondern eines Tages selbstständig sein. Im Jägerwirt, einem Gasthof mit angeschlossener kleiner Pension inmitten der idyllischen Landschaft der Tiroler Alpen, erfüllen sie sich nun ihren Traum – und sind dabei schon fünf Jahre nach dem Start ziemlich erfolgreich. Gerade haben sie ihren Pachtvertrag vorab bis ins Jahr 2025 verlängert.

Wir machen alles frisch

Andreas Salvenmoser werkelt in der Küche ohne Geschmacksverstärker oder Fertigprodukte – seine authentische regionale Küche beschert ihm inzwischen eine loyale Anhängerschaft. Da köchelt die Rindssuppe schon mal einen ganzen Tag, bis sie am Abend richtig schmeckt. Die Fritteuse hat der begeisterte Koch längst rausgeworfen – dass Schnitzel in der Pfanne gebraten werden, ist Ehrensache. Sein Roggen-Dinkel-Brot backt er selbst im Holzofen, der Honig kommt vom Nachbarn. Im Sommer bringen ihm Bauern frische Beeren, im Herbst von Hand gesammelte Pilze: „Wir machen alles frisch.“

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Im Restaurant ist Martin Schipflinger das Mädchen für alles. Zwar helfen ihm nun 14 Mitarbeiter im Service und im „Genussladl“ für regionale Spezialitäten. Aber einer muss den Takt vorgeben, und das ist er: „Ich will, dass sich die Leute hier wohlfühlen. Deswegen legen wir nicht nur Wert auf eine schöne Deko, sondern auch auf einen herzlichen Umgang.“ Anders als in den Schicki-Micki-Restaurants der Region gibt es keinen Dresscode. „Natürlich putzen sich Gäste heraus, wenn ein Besuch bei uns für sie etwas Besonderes ist. Doch ich bin stolz darauf, dass uns auch die Leute aus dem Ort die Treue halten. Selbst wer nach einem langen Wandertag hier mit seinen Bergklamotten reinspaziert, ist willkommen.“ Die Hausherren tragen als Lokalpatrioten übrigens fast immer Stiefel, Lederhose und Weste – die Tracht schaut nicht nur gut aus, sondern ist auch bequem.

Wilder Kaiser

Früher war der Jägerwirt genau das, was bereits sein Name verspricht: ein recht rustikaler Ort, mehr Jausenstation und Kneipe als Restaurant. Jagdgesellschaften lieferten die Trophäen für die Wände und kehrten regelmäßig hier ein, auch so manche Taufe und mancher Dorfgeburtstag wurde an den Holztischen gefeiert. Dann sperrte der Wirt seinen Laden zu – zwölf Jahre lang passierte nichts. Bis ein Investor das Haus renovierte, den verrauchten Stammtisch rausschmiss, und die Zimmer wieder auf Vordermann brachte. Nun gibt es hier Böden aus geölter Eiche und Betten aus Zirbenholz. Moderne Deko trifft auf Retro-Optik und so manches Schmankerl wie ein Alpenliebe-Kissen mit küssenden Hirschen.

Dass man in der Stadt liberaler ist als auf dem Land, ist vielleicht ein Vorurteil

„Der 84-jährige Vorbesitzer lebt noch im Haus: Für uns ist er wie ein Opa. Er freut sich, dass wieder Leben in der Bude ist“, erzählt Martin Schipflinger. Als mal jemand mal eine komische Bemerkung machte, dass es doch seltsam sei, wenn nun zwei schwule Jungs die Wirtschaft führten, verteidigte er seine Nachfolger. Doch das war das einzige Mal, dass die beiden mit Vorurteilen zu kämpfen hatten – auch die Jäger und die Feuerwehr kommen zum Einkehren. Dass man in der Stadt liberaler ist als auf dem Land, ist vielleicht ein Vorurteil.

„Ich bin im Dorf aufgewachsen: Hier kennt mich jeder, und ich kenne jeden“, kommentiert Andreas Salvenmoser. „Dass wir schwul sind, ist kein Thema – die Leute wissen es und machen kein Aufhebens darum.“

Mehr Geschichten zum Thema „Ich bin mein eigener Boss“ stehen in MÄNNER 10.2016

www.jaegerwirt-scheffau.at

 


37 Kommentare

  1. Kevin Montany-Jung

    >genau so muss es sein, dass, wenn jemand weiss das ein anderer schwul mit seinem freund lebt, sollte es kein thema sein und keiner ein aufheben davon machen, genauso wenig , wenn jemand heterosexuell lebt=?!= oder=?!<


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