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Ehrung für Gerhard Hoffmann

Im Namen des Bundespräsidenten Joachim Gauck überreichte die Berliner Senatorin Dilek Kolat (SPD) heute das Bundesverdienstkreuz an den Aktivisten

Im Namen des Bundespräsidenten Joachim Gauck überreichte die Berliner Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen Dilek Kolat (SPD) heute dem Aktivisten Gerhard Hoffmann das Bundesverdienstkreuz am Bande für sein langjähriges Engagement in der homosexuellen Emanzipationsbewegung (MÄNNER-Archiv). „Wir alle sind sehr stolz darauf, dass Berlin die Regenbogenstadt ist”, sagte Kolat. „Sie ist es aber nicht einfach geworden. Die homosexuelle Emanzipationsbewegung hat wesentlich dazu beitragen.” Kolat hob Hoffmanns Anteil daran hervor. „Ich möchte Dich dafür ehren, dass Du so hartnäckig und geradlinig gewesen bist und vor allem kreativ – dafür möchte ich mich auch ganz persönlich bedanken”, so Kolat.

Auch Marianne Rosenberg gratulierte

Auch Freundinnen Hoffmanns wie die Sängerinnen Marianne Rosenberg und Lucie van Org waren zur feierlichen Ehrung ins Berliner Rathaus gekommen. Rosenberg nannte die Auszeichnung für den 70-Jährigen „sehr verdient”, weil er seinen Kampf „mit Bravour und einem gewissen Charme” geführt habe.

Bundesverdienstkreuz

Foto: Kriss Rudolph

MÄNNER wollte von Gerhard Hoffmann wissen, der seit 40 Jahren als Aktivist für Schwulenrechte im Einsatz ist: Wird der Kampf einfacher?

„Das ist ja so eine Sache mit den Rechten, sie können uns gegeben, aber auch wieder genommen werden. Denn die gleiche Teilhabe an Rechten ist immer auch das Ergebnis des gesellschaftlichen Diskurses, der politischen Einsicht und des politischen Gestaltungswillens”, so Hoffmann.

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„Anzunehmen, dass sich alles zum Guten wendet, und dann auf ewig so bleibt, ist naiv. Ein ständiger Einsatz ist immer nötig. Denn wenn wir Pech haben, dann könnte es uns wie Sisyphos gehen. Kaum sind wir mühsam auf dem Gipfel der Gleichheit angelangt, könnten wir dann ganz schnell wieder in die Niederungen der Ungleichheit zurückpurzeln.

Ohne die heterosexuellen Menschen, die unsere Forderungen unterstützen und mit uns politisch durchzusetzen versuchen, können wir gar nichts erreichen

Und was heißt schon einfach! Ohne Verbündete geht da gar nichts. Ohne die heterosexuellen Menschen, die unsere Forderungen unterstützen und mit uns politisch durchzusetzen versuchen, können wir gar nichts erreichen.

Ich sage es gerne immer wieder. Unterdrückt werden wir nicht, weil wir eine sexuelle Minderheit sind, sondern weil wir als Stachel im Auge des Patriarchats gelten. Es ist unsere sexuelle Neigung, die das Bild der heiligen Familie stört. Uns geht es aber um sexuelle Vielfalt, nicht um sexuelle Einfalt. Und diese Einfalt gilt es zu bekämpfen.

Bundesverdienstkreuz

Foto: Kriss Rudolph

Jeder würde verstehen, wenn er nun mit 70 sagte: Ich habe genug gekämpft. Aber Hoffmann will nicht aufhören. „Ich engagiere mich übrigens, weil es dabei immer auch um mich geht, um meine Rechte, um meine Freiheit und um meine Gleichheit.

Demokratie und Teilhabe

Meine politische Absicht ist, mitzuhelfen, dass Ungleichheiten beseitigt werden. Da geht es mir um mehr Demokratie, um teilhaben und teilen. Da geht es mir um die Rechte von Geflüchteten genauso wie um die Ungleichbehandlung von Frauen.

Ich arbeite aber eigentlich eher künstlerisch. Mein politisches Verständnis formuliert sich in Projekten. Das mögen Performances sein, Musikveranstaltungen, zeitgenössischer Tanz oder Kunst-Installationen.

So wie zum Beispiel meine Installation »Es gibt Liebe, warum hasst du?«, die ich in öffentlichen Räumen gezeigt habe und zeige. Hier diskutiere ich drei Formen von Liebe, die aus unterschiedlichen Gründen mit Hass verfolgt werden.

Die Umbenennung der Einemstraße in Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße in Berlin-Schöneberg hat für mich fast schon eine ästhetisch-moralische Qualität

Und selbst die Umbenennung der Einemstraße in Karl-Heinrich-Ulrichs-Straße in Berlin-Schöneberg, die ich zusammen mit Dirk Siegfried vorangetrieben und erreicht habe, hat für mich fast schon eine ästhetisch-moralische Qualität (Köln hat seit einem Jahr einen Felix-Rexhausen-Platz – MÄNNER-Archiv).

Ein ausgemachter Schwulenhasser musste dem ersten politischen Schwulen der Weltgeschichte weichen. Visuell dokumentiert in Straßenschildern. Aber zugegeben, das war ein mehr als vier Jahre andauernder Prozess, den andere vielleicht als Kampf bezeichnen würden.

Solange mir Projekte einfallen, in denen ich mich künstlerisch verwirklichen kann, solange wird man von mir hören. Ansonsten ziehe ich mich zurück und lese und studiere. — Das ist ja auch was Schönes.”

Titelbild: Kriss Rudolph


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