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Bildersturm mit Katze

Am Montag Abend feiert TEDDY-Gewinner "Kater" seine Deutschland-Premiere in Berlin

Als „Kater“ im Februar den TEDDY für den besten Spielfilm auf der Berlinale gewann (MÄNNER-Archiv), war kaum jemand überrascht, aber viele begeistert, denn das sinnliche Psychodrama ist nicht nur einer der besten schwulen, sondern schlicht einer der besten Filme 2016. Er erzählt folgende Geschichte: Andreas (Phillip Hochmair) und Stefan (Lukas Turtur)  haben ein glückliches Leben voller Leidenschaft. Gemeinsam mit ihrem geliebten Kater Moses bewohnen sie ein schönes altes Haus in den Weinbergen von Wien, sie arbeiten als Musiker und Disponent in demselben Orchester. Die Leidenschaft für die Musik, der große Kollegen- und Freundeskreis und ihr pelziger Gefährte prägen den Alltag der beiden Männer. Doch eines Morgens erschüttert ein unvorhergesehener Gewaltausbruch die harmonische Beziehung der beiden. Skepsis und Entfremdung bestimmen von diesem Zeitpunkt an den Beziehungsalltag und stellen eine nur schwer überwindbare Hürde dar. Während Stefan den Boden unter den Füßen verliert, ringt Andreas weiter mit seinem Misstrauen und um seine Liebe zu Stefan. Nach seinem preisgekrönten Debütfilm „März inszeniert Händl Klaus in seinem zweiten Werk die Vertreibung zweier Liebender aus dem Paradies. Mit viel Feingefühl für die männliche Seele und den blinden Fleck, den wir in uns tragen, erzählt diese musisch-poetische Ballade von der Fragilität der Liebe. Die Darsteller Philipp Hochmair und Lukas Turtur sind zwei Theatertiere, die mit ihrem naturalistischen Schauspiel zu beeindrucken wissen. m-maenner.de sprach mit Regisseur Klaus Händl, der als Händl Klaus inszeniert, über Katzen, Musik und nackte Emotionen.

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Klaus, wie hat sich angefühlt, im Februar den TEDDY für „Kater“ zu gewinnen?
Das war gleißendes Glück!

Wie lange hattest du da an dem Film und seinem Erfolg gearbeitet?
Die Idee zu „Kater“ hatte ich im August 2006, vor zehn Jahren. Da hatte ich die Dreharbeiten zu meinem ersten Film, „März“, abgeschlossen, ging mit meinem Kameramann über das Wiltener Platzl in Innsbruck und da schoss mir das durch den Kopf und ich habe ihm sofort davon erzählt.

Was war es denn, was Dir da durch den Kopf schoss? Worum geht es in „Kater“?
Es geht um die absolute Erschütterung eines Lebens innerhalb eines Augenblicks. Dargestellt durch ein einziges archaisches Bild: Einen nackten Mann, der etwas Bestimmtes tut. Was, können wir an dieser Stelle natürlich nicht verraten, Spoileralert!

Und was passierte dann?
Dann habe ich angefangen, den Bildersturm, den dieses erste Bild in meinem Kopf auslöste, aufzuschreiben, Szene für Szene. Und, ich glaube, ein Jahr später, habe ich Gerald Kerkletz, meinem Kameramann, der sehr stark dramaturgisch mitdenkt, das Buch erstmals gegeben.  Nachdem er es gelesen hatte, sagte er das denkwürdige Wort: „Schwierig!“ (lacht) Ob er damit das Drehen mit einer Katze meinte oder das ganze Buch, hat er nicht präzisiert.

War es denn schwierig mit der Katze?
Ja, natürlich. Ich hatte aber einen Vorteil: unermessliche Liebe zu dem Tier. Weil Toni, der im Film Moses heißt, ja mein eigener Kater ist. Ich habe meine Geduld mit ihm nie verloren und war immer in der Lage, dem Team zu erklären,  dass sie Geduld haben müssten, weil er so süß ist und das alles schon werden wird. Die wollten deswegen wahrscheinlich eher mich hauen als Toni. Aber es ging alles, wir hatten viel Drehzeit: Neuneinhalb Wochen für die Menschen und zwei Wochen allein für die Katze. Das ist bei einem Projekt dieser Größenordnung schon außergewöhnlich.

Wie lange hat es gedauert, bis du deine beiden Hauptdarsteller Lukas Turtur und Philipp Hochmair gefunden hattest?
Sehr lange. Jahre. Was auch damit zu tun hatte, dass ich das Buch erst  für eine konkrete Schauspielerin und einen konkreten Schauspieler geschrieben hatte. Ich hatte beide gesehen, in sehr aufregenden Rollen, und hatte auch von beiden Zusagen. Auch, was das nackt spielen anbelangt. Denn das ist ja ein wichtiger Teil der Erzählung, ohne das geht es nicht. Und dann sagte mir der Schauspieler doch ab, weil ihm die Dreharbeiten zu lang vorkamen. Da war ich erstmal aufgeschmissen, weil die Rollen ja für diese beiden Menschen geschrieben waren und in meinem Kopf sehr geprägt durch sie. Meine Musen standen mir im Weg. Also setzte ein endloser Castingprozess ein. Ich habe viele, viele Leute gesehen. Viele davon waren für sich allein genommen gut, aber nicht miteinander. Und das Thema Nacktheit vor der Kamera war oft auch ein Problem. Was traurig ist und lächerlich, in meinen Augen.

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Wann bist du auf die Idee gekommen, aus dem heterosexuellen ein homosexuelles Paar zu machen?
Die Eingebung hatte leider gar nicht ich. Mein Produzent, Antonin Svoboda, meinte am Ende eines langen Tages, „Denk doch dein Paar einmal gleichgeschlechtlich.“ Schon tragisch, dass mir das nicht selbst eingefallen ist, oder? Und es wird gleich noch komischer, denn meine erste Reaktion darauf war, „Wie jetzt? Zwei Frauen?“ Worüber du dich nicht wundern darfst: Ich hab ein riesiges Faible für Lesben. Garnicht sexuell, aber ich habe einige lesbische Paare in meinem Freundeskreis, die herrliche, ganz großartige Beziehungen führen, die ich sehr bewundere. Also war der Gedanke, damit zu arbeiten, erst einmal paradiesisch für mich. Aber, wir haben beim Lesen schnell gemerkt, dass das nicht funktioniert. Das wirkte bei diesem Stoff behauptet, unglaubwürdig. Also hab ich zwei Männer draus gemacht. Und das funktionierte, als ich es mit frischen Augen las, so gut, dass ich dachte „Wie konnte ich das überhaupt jemals anders machen wollen.“ Weil damit ja auch das klassische Frau/Mann-Gefälle gar nicht erst aufkommt. Es ist eben so schön natürlich, schwul zu leben.

Und dann hattest Du sofort Lukas und Philipp für die Rollen im Kopf?
Nein. Aber ich kannte beide schon lange. Philipp hatte ich vor zehn Jahren in einer Zadek-Produktion gesehen, wo ich ihn so gut fand, dass ich ihn am Bühneneingang abgepasst habe und ihm gesagt habe, wir müssten unbedingt miteinander arbeiten. Damals dachte ich an ein Theaterstück, was wir immer noch vorhaben, aber dann kam doch erstmal der Film. Und auch Lukas kannte ich aus dem Theater, in Bern, wo ein befreundeter Regisseur, Stefan Otteni, mit ihm gearbeitet hatte. Als ich verzweifelt dastand und nicht wusste, mit wem ich Philipp paaren könnte, meinte Stefan: „Warum versuchst du es nicht mal mit Lukas?“ Und ich dachte, „Ja, warum eigentlich nicht? Er hat etwas Feines, und dahinter liegt noch etwas anderes.“ Also bin ich zu ihm nach München gefahren und er hat mir in seiner Küche aus dem Drehbuch vorgelesen. Mir war wichtig, dass der weiche Ton erhalten bleibt, es war in einem warmen Österreichisch geschrieben. Und Lukas‘ Bayrisch hörte sich in diesem Zusammenhang richtig an.

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Wann wusstest du, dass die beiden dein Paar sind?
Wusste ich da noch nicht. Aber als Lukas und Philipp das erste Mal miteinander spielten, stimmte sofort die Chemie, es knisterte und fühlte sich richtig an, glaubwürdig als Paar, das sich durch und durch kannte. Aber wir brauchten ja auch diese große, körperliche Intimität. Also sind wir in der Zwischensaison in ein altes Hotel mit einer großen Sauna gefahren und waren einfach nackt miteinander, auch im angrenzenden Wald. Ich wollte wissen, ob das so selbstverständlich geht. Dann haben wir wieder und wieder das Drehbuch gelesen und auch besprochen, wie weit wir in der Darstellung gehen wollen und können. Unser großes Ziel war, die körperliche und sexuelle Intimität nicht auszustellen, sondern als etwas Alltägliches, etwas Beiläufiges mitzuerleben. Wir haben Filme gesucht und angesehen, die das taten, aber auch abschreckende Beispiele – damit die Schauspieler Zutrauen fassen und frei sein konnten, vor der Kamera.

Das hat offenbar funktioniert. Die Sexszenen in „Kater“ sind wunderbar, ohne jede Spur von Voyeurismus und sehr sinnlich.
Danke sehr, das freut mich, dass du das so siehst.

Lass uns noch kurz über Musik sprechen. Die spielt im Film ja eine große Rolle.
Ja, weil sie für die Figuren spricht und mit ihnen – und an etwas rühren kann, für das es keine Worte gibt.

Fotos: MissingFilms

Am Montag, dem 21.11., findet die Deutschlandpremiere von Kater, dem TEDDY AWARD Gewinner 2016, unter Anwesenheit von Autor und Regisseur Klaus Händl und der Hauptdarsteller im Kino International in Berlin statt.

Ab 24. November läuft der Film auch bundesweit in den Kinos


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