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Österreich: 1. Adoption durch Homopaar

Insgesamt standen im Vorjahr in Wien 40 Bewerber 17 zur Adoption freigegebenen Kindern gegenüber

Seit Beginn des Jahres gibt es in Österreich kein Adoptionsverbot mehr für homosexuelle Paare – wenn auch das Eheverbot bestehen bleibt (MÄNNER-Archiv), womit Österreich das einzige Land der Welt ist, in dem schwule Paare Kinder adoptieren, aber nicht heiraten dürfen.

Nun ist also in Niederösterreich das erste Kind von einem gleichgeschlechtlichen Paar adoptiert worden – und zwar bereits im Spätsommer, ihre Geschichte wurde aber erst jetzt bekannt. Zwei aus Wien stammende Männer sind die Eltern eines siebenjährigen Mädchens. Das Kind lebt bereits seit sechs Jahren als Pflegekind bei den beiden. Das Mädchen war damals sechs Wochen alt, als sie es aus dem Krankenhaus holten.

Viele Glücksgefühle

„Natürlich waren da sehr viele Glücksgefühle dabei“, sagte Vater Thomas gegenüber Radio Wien. „Allerdings war die Problematik bei gewissen Formularen, dass immer Vater und Mutter angeführt waren. Man hat dann lange überlegt, was man in unserem Fall da bei der Geburtsurkunde machen kann.“ Die Mitarbeiter der Behörde hätten sie gut unterstützt.

Wir können für alle Zeit die Familie bleiben, die wir bis jetzt gebildet haben

Im Gegensatz zur Pflegeelternschaft habe die bewilligte Adoption Sicherheit gebracht, weil der Hintergedanke einer Trennung nicht mehr gegeben war. Es bedeute nun, „dass wir für alle Zeit die Familie bleiben können, die wir bis jetzt gebildet haben“, sagte der Vater. (Deutsche Pflegeeltern wie diese haben diese Sicherheit nicht – MÄNNER-Archiv)

Diskriminierung oder komische Blicke kenne er nicht; die Leute seien von der Familie mit zwei Vätern „eher überrascht und neugierig.“

Wenn jemand Bedenken äußert, dass das Kind ohne Mutter aufwachse, entgegnet der Vater: „Es gibt ja eine leibliche Mutter. Wir haben einen guten Kontakt mit ihr aufgebaut und es wird sicher die Mutter eine wichtige Rolle spielen, etwa in der Pubertät. Außerdem gebe es in der Familie „sehr viele weibliche Bezugspersonen“.

Insgesamt standen im Vorjahr in Wien laut ORF 40 neue Adoptivwerber 17 zur Adoption freigegebenen Kindern gegenüber. Da es immer deutlich mehr Bewerber als Kinder gibt, beträgt die Wartezeit „zwischen drei und fünf Jahren“, erklärte Herta Staffa von der MA 11, wo die Eignung der Bewerber geprüft werde, dem Sender. Derzeit warteten in Wien „30 bis 50 Paare“ – der Großteil hetero – auf ein Adoptivkind.

Ist Österreich bereit für ein Adoptionsrecht für FPÖ-Mitglieder?

Im Januar 2015 hatte das Verfassungsgericht der Alpenrepublik das Adoptionsverbot für homosexuelle Paare gekippt. Die Begründung: Es gäbe keine sachliche Rechtfertigung für eine ausschließlich nach der sexuellen Orientierung ausgerichtete differenzierende Regelung. Dann folgte die rechtliche Umsetzung: Seit Januar dieses Jahres dürfen in Österreich auch eingetragene Lebenspartner Kinder adoptieren.

Die Gebrüder Moped, Österreichs bekannteste Satiriker,  bemerkten zu dem ganzen Vorgang schon im Januar: „Jetzt dürfen bei uns wirklich alle Kinder adoptieren? Auch Eltern, die nicht so normal sind? Ist Österreich denn schon bereit für ein Adoptionsrecht für FPÖ-Mitglieder? Man muss da ja auch an die Kinder denken, nicht wahr.” (Die Österreichische FPÖ ist in vielen Bereichen Vorbild für die AfD – MÄNNER-Archiv)

Titelbild Shutterstock/ Prazis


5 Kommentare

  1. Lukas Meyer

    Ich kann mich noch erinnern, wie man mich am Standesamt Berlin angemacht hat ob Österreich so rückständig sei weil sie noch immer keine „Gesetz für die Annerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften hatten.
    Mittlerweile ist Österreich bei Homosexuellenrechten Deutschland überholt. Ob die Standesbeamten in Berlin sich noch immer für so fortschrittlich halten?

  2. Lukas Meyer

    Das kotzt mich auch an. Mir wäre auch lieber, dass Deutschland weiterhin mit der „Ehe für alle“ über Österreich lachen würde als umgekehrt. Aber nun ist sogar das eher eher „rückständige“ Ôsterreich weiter und das sollte für Deutschland tu denken geben!


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