S.s.

90 Millionen Klicks für Hassvideos

Justizminister Maas mahnt Soziale Netzwerke, schneller und stärker gegen Hasskommentare vorzugehen

329 gewalttätige Videos auf beliebten Seiten wie YouTube oder auch weniger bekannten Portalen wie World Star Hip Hop oder Fly Height hat die US-Menschenrechtsgruppe Witness gezählt, in denen queere Menschen verprügelt werden – Videos, die als Unterhaltung angekündigt und gekennzeichnet werden und mit dem Suchbegriff „tranny fight“ aufzufinden sind.

Tranny-Bashing ist ne gute Sache

Wie die Aktivisten in ihrem „Capturing Hate“-Report zeigen, wurden die Filme, die meist Augenzeugenvideos sind und mit Handy gefilmt wurden, zusammen fast 90 Millionen mal geklickt, 600.000 mal geteilt und über 200.000 mal kommentiert. Etwa so: „Trannies sind zurückgeblieben“, „Tranny-Bashing ist ne gute Sache“ „Fuck LGBT“ oder auch einfach oft: „haha“. Wobei es durchaus auch Kommentare von Usern gibt, die die Menschenfeindlichkeit der Videos kritisieren und die der Kommentatoren, die sie feiern. Aber die homophoben, transphoben und rassistischen Äußerungen überwiegen, heißt es in dem Report.

Die Videos zeigen etwa, wie eine Transfrau bei McDonald’s verprügelt wird, andere werden Opfer eines Angriffs in einer Pizzaria oder in einem Zug.

Wir unterstützen keine Inhalte, die Gewalt gegen Einzelpersonen oder Gruppen aufgrund von  sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität fördern bzw. billigen

Ein Großteil der Videos – 64 % – wurde bei YouTube gefunden. Sie sind doch seit Jahren zu finden, ebenso wie die hetzerischen Kommentare. Dabei erklärt das Unternehmen in seinen sogenannten Communityguidelines:

„Wir unterstützen allerdings keine Inhalte, die Gewalt gegen Einzelpersonen oder Gruppen aufgrund von ethnischer Zugehörigkeit, Religion, Behinderung, Geschlecht, Alter, Nationalität, Veteranenstatus oder sexueller Orientierung / geschlechtlicher Identität fördern bzw. billigen, oder Inhalte, deren Ziel hauptsächlich darin besteht, Hass in Zusammenhang mit diesen Eigenschaften zu animieren.“ Leere Worte?

Insgesamt löschen Unternehmen wie YouTube Hass-Kommentare noch immer viel zu wenig und zu langsam

Insgesamt löschen die Unternehmen wie YouTube Hass-Kommentare und andere kritische Inhalte noch immer viel zu wenig und zu langsam, findet Justiziminster Heiko Maas. Im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland empfahl er jetzt den Betreibern Sozialer Netzwerke, Beschwerden ihrer Nutzer deutlich ernster nehmen. Sollte sich innerhalb der nächsten vier Monate nichts ändern, will er Twitter, YouTube, Facebook und andere stärker in die Pflicht nehmen.

Heiko Maas

Justizminister Heiko Maas (SPD)

Dazu auch unsere Umfrage der Woche:

Die Umfrage ist bereits beendet!Hier die Ergebnisse:

Was ist der richtige Umgang mit Hasskommentaren?

Tiefsitzende Vorurteile über Rasse, Geschlecht und geschlechtliche Identität

„Die Kommentare zu diesen Augenzeugenvideos offenbaren tiefsitzende Vorurteile, was Rasse Geschlecht und geschlechtliche Identität betrifft“, so die Organisation Witness. Zudem geben die User den Menschen, die ihrer Auffassung von Gendernormen widersprechen, noch die Schuld für die gewalttätigen Attacken gegen sie. Das Betrachten der Videos zum Vergnügen und die feindseligen Kommentaren dazu traumatisiere nicht nur die Opfer, sondern hätte auch für LGBTI-Community im ganzen Konseqzuenzen. Sie machten deutlich, wie stark die physische und emotionale Sicherheit von Menschen bedroht sei, die sich nicht der binären Geschlecherordnung Mann oder Frau zuordnen lassen.

Den Opfern ist ein sicherer Raum zur Heilung verwehrt

„Die Opfer haben keine Privatsphäre und keine Kontrolle über ihr öffentliches Image mehr, was erschwerend hinzukommt, wenn sie ihren Job, ihre Wohnung und vielleicht auf Freunde verloren haben,“ heißt im Witness-Bericht. „Durch die Verbreitung dieser traumatischen Ereignisse ist den Opfern ein sicherer Raum zur Heilung verwehrt und wirkt zudem abschreckend auf die Menschen, die nicht als genderkonform gelten.“

Ihren Bericht wollen die Aktivisten als Mahnung verstanden wissen, dass es einen dringenden und anhaltenden Bedarf gibt, Misshandlungen zu dokumentieren, damit Regeln und Gesetz geschaffen werden, um die Communitys dieser Menschen zu schützen.

Den vollständigen Bericht gibt’s hier zum Nachlesen: „Capturing Hate“.

Titelbild: Screenshot


0 Kommentare



Likes & Shares

Durch die fortgesetzte Nutzung der Website erklären Sie sich mit der Verwendung von Cookies einverstanden. mehr Info

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close