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Der einzig offen schwule Pokerstar

Jason Somerville hat in Turnieren schon 3,5 Millionen Dollar verdient. Und gewinnt seit 2012 auch privat.

Jason Somerville hat die Gaming-Community im Sturm erobert. Der Poker-Senkrechtstarter, der mehr als 3.500.000 $ in Live-Turnieren gewonnen hat, verfügt über fünf Millionen Zuschauer auf seinem Twitch Kanal, genau wie seine Twitter-Fanbase die von Tag zu Tag wächst. Er ist auch der erste und einzige männlicher Pokerspieler der offen zugibt schwul zu sein. In einem aufwendigen und innigen Blog-Post veröffentlichte der High Stakes Spieler sein lang gehütetes Geheimnis und schildert die emotionalen Belastung. Es war keine Entscheidung, die der Pokerspieler auf die leichte Schulter nahm. Der Gedanke damit an die Öffentlichkeit zu gehen, war eigentlich gar nicht geplant. Das änderte sich allerdingst zu dem Zeitpunkt als ihn sein Freund fragte, ob er ihn zu einem Turnier in der Karibik begleiten könne. Somerville wollte nicht einfach seinen Partner nur als einen „Freund“ präsentieren. „Ich wollte der Beziehung nicht Respektlosigkeit entgegenbringen“, erklärt er in einem Interview.

Du wirst dich nicht darauf konzentrieren Geld zu verdienen, du wirst darauf konzentrieren glücklich zu werden.

„Nach dem letzten World Series of Poker ging ich nach Hause und sagte mir: … Du wirst dich nicht darauf konzentrieren Geld zu verdienen, du wirst darauf konzentrieren glücklich zu werden. Ich war allein und verärgert. Ich nahm einfach die Tatsache hin, dass ich unglücklich war … Ich sagte mir, jetzt ist es genug.“ Für viele ist Somervilles Coming-Out-Geschichte einfach herzerwärmend. Es gibt keine physischen Anforderungen in einem Pokerspiel, strategische Analyse und psychologische Einsicht ist das, was einen an die Spitze bringt. Daher könnte man sich die Poker-Community als ein vielfältiges und einladendes Publikum vorstellen. Aber: Es scheint, dass sich aufgrund der Geschichte des Pokers, die Vorstellung eines „männlichen Ideals” nicht so leicht verändern lässt. Bekannte Profi-Pokerspieler gehen nicht gerade offen mit dem Thema um, denn offensichtliche nicht-hetero Männer scheinen im Poker nicht besonders beliebt zu sein. Dies ist ein Überbleibsel einer alten Mentalität, denn die weltliche Standardansicht besagt „nichts fragen und nichts sagen.“ Somervilles Beschreibung einer altmodischen Haltung gegenüber dem Thema verlangt nach mehr Aufklärung, denn trotzdem es hundert männlicher Profi-Spieler gibt, hat sich nur einer öffentlich geoutet hat.

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Das Konzept eines „Poker Face“, dass einen emotionslosen Spieler impliziert, hat einen Vorteil gegenüber jenen Spielern, die nicht in der Lage sind, ihre Gefühle zu verbergen und die in der weiteren Folge, Hinweise zu ihrem Blatt zugeben. Emotion ist gleich Schwäche am Kartentisch. „Homosexueller“ und „Schwuchtel“ sind Beleidigungen, die ständig über den Kartentisch geworfen werden, wie Poker Chips – ohne viel darüber nachzudenken, welchen Effekt die verwendete Sprache haben könnte. Typisch für eine hyper-maskulinen Kultur, in der es viele Alpha-Männchen gibt. In der Welt des Pokers bedeutet dies große Einsätze und die Menschen einzuschüchtern zu können. Auch die Casinos mit der heteronormativen Sexualisierung von Frauen sind damit verbunden. Neben jedem Casino in Las Vegas ist ein Strip-Club zu finden, Millionen-Dollar-Jackpot-Gewinne werden mit einem Bild eines Starlets dargestellt um sie zu promoten. Alles in allem ist die Umgebung für diejenigen Pokerspieler, die nicht dem „männlichen ideal“ entsprechen, nicht gerade entgegenkommend. In dieser heterozentrierten Umgebung, ist es interessant zu hören, welche Meinung Vanessa Selbst zu Diskriminierung Homosexueller in der professionellen Pokerwelt, vertritt. Die offensichtliche homosexuelle Pokerlegende ist berühmt für ihre Intelligenz und ihr androgynes Aussehen. Sie behauptet, ihre sexuelle Orientierung habe nie ein Problem in ihrer Karriere dargestellt. „Ich habe nie Vorurteile gegenüber meiner Homosexualität erfahren, aber sehr wohl dafür eine Frau zu sein“, sagt Vanessa Selbst. Vielleicht gerade weil sie als Poker-Profi ein sehr jungenhaftes Aussehen mitbringt, fühlt sie sich in den Kreisen wohl, in denen sie spielt, aber das macht sie trotzdem nicht immun gegen Sexismus. „… Manchmal werde ich nicht zu den Spielen eingeladen, weil die Männer nur unter sich sein wollen und dies wird mir explizit vermittelt und nicht immer indirekt über die Blume.“

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Nach altem Klischeedenken ist Poker ein Spiel in der Herren-Zigarren-Lounge, wo keine Frauen erlaubt sind. Gespielt wird Poker, ein traditionelles Männer Spiel, mit allem, was dies mit sich bringt – Whiskey trinken, über Frauen reden und gelegentliches Geplänkel. Im Falle der Spieler Dan Bilzerian und Jeff Gross, die das „kleine Geplänkel“ einmal mehr wegen einer extremen Prop-Bet für zu voll genommen haben. Die Proposition Bets der Las-Vegas-Pros wird immer absurder, wobei Bilzerian Gross $ 550.000 für ein LGBT Regenbogen-Tattoo auf dem Rücken bezahlt hat. In anderen Worten, hält Bilzerian eine Tätowierung in Form eines Regenbogens als „Strafe“ und für so erniedrigend, dass er $ 550.000 für eine Wette hingeblättert hat. Obwohl dies ohne  Zweifel als harmloser Spaß gedacht war, die Botschaft ist unumstritten; Bilzerian und Gross könnten sich nicht weniger um homosexuelle Rechte kümmern. Die LGBT-Bewegung ist nichts anderes als ein Gegenstand des Spottes für sie. Wegen Spielern wie Bilzerian und Gross werden homosexuelle Spieler sich zweimal überlegen, ob sie ihre sexuelle Orientierung enthüllen oder es doch lieber lassen.

Somerville bereut sein öffentliches Coming-Out nicht

Lächerlich oder nicht, Somerville bereut sein öffentliches Coming-Out nicht. Er spricht von seiner neugewonnen Freiheit und verrät, dass er auch eine Menge positives Feedback von der Pokerwelt und von der homosexuellen Gemeinschaft empfangen hat. Er beschreibt die Reaktionen der Menschen als „freundlich und hilfsbereit“ und geht sogar so weit, zu sagen, es war der beste Tag seines Lebens. „Ich habe die Entscheidung getroffen, weil ich dachte, es wäre das Beste was ich für mich tun konnte, vielleicht kann mein Coming-out-Prozess auch anderen helfen. Ich würde mich geehrt fühlen.“ sagt Somerville. Somerville ist zu einem Sprecher für homosexuellen Profi-Spieler geworden und erntet dafür überwiegend positive Resonanz. Dieses vielversprechende Zeichen lenkt die Poker-Community in die richtige Richtung. Können homosexuelle und transgender Spieler in Zukunft ihr Glück beim Online-Poker versuchen ohne dabei auf Vorurteile auf dem Kartentisch zu stoßen? Dieser Gedanke bezieht sich natürlich auch auf die Diskriminierungen während der Live-Spiele. „Poker sollte ein Spiel für jedermann sein, egal ob weiß, schwarz, christlich, jüdisch, weiblich, körperlich behindert, ein Ausländer oder sonst etwas“ so Somerville. Es wird Zeit, dass auch Poker sich in das 21. Jahrhundert bewegt.

Text und Fotos: Melissa Schultz


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