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Langzeit-Injektion gegen HIV?

Alle paar Monate eine Spritze, sonst nichts? Studien mit Depot-Medikamenten beginnen in Thailand und Amerika

Eine großangelegte Studie mit sogenannten Depot-Medikamenten, die bis zu zwei Monate gegen eine HIV-Infektion schützen sollen, beginnen in wenigen Wochen in Thailand und den USA. Amerikanische Teilnehmer sind hauptsächlich schwule Männer. Eine zweite Studie, an der vor allem afrikanische Frauen teilnehmen werden, folgt im nächsten Jahr. In der vierjährigen Untersuchung, die von der Pharmafirma ViiV Healthcare, zusammen mit der US-Regierung und der Bill & Melinda Gates Foundation durchgeführt wird, soll festgestellt werden, ob man Menschen alle zwei Monaten eine Injektion des Medikaments Cabotegravir verabreichen kann, das dann theoretisch genauso gut vor HIV schützen sollte, wie eine PrEP mit Truvada. Zwei andere Studien, die Cabotegravir mit einem anderen Medikament kombinieren, laufen bereits.

Die Injektion soll denjenigen helfen, für die regelmäßige Medikamenteneinnahme schwierig ist

Bereits jetzt nehmen rund 90.000 Menschen in den USA einmal täglich PrEP und schützen sich so sehr wirksam vor HIV. Eine PrEP minimiert bei richtiger Anwendung das Infektionsrisiko um bis zu 90 Prozent. Die Injektion soll denjenigen helfen, für die regelmäßige Medikamenteneinnahme schwierig ist. Zum Beispiel schwulen Männern, die nicht in Ballungsräumen wohnen oder afrikanischen Frauen, für die HIV-Vorsorge oft schambesetzt ist. Mit der zweitmonatlichen Infektion wäre eine Verletzung der Privatsphäre der Patienten so gut wie unmöglich und trotzdem würden die wirkstoff-Level auf dem heutigen Niveau gehalten. Fernziel ist ein etwa streichholzgroßes Implantat, das unter die Haut eingepflanzt wird, und sehr lange gegen HIV schützt, vergleichbar mit einigen heute erhältlichen Verhütungsmitteln. Etwa 1,9 Millionen Menschen infizieren sich jedes Jahr mit HIV. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt den Einsatz von PrEP auf breiter Basis.

Auch in Deutschland ist Truvada als PrEP seit einigen Monaten verschreibungsfähig

Auch in Deutschland ist Truvada als PrEP seit einigen Monaten verschreibungsfähig, allerdings mit 820 Euro für eine Monatspackung für die meisten unerschwinglich teuer. Und, bis es die Krankenkassen bezahlen, wird es wohl noch etwas dauern. Am Montag haben sich HIV/Aids-Organisationen in Deutschland für die Einführung und Kostenübernahme der Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) ausgesprochen. (MÄNNER-Archiv) Prof. Josef Hecken, der unparteiische Vorsitzenden des zuständigen Gemeinsamen Bundesausschusses, antwortete prompt und ließ in einem am Dienstag veröffentlichten Statement wissen: „Das Arzneimittel Truvada hat zusätzlich zur HIV-Behandlung am 18. August 2016 die Zulassung zur prä-expositionellen HIV-Prophylaxe als weiteres Anwendungsgebiet erhalten. Der Gesetzgeber hat allerdings das Leistungsspektrum der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) für solche Leistungen, die der Prävention von Krankheiten dienen, klar definiert. Für Arzneimittel gilt daher, dass diese in der Regel nur zur Krankenbehandlung zur Verfügung gestellt werden. Daneben gibt es weitere Anwendungsbereiche; dies setzt jedoch voraus, dass es sich um eine Schutzimpfung oder medizinische Vorsorgeleistung handelt.“

Truvada soll nur in Kombination mit Kondomen angewendet werden

„Bei Truvada handelt es sich zweifellos nicht um einen Impfstoff.  Die Verordnungsfähigkeit medizinischer Vorsorgeleistungen unterliegt weiteren Voraussetzungen. Truvada ist keine Alternative zu Safer-Sex-Praktiken, wie sie die Verwendung von Kondomen darstellt. Schon in der Zulassung wird darauf hingewiesen, dass Truvada zur Prä-Expositions-Prophylaxe nur als Teil einer Gesamtstrategie zur Prävention einer HIV-1-Infektion d.h. nur in Kombination mit der Verwendung von Kondomen angewendet werden sollte. Ein gesetzlich vorausgesetzter Vorsorgebedarf besteht insoweit nicht.“ Heißt: Macht mal so weiter wie bisher, das ist für alle Beteiligten billiger. Die Deutsche-AIDS-Hilfe und andere HIV/AIDS-Organisationen haben angekündigt, sich nun für eine Änderung der Allgemeinen Impfrichtlinie einzusetzen, um Truvada als Vorsorgemedikament anerkennen zu lassen.

Foto: Shutterstock/funnyangel


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